Der Crash der Kryptobörse FTX und seine Folgen schlagen hohe Wellen. Dass der Zusammenbruch ausgerechnet in einer heiklen Marktphase erfolgte, verschärft die Situation zusätzlich. Der FTX-Fall verdeutlicht erneut das Problem mit zentralisierten Kryptobörsen als Dienstleister, die derzeit, wenn überhaupt, relativ schwach reguliert sind. 

Aber gilt das für alle Kryptobörsen? Und inwieweit wird die Situation um FTX den gesamten Kryptomarkt und insbesondere zentralisierte Kryptobörsen beeinflussen? Cointelegraph auf Deutsch hat mit Johnny Lyu, CEO von KuCoin, darüber gesprochen, wie sich der Zusammenbruch von FTX auf die Kryptowährungsbörse auswirkt und was getan werden muss, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden.

Cointelegraph auf Deutsch: Inwieweit wirkt sich die FTX-Situation auf den gesamten Kryptomarkt aus?

Johnny Lyu: Diese Situation ist schockierend und alarmierend für jeden in der Kryptobranche. Verschiedene Börsen und CoinMarketCap haben Merkle-Tree Proof-of-Reserves als ersten Schritt zur Selbstregulierung und zum Schutz von Nutzergeldern vorgeschlagen, um das Vertrauen in die Kryptoszene wiederherstellen. Der FTX-Crash hat aber verschiedene innere Probleme verdeutlicht, was eine positive Entwicklung für die gesamte Branche sein könnte. Auch wenn das kurzfristig schmerzhaft sein wird, ist es für die langfristige Entwicklung der Branche von Vorteil.

CT: Welche Konsequenzen sind für die Kryptobranche in den nächsten Monaten oder vielleicht Jahren zu erwarten?

Johnny Lyu: Die Entwicklung der Krypto-Industrie befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Es sind erst 13 Jahre seit der Geburt von Bitcoin vergangen, und es ist unrealistisch, dass die Branche vollständig dezentralisiert wird. Dieses Ereignis kann jedoch ein Katalysator für die Einführung dezentraler Lösungen sein und es wird mehr Raum für die Zusammenarbeit zwischen zentralisierten und dezentralisierten Börsen geben.

Angesichts des wachsenden Bewusstseins für das Motto "Not your keys, not your coins" werden immer mehr Nutzer die volle Kontrolle über ihr digitales Vermögen im Hinblick auf die Sicherheit haben wollen. Digitale Vermögenswerte, die nicht häufig gehandelt werden, werden wahrscheinlich auf einer dezentralen Plattform gespeichert und verwaltet. Um unseren Nutzern einen besseren Service zu bieten, hat KuCoin eine selbstverwahrende Wallet, die KuCoin Wallet, eingeführt, in der Nutzer ihre privaten Schlüssel selbst aufbewahren können.

CT: Hat der FTX-Zusammenbruch Ihr Unternehmen in irgendeiner Weise beeinflusst? 

Johnny Lyu: Wir haben kein Geld auf FTX und haben auch nicht mit ihnen zusammengearbeitet, daher hat dieser Vorfall kaum Auswirkungen auf KuCoin. KuCoin hat die Adressen seiner Cold- und Hot-Wallets veröffentlicht, auf denen Kundengelder aufbewahrt werden. Die Nutzer können die in den Wallets gespeicherten Vermögenswerte in Echtzeit über das Nansen-Dashboard verfolgen. Gleichzeitig arbeitet KuCoin mit externen Prüfern an einem Merkle-Tree Proof-of-Reserve, der Anfang Dezember 2022 fertig sein wird.

Auszahlungen sind nach dem FTX-Vorfall für KuCoin kein Problem, da das Geld unserer Nutzer mit eine Reserve 1:1 abgesichert ist. KuCoin ist wie gewohnt tätig und auch die Auszahlungen funktionieren normal. 

Darüber hinaus wächst KuCoin in diesem bärischen Markt weiter. Die Zahl unserer registrierten Nutzer ist in den letzten vier Monaten weltweit um 7 Millionen gestiegen und erreichte im November 27 Millionen. Der strategische Fokus von KuCoin ist glokal (global und lokal), unsere Priorität ist der Ausbau des Web3-Geschäfts. Wir sind davon überzeugt, dass lokale Teams die Nutzer vor Ort besser betreuen können, und werden schrittweise lokale Büros in Bangkok, Hongkong, Singapur und Dubai einrichten.

CT: Im Zuge der FTX-Liquiditätskrise hat KuCoin einen sogenannten Proof of Reserves, auch bekannt als Proof of Funds, angekündigt. Erzählen Sie uns mehr darüber.

Johnny Lyu: Es gibt zwei Arten von Reserve-Nachweisen: proaktive und passive. Die passive Variante basiert auf der Transparenz und Unveränderlichkeit der Blockchain, mit der alle Daten auf der Chain aufgezeichnet werden. Es gibt viele Statistik-Tools, die Daten sammeln, wie Dune, Nansen und Cryptoquant. Diese Methode zeigt jedoch nicht unbedingt alle Vermögenswerte, die der Börse gehören. Der ERC20-USDT-Abfluss von KuCoin zum Beispiel hat zuvor einige Spekulationen ausgelöst, weil Nansen unseren TRC20-USDT-Zufluss nicht mitgezählt hat, bei dem es sich um eine börseninterne Transaktion zum Ausgleich unseres Vermögens handelt.

