Russischer Darknet-Gauner mit Bitcoin im Wert von 820 Millionen US-Dollar in Thailand verhaftet

Die thailändische Polizei hat einen russischen Staatsbürger festgenommen, der die Nummer zwei in einer internationalen Organisation für Cyberkriminalität sein soll, berichtet die Bangkok Post.

Sergei Sergejevitsch Medwedew wurde am vergangenen Freitag, dem 2. Februar, in Bangkok von der Thai Crime Suppression Division (CSD) auf Antrag des US Federal Bureau of Investigation (FBI) verhaftet. Ein Laptop und Dokumente wurden von der CSD als Beweismittel beschlagnahmt.

Die Bangkok Post will von einer unbekannten Quelle erfahren haben, dass Medvedev zum Zeitpunkt seiner Verhaftung über 100.000 Bitcoin (BTC) bei sich hatte, was aktuell etwa 820 Millionen US-Dollar entspricht. 

Bei Medwedew soll es sich um den Administrator der Dark Web Site Infraud handeln, die durch ihren Slogan "In Fraud We Trust" bekannt wurde, was soviel bedeutet wie "Wir vertrauen auf Betrug" (angelehnt an den amerikanischen Wahlspruch "In God We Trust"). Bei Infraud wurde mit gestohlener Kreditkarten, Identitäten und illegal beschafften Regierungsdokumenten gehandelt.

Am 7. Februar hatte das US-Justizministerium (DOJ) Anklage gegen 36 Personen wegen einer vermuteten Beteiligung bei Infraud erhoben. Das DOJ hat insgesamt bereits 13 Kriminelle aus 17 Ländern verhaftet, die Opfer von über 530 Mio. US-Dollar betrogen haben und insgesamt 2,2 Mrd. US-Dollar an Verlusten verantworten sollen.

Bei den Ermittlungen, die schließlich zur Festnahme führten, waren laut der Bangkok Post die USA, Australien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kosovo, Serbien und Thailand beteiligt.

Es wird vermutet, dass Infraud 2010 von dem ukrainischen Staatsbürger Swjatoslaw Bondarek gegründet wurde. Von Bondarek fehlt seit dem Jahr 2015 aber jede Spur. Es ist das gleiche Jahr, in dem Medwedew offenbar die Kontrolle über Infraud übernahm.

Die Cybersecurity-Nachrichtenseite CyberScoop behauptet, dass Medwedew angeblich einen "Treuhandservice" für Infraud betrieben habe. Dieser soll laut der Erklärung des DOJ...

"...illegale Währungstransaktionen zwischen den Mitgliedern ermöglicht und durch einen Screening-Prozess sichergestellt haben, dass nur qualitativ hochwertige Verkäufer von gestohlenen Kreditkarten von Schmuggelware und persönlichen Informationen zum Zug kamen."

Bei Infraud war es offenbar untersagt, mit gestohlenen Informationen von Opfern in Russland zu handeln, eine Regel, die vielen Cyberkriminalitätsgruppen gemeinsam ist, schreibt CyberScoop.

In Russland ist die Webseite der Bangkok Post aktuell nicht erreichbar. Die russische Nachrichtenagentur RBK hat in einem Artikel über die Verhaftung von Medwedew einen Link zu einer zwischengespeicherten Version des Bangkok Post-Artikels veröffentlicht.

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