Krypto-Startup Savedroid hat bei ICO-Einnahmen möglicherweise übertrieben

Bei dem nach offiziellen Angaben rund 40 Millionen Euro schweren Initial Coin Offering (ICO) des deutschen Krypto-Startups Savedroid wurden möglicherweise weniger Barmittel eingenommen. Dies deutet eine am 23. September auf dem Blog Finanz-Szene veröffentlichte Analyse an.

Kaum Barmittel aus ICO

Blogger Thomas Borgwerth weist auf eine von Savedroid veröffentlichte Aufschlüsselung zum Jahresabschluss 2018 hin. Dort habe Savedroid nur 6,1 Millionen Euro an Einnahmen aus Barmitteln und 11,1 Millionen Euro aus Kryptowährungen ausgewiesen.

Der mit 15,9 Millionen größte Posten an ausgewiesenen Einnahmen entfalle jedoch auf Token-Swaps, welche Savedroid im Jahresabschluss nicht als Aktiva ausweise. Borgwerth beschuldigt Savedroid zwar nicht direkt, durch eine Scheintransaktion mittels Swaps das ICO künstlich um rund 16 Millionen Euro aufgeblasen zu haben.

In seiner Analyse legt er jedoch genau diese Schlussfolgerung nahe und dass Savedroid auch aus diesem Grund zu Jahresende kaum noch Barreserven ausweisen konnte. Auch andere Ursachen wie Freiausgaben von Token und durch Token bezahlte Dienstleistungen seien dafür verantwortlich. Er schreibt dazu:

“Bei Einnahmen in Höhe von rund 40 Mio. Euro sollte die Kasse zum Jahresende eigentlich prall gefüllt gewesen sein. Indes, hier wartet der Jahresabschluss plötzlich mit einer faustdicken Überraschung auf. Die Summe aller Aktiva belief sich zum 31 Dezember 2018 gerade einmal auf 7,5 Mio. Euro, als Barreserven waren sogar nur 3,8 Mio. Euro vorhanden. Wie ist das möglich, wenn doch der Krypto-Börsengang 40 Mio. Euro Einnahmen in das Unternehmen gespült haben soll?”

Savedroid-Gründer Yassin Hankir habe dem  Blogger auf Nachfrage bestätigt, “dass nur ein Teil des Bruttovolumens bilanziell in 2018 berücksichtigt wurde und dass Token-Swaps nicht bilanziell in 2018 berücksichtigt wurden.”

Vom Brutto-Volumen des ICOs seien nur die auch bilanziell berücksichtigen Beträge “als ‘Cash’ in der Kasse gelandet,” habe Hankir zugegeben.

Savedroid schuldet Geld an Liechtensteiner Tochter

Wie Borgwerth erläutert, schuldet Savedroid den als Token-Swaps ausgewiesenen Betrag an seine Liechtensteiner Tochtergesellschaft Savedroid FL GmbH. Dass dahinter eine “Luftbuchung” steckt, kann Borgwerth jedoch nicht belegen und verweist abschließend leicht ironisch auf die eigenen Verständnisprobleme der Buchungen:

“Geprüft und testiert wurde der Abschluss von einem mit allen akademischen Weihen (Prof. Dr.) ausgezeichnetem Wirtschaftsprüfer der Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Wir gehen hoffnungsvoll davon aus, dass dieser Herr selbstverständlich all das verstanden hat, was wir nicht verstanden haben.”

Savedroids Token wird laut Etherscan aktuell Aufgrund mit einem Wert von 0,0002 US-Dollar gehandelt, was gegenüber dem Ausgabepreis von 0,001954 US-Dollar pro Token einem Wertverlust von 90 Prozent entspricht. Bereits im Mai dieses Jahres hatte ein deshalb enttäuschter Anleger Savedroid auf eine Rückabwicklung der ICO-Teilnahme verklagt