Der Sekretär des iranischen Hohen Rates des Cyberspace (HCC) hat öffentlich das mögliche Verbot von Telegram im Land unterstützt. Dabei hat er das Initial Coin Offering (ICO) der Chat-App als ein potenzielles "Untergraben der nationalen Währung des Iran" bezeichnet. Das geht aus einem Bericht der lokalen Nachrichtenagentur Al-Monitor von gestern, 3. April, hervor.

Laut Al-Monitor wurde die Diskussion über das Verbot von Telegram ursprünglich sowohl aufgrund der Absicht, lokale Apps zu unterstützen, als auch aus Gründen der nationalen Sicherheit losgetreten. Es bestehen Bedenken, dass die App in zukünftigen Protesten verwendet werden könnte, wie es wahrscheinlich bei den iranischen Demonstrationen im Dezember 2017 verwendet wurde.

Der HCC ist ein Gremium zur politischen Entscheidungsfindung, dessen Mitglieder vom Obersten Anführer Ayatollah Ali Khamenei ernannt werden. Eine Ausnahme ist der Sekretär, der vom iranischen Präsidenten vorgeschlagen wird. Dieser Sekretär des HCC, Hassan Firouzabadi, befürwortet das vorgeschlagene Verbot, da Telegram möglicherweise all den iranischen Nutzern Zutritt zu Kryptowährungen gewähren könnte.

Die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, dass Firouzabadi Telegram als einen "Feind des privaten Sektors" bezeichnet habe, da "Telegram sich niemals ein Büro im Iran nehmen wollte und sich weigerte, mit dem privaten Sektor zusammenzuarbeiten". Dann fügte er hinzu:

"Telegramm ist nur im Iran eine dominante Nachrichten-App. ... Telegram hat offiziell angekündigt, dass es als wirtschaftliche Plattform genutzt werde und Telegram wird die nationale iranische Währung untergraben."

Die lokale Nachrichtenagentur Entekhab berichtete, dass Firouzabadi die fehlende Regulierung bei Kryptowährungen als eines der Probleme dabei sieht, den Betrieb von Telegram im Iran weiterlaufen zu lassen:

"Wir sagen voraus, dass die Lebensdauer dieses virtuellen Geldes 10 Jahre beträgt. Und in diesem Zeitraum werden ungefähr 50 Milliarden US-Dollar aus dem Land kommen. Aber wenn der Kurs dieses virtuellen Geldes über Nacht sinkt, werden die Leute protestieren und fragen, warum das Ganze nicht überwacht wurde."

Einer der Gegner des Telegrammverbots ist laut einem Artikel der lokalen Nachrichtenagentur Tasnim News Agency der iranische Präsident Hassan Rouhani. In diesem heißt es, dass Rohani es für nötig hält, den "Monopolen" ein Ende zu machen anstatt eine App zu verbieten:

"Über starke, sichere und preiswerte iranische Nachrichten-Apps, die die Bedürfnisse und Probleme der Menschen lösen können, würde sich sicherlich jeder sehr freuen. Das Ziel, iranische Software- und Messaging-Apps zu erstellen und zu verbessern, sollte nicht den Zugang zu anderen Apps verwehren. Es sollte Ziel sein, Monopole zu beseitigen".

Firouzabadi sagte im November letzten Jahres, dass, obwohl der HCC "Bitcoin begrüßt", sie es auch für nötig hält, Kryptowährungen innerhalb des Landes zu regulieren. Zu diesem Zweck arbeitet der Rat mit der Zentralbank von Iran an einer Kryptostudie, die darauf abzielt zu klären, wie Regulierungen funktionieren könnten.

Telegram hat kürzlich zwei Token-Verkaufsrunden abgehalten und dabei jeweils 690 Mio. Euro gesammelt, um finanzielle Mittel zur Unterstützung sowohl der Telegram-Chat-App als auch des Telegraph Open Network, der kommenden Blockchain-Plattform, zu beschaffen. Die App feierte Ende März, dass eine Anzahl von 200 Millionen aktiven Nutzern monatlich erreicht wurden.

Im Februar kündigte die iranische Zentralbank an, dass sie Berichten zufolge derzeit versuchen, Kryptowährungen zu "verhindern". Damit haben sie ihre Krypto-freundlichere Haltung vom Herbst aufgegeben. Der Iran und die Türkei äußerten im Februar ebenfalls Interesse an der Entwicklung eigener staatlich gestützter Kryptowährungen.

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