Lightning Network: Datenschutz und Skalierbarkeit geringer als erwartet

Forscher der Kryptobörse BitMEX wollen herausgefunden haben, dass die Datenschutz- und Skalierbarkeitsvorteile der Bitcoin (BTC)-Implementierung des Lightning Network geringer sind als erwartet.

Ein von BitMEX am 11. Januar veröffentlichter Bericht veranschaulicht die Bemühungen der Forscher, das Wachstum des Lightning Network zu bestimmen. sie versuchten, Informationen über private Zahlungskanäle aus leicht zugänglichen Daten zu extrapolieren. 

Das Team konzentrierte sich auf geschlossene, nicht kooperativen Kanäle.  Sie gehen davon aus, dass seit Start des Netzwerks - etwa 60.000 solcher Transaktionen stattgefunden haben.

Die Schließung eines nicht kooperativen Kanals erfolgt, wenn ein Lightning Network-Knoten die Schließung eines Zahlungskanals initiiert, ohne direkt mit dem Knoten zu kommunizieren, mit dem der betroffene Kanal verbunden ist.

Häufiger als erwartet

Schließungen nicht kooperativer Kanäle können leichter nachvollzogen werden, da sie blockweise auf der Blockchain bestätigt werden müssen. Mit Bezug auf  diese Eigenschaften zogen die BitMEX-Forscher aus der höher als erwarteten Anzahl solcher Transaktionen folgende Schlussfolgerung:

"Die Tatsache, dass Schließugnen nicht-kooperativer Kanäle häufiger vorkommen als viele dachten, bedeutet, dass die Vorteile der Privatsphäre und der Skalierbarkeit von Lightning ebenfalls geringer sind, als viele erwartet haben. Allerdings [...] wenn Nutzer mehr über den Einsatz des Lightning Networks lernen und sich Lightning-Wallet verbessert, könnte die Häufigkeit von nicht kooperativen Schließungen sinken".

Der Bericht weist darauf hin, dass die Forscher zunächst mit 30.000 nicht kooperativen Kanalverschlüssen rechneten, stattdessen aber 60.000 entdeckten. Liberalere Schätzungen beziffern die Zahl solcher Schließungen auf über 90.000, die zusammengenommen 1.405 BTC ausmachen. 

Seltene Attacken

In dem Bericht wird auch erklärt, dass in einigen Fällen bei nicht kooperativen Kanalschließungen versucht wird, die Mittel zu stehlen, was als "Bruchschließung" bezeichnet wird. Bei einer Bruchschließung kann eine Strafzahlung erfolgen, falls der versuchte Diebstahl entdeckt wird und die andere Partei alle Gelder beansprucht. Versuche, Gelder auf diese Weise zu stehlen, sind dem Bericht zufolge sehr selten:

"Unsere Analyse zeigt, dass derartige Strafzahlungen sehr selten sind. Nur 0,30% der nicht kooperativen Schließungen führen zu einer Strafzahlungstransaktion bzw. 0,22% des Wertes."

Das Lightning Network ist zwar nach Meinung vieler erfolgversprechend, aber noch weitgehend experimentell. Wie Cointelegraph Anfang Dezember 2019 berichtete, verlor ein Redakteur vier Bitcoins auf dem Lightning Network "verloren" und veröffentlichte anschließend auf seinen Erfahrungen basierende Tipps. Er schlug unter anderem vor, dass am Lightning Network interessierte Anwender die Funktionsweise des Systems gründlich studieren sollten, bevor sie es zum Versenden größerer Mengen von Bitcoin einsetzen.

Dennoch wird Lightnings Verheißung nahezu gebührenfreier Soforttransaktionen von vielen in der Krypto-Community begrüßt. Im November 2019 sagte der Anleihenmarkt-Veteran Nik Bhatia, Bitcoin sei durch Lightning zu einem einzigartigen Vermögenswert geworden, da es eine Kombination aus Wertaufbewahrung mit hoher Geschwindigkeit und Skalierbarkeit verbinde.