Legitimierung von ICO-Token: die Suche nach Anwendbarkeit besiegt Wertanlagen

Fundaising-Methoden für Startups wurde 2017 nach traditioneller Venture-Capital-Methodik radikal umgestellt. Im Zuge des Booms an ICOs formierten sich Hunderte von Firmen auf Basis der Blockchain und der angebundenen digitalen Währungen in Form von investierbaren Tokens. Nichtsdestotrotz wurden jene rapide explodierende Plattform inzwischen von Regulatoren und Autoritäten eingeschränkt, die einige beunruhigende Trends sahen. Entitäten wie die SEC wendeten sich den Tokens zu, jenen Produkten, die aus den ICOs hervorgehen, und haben sie nach genauerer Betrachtung in den meisten Fällen als Sicherheiten eingestuft.

Plötzlich unterliegt, was im Grunde nichts weiter als ein Versuch war, Startkapital aufzutreiben, komplizierten Bundesgesetzen und das Unternehmen, welches versucht, mit Hilfe der Blockchain-Technologie etwas Innovatives zu schaffen, muss gewaltige Mengen an Energien aufbringen, um sich den Regulierungen anzupassen. Aber es gibt geheime Schleichwege: Nicht alle Token, die der Blockchain entstammen, sind zwangsläufig als Sicherheiten einzustufen. Es gibt einige andere Arten von Tokens, die aus der Blockchain gebildet werden können, inklusive Nutzungs- oder Anwendungs-Token.

Zwar gibt es mehr als nur zwei Arten von Token, einschließlich Arbeits-, Zugangs- und Öl-gesicherte Tokens , es ist jedoch sinnvoll, sich auf zwei allgemeinere Definitionen zu begrenzen, um die aus den ICOs hervorgehenden Token zu klassifizieren: die Nutzungs- und die Wertpapier-Token. Indem die Unterschiede zwischen beiden verstanden und genutzt werden, können ICOs eine Richtung einschlagen, die Ihnen den Weg im Bezug auf Regulierungen erlaubt.

Wertpapier-Token

Gegen Ende Juli des letzten Jahres hatte die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde (SEC) dem Regulierungsprozess einen heftigen Schlag versetzt, als sie Mit Blick auf die DAO-Token aus 2016 angekündigt hatte, dass ICO-Token als Sicherheiten einzustufen seien und so unter das bundesstaatliche Wertpapiergesetz fallen.

ICO-Token sollten ursprünglich nie als Wertpapiere eingestuft werden, allerdings gibt Vorstandsmitglied der SEC, Jay Clayton, zu Protokoll, dass jeder ICO-Token, der der SEC bisher untergekommen ist, als solches einzustufen sei. Er erklärt, dass Krypto-Assets, die von einem Unternehmen herausgegeben werden, mit der Zeit einen höheren Wert erlangen. Da dies im Einklang mit der Unternehmensentwicklung geschieht, wird er als Wertpapier angesehen. "Man kann es als Coin bezeichnen, aber wenn es sich wie ein Wertpapier verhält, dass ist es eines." Er fügt hinzu:

"Vorraussichtliche Käufer kaufen auf Basis des Potentials des Tokens, dass er an Wert zunimmt und mit der Möglichkeit, von diesem Wertanstieg über einen Weiterverkauf des Tokens auf einem Sekundärmarkt zu profitieren oder andersweitig von dem Token zu profitieren, basierend auf den Bemühungen von anderen." Dies sind Schlüsselmerkmale eines Wertpapiers und eines Wertpapierangebots. "

Das heißt, bei Definition kann ein Wertpapier-Token durch Anwendung des Howey Tests erkannt werden. Mit dem Test lässt sich herausfinden, ob ein Token die folgenden Attribute aufweist: bietet er die Möglichkeit, Geld einzubringen und an den Profiten des herausgebenden Unternehmens teilzuhaben, und wird ferner teilweise von jenen Zuständigen gehalten? Und zweitens, bezieht sich das System auf eine Investition von Geld in ein gemeinsames Unternehmen mit Gewinnen, die ausschließlich von den Bemühungen anderer herrühren?

Offensichtlich trifft diese Kategorisierung auf einen Großteil der durch ICOs herausgegebenen Tokens zu und dadurch fallen sie unter das Bundesgesetz.