Daher müssen wir noch den proaktiven Proof-of-Reserve, nämlich den Merkle-Tree Proof-of-Reserve, veröffentlichen, um zu demonstrieren, dass alle Guthaben unserer Nutzer 1:1 abgesichert sind und KuCoin die Guthaben der Nutzer nie veruntreut hat und auch nie veruntreuen wird. Die Nutzer können ihren Vermögensbestand über die Benutzer-IDs auf dem Merkle-Tree überprüfen. Dritte unabhändige Prüfer werden auch die Summe aller Guthaben der Nutzer im Baum und die Summe der Guthaben aller Wallet-Adressen der Börse prüfen. 

Transparenz ist für alle Kryptobörsen gerade wichtig, denn ohne sie verlieren Nutzer und Investoren das Vertrauen in die Plattform. Wir brauchen noch ein paar Wochen, um den Merkle-Tree Proof-of-Reserve vorzubereiten, weil es Zeit braucht, die Technologie einzurichten und das Produkt vorzubereiten. Und wir müssen mit externen Prüfern zusammenarbeiten, was bei dieser Art von Prüfung normalerweise 4 bis 8 Wochen dauert. Wie Sie wissen, halten Börsen viele verschiedene Vermögenswerte wie Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH) und Stablecoins. Diese müssen alle einzeln geprüft werden, was Zeit kostet.

CT: In Ihrem Tweet sagten Sie, dass KuCoin mit "wichtigen Wirtschaftsprüfungsinstituten" zusammenarbeiten würde, um sicherzustellen, dass der Proof of Funds das vorhandene Vermögen korrekt darstellt. Welche Prüfer meinen Sie damit?

Johnny Lyu: Wir arbeiten mit mehreren führenden Wirtschaftsprüfern zusammen. Wir werden die Neuigkeiten so bald wie möglich bekannt geben.

CT: Was könnte in Zukunft noch getan werden, um sicherzustellen, dass sich Szenarien wie der FTX-Zusammenbruch nicht wiederholen?

Johnny Lyu: Die Börsen müssen für mehr Transparenz, die neutral sein und für die ganze Branche gleichermaßen gelten sollte, und Selbstregulierung sorgen sowie die Sicherheit der Vermögenswerte der Nutzer in den Vordergrund stellen. Wir glauben auch, dass die Branche mehr für den Schutz und die Betreuung der Nutzer tun muss, die von den jüngsten Entwicklungen betroffen sind. 

CT: Erst im Juli hat KuCoin seine ersten Indexfonds für führende NFT-Projekte wie Bored Ape Yacht Club aufgelegt. Wie beurteilen Sie die Einführung dieser Indexfonds? 

Johnny Lyu: NFT-ETFs haben drei Vorteile: hohe Liquidität, Transparenz und mehr Handelsmöglichkeiten.

Die Liquidität bei NFTs ist im Allgemeinen gering. Um den Handel mit NFTs so einfach wie den mit Ethereum oder Bitcoin zu machen, freuen wir uns, die zentrale Börse zu sein, die NFT-ETFs ausgibt. Damit können Nutzer direkt mit USDT in erstklassige NFTs investieren. Damit wird die Schwelle für Kleinanleger gesenkt, in erstklassige NFTs zu investieren, und die Verwaltung von NFT-Infrastrukturen wie Wallets und Smart Contracts entfällt.

Wir haben 12 prominente NFT-ETF-Handelspaare bis November 2022 aufgelegt, darunter Crypto Punks, BAYC, Sandbox, Otherdeed, Squiggle und Fidenza. Wir nennen diese fraktionierten Token hiNFT und ihr durchschnittliches tägliches Transaktionsvolumen beträgt fast 10 Millionen USDT.

Die extrem hohe Liquidität bedeutet, dass die Kursschwankungen von hiNFT effektiver sein könnte als die von NFTs, was wiederum den Bedürfnissen der Händler besser entspricht. Und KuCoin wird weiterhin weitere NFT-Produkte erforschen. In Zukunft werden wir neue Handelspaare und weitere NFT-Handelsprodukte mit hoher Liquidität, wie etwa NFT-Margin-Trading und Futures-Trading, auflegen, um eine vollständigere Infrastruktur des NFT-Marktes aufzubauen. Entwickler können diese Werkzeuge nutzen, um weitere NFT-Finanzanwendungen wie Hypothekendarlehen oder Hedging zu entwickeln.

CT: Bislang hat sich der Kryptomarkt nach verschiedenen Abstürzen immer erholt. Überlebt er auch diesen so lang andauernden Kryptowinter?

Johnny Lyu: KuCoin ist seit über 5 Jahren etabliert und hat Bären- und Bullenmärkten erlebt. Wir glauben, dass es sich gerade um einen Anpassungsprozess handelt, der die Entwicklung der Branche langfristig fördern wird. Unternehmen, die diesen Sturm überstehen, werden stärker werden, und das gilt auch für die gesamte Branche. Je tiefer man in die Hocke geht, desto höher springt man. Das ist mein Verständnis des Marktes.

Dieser Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit KuCoin verfasst. Erfahren Sie mehr über KuCoin.

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