"Keine Spur vom Petro Hier": Venezuelas Krypto-"Revolution" mysteriös und verwirrend

Reuters hat heute, am 30. August, einen Untersuchungsbericht über die venezolanische nationale und durch Öl gedeckte Kryptowährung Petro (PTR), veröffentlicht. In diesem wird versucht, Behauptungen der Regierung mit Fakten vor Ort und Nachweisen durch den bisherigen Transaktionsverlaufs des Petro zu vergleichen.

Reuters schickte Reporter in den zentralen venezolanischen Weiler Atapirire, der im Herzen des 380 Quadratkilometer großen Territoriums liegt, von dem der Präsident sagte, dass er die 5 Milliarden Barrel Erdöl bieten kann, die benötigt werden, um die neue Kryptowährung zu unterstützen.

Inmitten der grassierenden Hyperinflation in der venezolanischen Wirtschaft hat Präsident Maduro letzte Woche eine umbenannte Fiatwährung - den souveränen Bolívar - eingeführt, der fünf Nullen weniger als sein kränkelnder Vorgänger, der Bolívar Fuerte (VEF), hat. Die neue Währung wurde wiederum an den jungen Petro geknüpft, dessen Wert bei umgerechnet etwa 57 Euro liegt - was auch der Preis für ein Barrel venezolanischen Öls ist.

Der in Venezuela geborene Energiepolitik-Experte Francisco Monaldi sagte gegenüber Reuters, dem mutmaßlich ölreichen Territorium fehle "die entscheidende Infrastruktur", darunter Straßen, Pipelines und Stromerzeugungsanlagen, um die Reserven zu fördern. Monaldi erklärte, es gebe "keinen Investitionsplan für dieses Gebiet und keinen Grund zu der Annahme, dass es vor anderen Feldern mit besseren Bedingungen entwickelt wird".

Die Ermittler von Reuters behaupten, dass das Gebiet vor Ort wenig Anzeichen einer Ölindustrieaktivität zeigte, es seien nur verstreute und verwitterte Bohrinseln zu sehen gewesen.

Der Artikel erwähnt auch ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten des ehemaligen Ölministers Rafael Ramirez, der geschätzt hat, dass die Wiederbelebung des Gebiets umgerechnet mindestens 17,2 Mrd. Euro kosten würde - eine astronomische Summe für die verschuldete und staatseigene Ölfirma PDVSA. Ramirez soll geschrieben haben, dass "der Petro einen willkürlichen Wert zugeordnet bekommt, der nur in der Fantasie der Regierung existiert".

Reuters erklärte, dass der Petro derzeit an keiner der großen internationalen Kryptobörsen gehandelt wird. Bitfinex aus Hongkong hat gegenüber Reuters gesagt, dass sie den Token nach den Sanktionen der USA offiziell von ihrer Plattform genommen hat. Andere Börsen - darunter Coinbase, Bittrex und Kraken - wollten sich Berichten zufolge nicht dazu zu äußern, warum sie sich entschieden haben, den Petro nicht aufzulisten.

Von den 16 kleineren Börsen, die den Petro-Handel mutmaßlich unterstützen, konnte Reuters für sieben von ihnen keine Internetpräsenz finden. Sieben weitere haben Berichten zufolge nicht auf Anfragen zu einem Kommentar reagiert. Nur die in Indien ansässige Börse Coinsecure hat öffentlich erklärt, den Petro zu unterstützen, und bekommt im Gegenzug dafür Tantiemen aus Venezuela.

Reuters hat außerdem versucht, offizielle Erklärungen des Präsidenten Maduro zu prüfen, laut denen der Verkauf von Petro bis jetzt umgerechnet 2,8 Mrd. Euro eingebracht hat. Laut dem White Paper von Petro dienen die in Singapur entwickelten NEM-Token als "vorläufige" Token für die Initiative, die später gegen Petro getauscht werden.

Laut Reuters zeigen Aufzeichnungen vom März, dass ein NEM-Konto, das angeblich von der venezolanischen Regierung betrieben wird, 82,4 Millionen Token im Rahmen eines ICO ausgegeben hat, das Ende Februar erstmals angekündigt wurde. Rund 2.300 dieser Token im Gesamtwert von umgerechnet etwa 130.000 Euro wurden Anfang Mai auf 200 anonyme Konten übertragen, wie aus den Berechnungen Reuters hervorgeht.

Im April zeigen Aufzeichnungen Berichten zufolge, dass ein einzelnes NEM-Konto insgesamt etwa 13 Millionen Token an etwa ein Dutzend Konten ausgegeben hat. Reuters berechnete, dass dadurch etwa 732 Mio. Euro hätten aufgebracht werden können. Während die betreffende Emission mutmaßlich auf "Großinvestoren" abzielte, soll bisher noch niemand öffentlich bestätigt haben, eine Investition dieser Größenordnung in den Petro getätigt zu haben.

Tom Robinson von der britischen Blockchain-Datenfirma Elliptic sagte gegenüber Reuters:

"Das sieht angesichts der geringen Transaktionsaktivität sicherlich nicht nach einem typischen ICO aus. Wir haben weder Beweis dafür gefunden, dass ein Petro an jemanden ausgegeben wurde, noch dafür, dass er aktiv an irgendeiner Börse gehandelt wird."

Der Kabinettsminister Hugbel Roa sagte letzte Woche gegenüber Reuters, dass sich die Technologie hinter dem Coin noch in der Entwicklung befindet und dass "weder jemand in der Lage war, den Petro zu nutzen...noch hat man irgendwelche Ressourcen erhalten".

Bereits vor der Reuters-Untersuchung haben wichtige Stimmen aus der venezolanischen Krypto-Community diesen Monat den Petro ähnlich stark kritisiert und ihn als einen undurchsichtigen "Stunt" bezeichnet, der von einer zentralisierten und verschuldeten Organisation unterstützt wird.