Nutzungs-Token

Umgekehrt gibt es eine weitere Art von Token, die dann eine wichtige Rolle spielen, wenn Wertpapier-Token zum Nachteil des Unternehmens von Sicherheitsregulierern untersucht werden. Ein Nutzungs-Token kann insofern definiert werden, "als dass er den zukünftigen Zugriff auf ein Unternehmensprodukt oder eine -dienstleistung repräsentiert". Das Hauptmerkmal eines Nutzungs-Tokens ist, dass er nicht als Investment entworfen wurde. Wenn er richtig aufgebaut wurde, erlaubt dieses Merkmal, ihn von der Anwendbarkeit Bundesgesetzen im Bezug auf Sicherheiten freizustellen."

Es gibt bereits einige sehr erfolgreiche Nutzungs-Token, wie Vinny Lingham am Beispiel des Tokens für Civic erklärt, einem Identität-verifizierendem Coin. "Civic hat eine Billion Coins kreiert, die Zugriff auf Identität-verifizierende Leistungen in einem dezentralisierten, Token-basierten Ökosystem ermöglichen", schriebt Ligham in seinem Blog. Diese Token repräsentieren eine Rechnungseinheit für das Netzwerk. Je größer das Netzwerk wächst, desto größer ist der Nutzwerk eines jeden Token, da die absolute Anzahl an Token festgelegt ist. Wenn die Größe des Netzwerkes und sein Transaktionsvolumen wachsen, steigt so die Nachfrage nach den Token."

Wie um die Unterauslastung der Token zu betonen, wurde berichtet, dass von den 226 ICO-Token lediglich 20 aktiv im Betrieb des Netzwerk genutzt werden, das heißt, sie sind Utility-Token, gemäß Token Report.  Storj ist ein weiteres Beispiel für ein Unternehmen, welches Nutzungs-Token nutzt, wie der Mitgründer und leitende Stratege Shawn Wilkinson erklärt. "Die Storj-Token, welche wir herausgaben, ermöglichen den Leuten, Bereiche des Netzwerkes zu nutzen. Wir haben eine halbe Million US-Dollar durch den Crowdsale der Token in 2015 insgesamt generiert." Er fügt hinzu:

"Für viele Unternehmen scheint Anwendbarkeit ein nachträglicher Gedanke zu sein, aber damit Token erfolgreich von der Gemeinschaft angenommen werden, ist dies die kritischste Komponente. Angesichts der Masse an Tokens auf den heutigen Märkten und mit der täglichen Einführung neuer, ist es offensichtlich, dass es eine Blase gibt, auch wenn deren Größe zur Diskussion stehen könnte. Wenn sich der Markt verlangsamt, werden jene Token ohne Nutzbarkeit am Ende gar keinen Wert mehr besitzen."

Nutzungs-Token können auch als Bezugsscheine oder Coupons für ein Unternehmen beschrieben werden und der Service entwickelt sich weiter. Ein Beispiel aus der realen Welt wäre in etwa, dass ein Versandhaus Vorbestellungen von Videospielen akzeptiert, die noch nicht auf dem Markt sind. Es ist ein Token, der sich von dem gängigen Token unterscheidet, den die meisten bisher gewohnt sind und auch, wenn er nicht für jedes Unternehmen gleich sinnvoll ist, gab es bereits Fälle, in welchen Nutzungs-Token die Wertpapier-Token ersetzt haben und die Blockchain-Lösungen sich auf ihre Hauptziele konzentrieren konnten. Ein Beispiel war der Fall Filecoin, welcher 42 Mio. Euro generierte.

Die Entscheidung für Nutzbarkeit statt Wertanleihe

Natürlich steckt mehr dahinter, als einen 'normalen' Wertanlage-Token mit einem Nutzungs-Token zu ersetzen, um der SEC zu entgehen. Einige Unternehmen werden sich weiterhin auf die Wertpapier-Charakteristiken ihrer Token verlassen, aber allgemein wird davon ausgegangen, dass viele Unternehmen dies nicht tun werden.

Es gibt eine ganze Reihe an Nutzungs-Token, jeder mit spezifischen Charakteristika, die den Anforderungen und Bedürfnissen des ICOs entsprechen. Wenn ein Unternehmen sich in keiner der unten aufgeführten Kategorisierungen wiederfindet, hat es eine Grundlage für die Kreation eines Wertpapier-Tokens. Falls ein Token jedoch in eine Kategorie fällt, dann muss wirklich kein neuer nativer Token kreiiert werden, mit dem das Unternehmen Gefahr läuft, in dem regulatorischen Minenfeld unterzugehen. Zunächst ist es wichtig, dass man zwischen ersetzbaren und unersetzbaren Tokens unterscheidet.

