Erklärt: Ethereum-2.0-Staking

Nikolai Kuznetsov
09 JUN 2020
Erklärt: Ethereum-2.0-Staking

Cointelegraph

1.

Was ist Ethereum-2.0-Staking?

Staking ist das Halten einer bestimmten Menge an Ether (ETH), um sich am Netzwerk zu beteiligen und im Gegenzug dafür eine Belohnung zu erhalten.

Beim Staking wird ein Betrag einer bestimmten Kryptowährung in einer Wallet eingeschlossen, um für eine Belohnung am Betrieb einer Blockchain teilzunehmen. Theoretisch kann sich jeder am Staking auf jeder Blockchain beteiligen, die mit einem Proof-of-Stake-Konsens arbeitet. Vom Proof-of-Stake gibt es mehrere Varianten, die ebenfalls erlauben, Staking zu machen.

Das Ethereum-Kernentwicklungsteam arbeitet derzeit an einem wichtigen Upgrade, das den Namen Ethereum 2.0 trägt. Dazu gehört die Neugestaltung der gesamten Ethereum-Plattform, wodurch eine neue, besser skalierbare Version auf den Markt kommen soll. Die Umsetzung soll im Sommer 2020 beginnen und es wird höchstwahrscheinlich noch ein oder zwei Jahre dauern, bis alle drei Phasen abgeschlossen sind. Im Zuge der Implementierung von Ethereum 2.0 soll Ethereum von einem Proof-of-Work zu einem Proof-of-Stake-Konsens übergehen.

In diesem Zusammenhang: Proof-of-Stake versus Proof-of-Work: Welcher Konsens ist "fairer"?

2.

Was ist ein Proof-of-Stake?

Der Proof-of-Stake oder PoS, ist ein Konsensmechanismus, den einige Blockchains verwenden.

PoS gibt Leuten mit einem Stake an Netzwerk-Token das Recht, Belohnungen für die Validierung von Blöcken zu erhalten. Dieser Konsens steht im Gegensatz zum Proof-of-Work oder PoW, der bei Bitcoin (BTC) verwendetet wird. Der PoW gibt denjenigen das Recht, Blöcke zu bestätigen, die die größte Menge an Rechenleistung aufweisen.

Sobald ein Validator zustimmt, seine Token zum Staking zu nutzen, wird diese Menge eingeschlossen. In vielen Fällen wird dieser Stake ganz oder teilweise nicht mehr zurückgegeben, wenn der Validator nicht im Interesse des Netzwerks handelt, sei es absichtlich oder unabsichtlich.

Im Prinzip kann jeder am Staking teilnehmen. Aber in Wirklichkeit wird ein Protokoll verwendet, um zu bestimmen, welche Teilnehmer ausgewählt werden, um Blöcke zu validieren und die Belohnungen für den Einsatz zu erhalten. Das Recht, einen Block zu validieren und Belohnungen zu erhalten, wird im Allgemeinen auf Grundlage des jeweiligen Wertes des Stake zugewiesen. Jemand, der 1 Prozent des Gesamtwerts zum Staking freigibt, darf demnach 1 Prozent aller Blöcke validieren. Die Dauer der Einschließung der Staking-Coins kann jedoch ebenfalls in den Validator-Auswahlprozess einfließen.

3.

Warum geht Ethereum 2.0 zum PoS über?

Ethereum will sein Netzwerk dezentralisieren und beschleunigen.

Ethereum hat bisher immer mit dem Proof-of-Work-Konsens gearbeitet. Ein Grund für den Übergang zum Proof-of-Stake ist jedoch, dass er allgemein als weitaus energieeffizienter angesehen wird als der Proof-of-Work.

Die Kernentwickler von Ethereum sprechen sich stark für eine Dezentralisierung aus. Das ist ein weiterer Grund für den Wechsel zum PoS. In den letzten Jahren ist das Mining der größten Kryptowährungen, darunter BTC und ETH, aufgrund des Wettbewerbs um die Entwicklung schnellerer und ausgefeilterer Mining-Hardware stark in die Hände von einer kleinen Anzahl großer Mining-Pools gekommen.

Im Gegensatz dazu kann jeder als PoS-Validator arbeiten, ohne spezielle Hardware zu benötigen. Daher lautet die Theorie, dass PoS-Blockchains aufgrund einer niedrigeren Eintrittsbarriere eher als dezentraler gelten. Bei Ethereum 2.0 soll auch Sharding implementiert werden. Das ist eine Partitionierungstechnik, die einen schnelleren Durchsatz ermöglicht.

In diesem Zusammenhang: Alles über PoS-Blockchains: Überblick über Krypto-Staking-Netzwerke

4.

Wie funktioniert das Staking bei Ethereum 2.0?

Es funktioniert wie bei den meisten anderen Plattformen auch: Einschließen, Blöcke validieren und abwarten.

Das Staking bei Ethereum 2.0 wird ziemlich einfach sein. Für die Teilnahme am Staking ist eine Mindestsumme von 32 ETH erforderlich. Die Validatoren müssen außerdem einen Validatorknoten betreiben. Wie bereits erwähnt, muss es sich dabei nicht um spezielle Geräte handeln, sondern kann auch auf einem gewöhnlichen Computer oder Laptop durchgeführt werden. Von den Validatoren wird jedoch erwartet, dass sie durchgehend online sind. Ansonsten müsssen sie mit kleinen Strafen rechnen.

Die Rendite beim ETH-Staking liegt dann voraussichtlich bei etwa 4 bis 10 Prozent. Ein Programm namens "Slashing" wird auf jeden Validator angewandt, der böswillig handelt. Dabei wird ein Teil der Staking-Coins weggenommen.

