Alfred F. Kelly, der CEO des bekannten Zahlungsanbieters Visa, hat erklärt, dass das Unternehmen immer noch mit Facebook über das Libra-Projekt spreche.

In einem Interview mit der Finanzpublikation Economic Value am 24. Oktober versicherte Kelly, dass Visa in dieser Hinsicht immer noch eine enge Beziehung zu Facebook habe. Das Unternehmen glaube, dass digitale Währungen sicherere Zahlungen an mehr Leute und Orte ermöglichen würden. Kelly sagte weiter:

"Wir sind ein neugieriges und offenes Unternehmen. Angesichts der Führungsrolle, die wir im Bereich Zahlungen inne haben wollen wir uns mit allen möglichen Dingen im Bereich Zahlungen beschäftigen, bis wir einen Punkt erreichen, an dem unser Engagement in unseren Augen nicht mehr positiv ist."

Kelly erklärte auch, dass das Libra-Projekt mehr Zeit benötige, um vollständig umgesetzt zu werden. Es handele sich hierbei schließlich um ein disruptives Projekt und der Vorschlag muss die regulatorischen Anforderungen erfüllen. Er meinte auch, dass der Libra nicht zentralisiert sei. Und obwohl der Vorschlag von Facebook entwickelt wurde haben "alle Mitglieder der Libra Association die gleiche Entscheidungsbefugnis und Kontrolle über das Projekt".

Probleme mit Zugang zu Bankendienstleistungen

Visa konzentrierte sich in seinen Gesprächen mit Facebook auf die Einrichtung eines Zahlungssystems, das das Problem der finanziellen Eingliederung lösen könnte. Laut Kelly hätten weltweit 1,7 Mrd. Menschen immer noch keinen Zugang zu Bankendienstleistungen. Er erklärte:

"In den Gesprächen, die wir mit Facebook führten, haben wir versucht, etwas zu schaffen, das diese Leute schneller in das System integrieren könnte."

Politiker kritisieren Libra scharf

Facebook und sein Projekt Libra haben in den letzten Monaten bei Regulierungsbehörden weltweit sowie bei Interessengruppen aus der Branche sehr starke Bedenken geweckt. Die Regulierungsbehörden sind nach wie vor beunruhigt, da Libra die Souveränität von nationalen Währungen untergraben könnte. Die Interessengruppen stellen hingegen die Widerstandsfähigkeit des Projekts gegenüber dem Gegenwind seitens der Regulierungsbehörden in Frage.

Am 23. Oktober hat der Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses über den Libra gesprochen. Dabei wurde über die Bedenken der Politiker in Bezug auf die Ausgabe des Libra diskutiert. Bei der Befragung erklärte Zuckerberg, dass Facebook - das auch Gründungsmitglied der Libra Association ist - gezwungen sein könnte, aus der Vereinigung auszusteigen, falls sie den Token ohne die Zustimmung der Regulierungsbehörden in den USA herausbringen wolle.

Wie bereits berichtet, haben sieben der ursprünglich 28 Partner der Libra Association die Vereinigung verlassen. Konkret haben sich PayPal, Visa, Mastercard, Stripe, eBay, Mercado Pago und Booking aus dem Konsortium zurückgezogen.

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