Austauschbare und unersetzbaren Nutzungs-Token

Diese Art von Token beschreibt jene, die immer untereinander austauschbar sind. Die austauschbare Natur impliziert, dass das Asset, das Gut oder der Token austauschbar mit einem Gegenstück des gleichen Wertes ist und seine Individualität nicht wichtig ist. Gold wird oft als ersetzbarer Vermögenswert zitiert, da eine Unze Gold - unabhängig davon ob als Münze, Barren oder Staub - immer gleich viel wert ist.

Von daher gibt es mehrere Kategorisierungen für ersetzbare Nutzungs-Token, wenn sie gegenseitig austauschbar sind. Zum Beispiel gibt es bei der Blockchain die Möglichkeit, System-Anreiz-Token zu verwenden, die im Wesentlichen dazu dienen, die Nutzer des Netzwerkes zu einem bestimmten, gewollten Verhalten zu bewegen. Ein Unternehmen, dass sein ICO um diese Operation herum ausrichtet, braucht keine native App und kann mit dem Anbieter solcher Token arbeiten.

Das gleiche gilt für Wähler-Token. Eine weitere Situation in der Blockchain und Token eine Rolle spielen, aber auch hier wird kein eigener Token-Typ benötigt. Diese Token ermöglichen es den Teilnehmern eines Netzwerkes, bestimmte Aktionen auszuführen, zum Beispiel zwischen verschiedenen Optionen zu wählen, wofür ein Nutzungs-Token absolut ausreichend ist. Ähnlich verhält es sich mit Mitgliedschafts-Token. Klassiche Beispiele für austauschbare Nutzungs-Token, da sie dazu genutzt werden, sich Zugang zu einer Plattform zu verschaffen und deren Angebote zu nutzen.

Auf der anderen Seite von Vermögenswerten stehen nicht-austauschbaren Items, die einzigartig sind, wie zum Beispiel Grundstücke oder - in der Blockchain-Sphäre - CryptoKitties. Unersetzbare Nutzungs-Token werden hauptsächlich dafür genutzt, die Besitzansprüche eines spezifischen Token oder digitalen Assets zu bestimmten. Bei der Anzahl an ICOs, die sich, im Bezug auf den Nennwert, eindeutig in die oben genannten Kategorien einfügen, stellt sich die Frage, warum sich einige für einen nativen Wertpapier-Token entschieden haben, der zu regulatorischem Druck führen wird.

Über Definitionen hinaus

Die Definitionen Nutzungs- und Wertpapier-Token sowie einige andere weniger bekannte Nischen-Klassifizierungen stammen aus einer Zeit vor Blockchain.

Dejun Qian, der Gründer von Fusion und Erfinder von QTUM, welches aktuell in den Top 20 bei Coinmarketcap aufgeführt wird, erklärt, dass Token noch immer eine relativ neue und einzigartige Idee darstellen und während die Menschen versuchen, sie in eine Schublage zu schmeißen, sollten sie auf jeden Fall individuell definiert werden.

"Der Grund, warum die Menschen herauszufinden versuchen, ob ein Token ein Wertpapier ist oder eine Dienstprogramm-Funktion besitzt ist der, dass sie an die Gesetzte denken, welchen die Token entsprechen müssen. Wenn Leute sagen, dass der Token eine Anwendung ist, heißt das, dass er in den Blockchain-Infrastruktur entwickelt und eingebettet wurde. Natürlich kann er als sehr wichtige Komponente in der Blockchain dienen. Es ist sehr kreativ und kann viele verschiedene Möglichkeiten für die Blockchain bieten."

Quians Meinung nach sollten wir jedoch die kühne Wertpapier- vs. Nutzungs-Perspektive überschreiten: "Auf der anderen Seite gibt es den Token, der als Wertpapier angesehen ist. Aktuell haben wir Gesetzte für die Wertpapier-Industrie und es gibt eine Menge Anforderungen, denen wir gerecht werden müssen, also denken die Leute auf eine ähnliche Art und Weise. Ich glaube, wir sollten uns mehr um die Nutzungs-Seite benühen und um etwas, das über Sicherheit vs. Nutzen hinausgeht. Denn von meiner Perspektive aus sind Token weder ein Wertpapier noch eine Anwendung, sie sind etwas Neues und wir können keine neuen Dinge in ein existierendes Rahmenumfeld pressen, um zu definieren, was es ist."