5.

Ethereum 2.0 im Vergleich zu anderen PoS-Plattformen

Es gibt bereits einige andere große Blockchains, bei denen ein Proof-of-Stake-Konsens eingesetzt wird, darunter etwa Tezos, Algorand und Qtum.

Tezos arbeitet mit einem Staking-Mechanismus namens "Liquid Proof-of-Stake"-Algorithmus. Das ist eine Mischform zwischen reinem PoS und delegiertem Proof-of-Stake (DPoS). Die Validierung von Blöcken im Tezos-Netzwerk wird als "Baking" (engl. "backen") bezeichnet. Jeder, der Tezos (XTZ)-Token hat, kann seine Token an einen Validator delegieren, der in seinem Namen "backt". Der ursprüngliche Besitzer bewahrt seine Token jedoch in seiner eigenen Wallet auf. Jeder kann als Bäcker teilnehmen, wenn er 8.000 oder mehr XTZ-Token besitzt, die auch als "Brötchen" bezeichnet werden, und einen Validierungsknoten betreibt. Die Rendite für das Staking auf Tezos liegt derzeit bei etwa 7 Prozent.

Algorand arbeitet mit einem Konsensprotokoll namens "Pure Proof-of-Stake". Das Projekt verwendet ein System namens "secret self-selection" (engl. "geheime Selbstauswahl"), und wählt nach dem Zufallsprinzip Ausschüsse von Stakeholdern aus, die die Blöcke validieren. Algorand hebt sich dadurch hervor, dass alle Inhaber von Algo-Token allein für das Halten ihrer Token belohnt werden. Das ist unabhängig davon, ob sie sich am PoS-Programm und der Validierung von Blöcken beteiligen oder nicht. Daher gibt es keinen Mindest-Stake, um mit Algorand Belohnungen zu verdienen. Die derzeitige Rendite für den Besitz von Algorand-Token liegt bei etwa 5 Prozent.

Ähnlich funktioniert auch Qtum, der mit einem reinen PoS-Konsens arbeitet, bei dem jeder, der auch nur einen Bruchteil eines Qtum-Token besitzt, zum Validator werden und um Blockbelohnungen konkurrieren kann. Das Projekt hat eine systemeigene Anwendung implementiert, womit es für alltägliche Benutzer einfacher ist, am Staking-Programm teilzunehmen. Es gibt auch eine Befehlszeilenoption für technisch versiertere Benutzer. Eine Beteiligung an Qtum bringt eine Rendite von rund 7 Prozent pro Jahr. Es gibt keinen Mindest-Stake, aber besitzt man mehr Token, erhöht sich die Chance, für die Validierung und Bearbeitung von Transaktionen im Netzwerk ausgewählt zu werden.

Viele andere Blockchains arbeiten ebenfalls mit Staking, darunter EOS, Cosmos und einige andere. Viele davon sind Varianten des PoS-Standardkonsenses, wie etwa der DPoS.

6.

Was sind Staking-Pools?

Bei Staking-Pools kommen mehrere Parteien zusammen, die sich als ein einziger Validator am Staking beteiligen.

Staking-Pools werden von einem Poolbetreiber betrieben. Börsen wie Binance, Crypto.com und Kraken betreiben Staking-Pools, bei denen die Börse die Gelder der Benutzer in eine Wallet einzahlt, die dann zum Staking verwendet wird. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, sich an Staking-Pools zu beteiligen, bei denen die Benutzer die Token in ihrer persönlichen Wallet aufbewahren, auch in Cold-Wallets.

Der Vorteil von Staking-Pools ist, dass Benutzer ihre Kryptos zusammenlegen können, um bessere Chancen zu haben, als Validator ausgewählt zu werden und die Staking-Belohnungen zu erhalten. Andererseits werden die Belohnungen auf alle Poolteilnehmer verteilt, so dass sie im Allgemeinen proportional weniger Ertrag bringen.

Staking-Pools sind auch eine gute Wahl, um durch Staking ein passives Einkommen zu erzielen, ohne dass ein technisches Know-how für die Einrichtung eines Validierungsknotens im Netzwerk erforderlich ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Token für einen bestimmten Zeitraum eingeschlossen werden müssen, was in vielen Staking-Programmen erforderlich ist, um zum Validator zu werden.

7.

Was sind Risiken und Vorteile des Staking?

Passives Einkommen versus Anfälligkeit gegenüber Veränderungen auf dem Markt.

Der offensichtlichste Vorteil des Staking ist die Möglichkeit, ein Einkommen aus dem Halten von Krypto zu erzielen. Das Staking bietet auch die Möglichkeit, sich aktiv an Ihren bevorzugten Blockchain-Projekten zu beteiligen.

Beim Staking schließen die Benutzer jedoch ihre Kryptowährungen für einen bestimmten Zeitraum ein. Das bedeutet, dass sie im Falle eines plötzlichen Markteinbruchs ihre Krypto aus dem Staking-Programm nicht herausnehmen können, um zu verkaufen und etwaige Verluste zu mildern.

Selbst im Falle eines kleineren Marktabschwungs kann es vorkommen, dass der Wert der Belohnungen die Wertminderung des Kryptos nicht abdeckt. Bei der Teilnahme an einem Staking-Pool müssen sich die Menschen darüber im Klaren sein, dass sich möglicherweise jemand anderes um ihre Kryptowährungen kümmert. Das ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Ein allgemeiner Ratschlag für Kryptonutzer ist, dass alle privaten Schlüssel sicher aufbewahrt und niemals anderen Personen oder Organisationen mitgeteilt werden.