Bank of England will Abwicklungssystem umgestalten und mit Blockchain kompatibel machen

Die britische Zentralbank, Bank of England, plant die Neugestaltung ihres sogenannten Real Time Gross Settlement (RTGS) Systems, damit es eine Verbindung zu privaten Unternehmen und Plattformen über die Distributed-Ledger Technologie (DLT) schaffen kann. Dies sagte Mark Carney, der Direktor der Bank, in einem Vortrag am 21. Juni.

Bei seiner Rede im Mansion House in London sagte Carney, dass die Bank einen „ambitionierten Neuaufbau“ des RTGS Systems plant, was nach seiner Aussage das Rückgrat jeder getätigten Zahlung in Großbritannien ist. RTGS bezeichnet ein Echtzeit-Bruttoabwicklungssystem, das genutzt wird, um große Volumen an Geldern zwischen Banken zu transferieren.

Die Bank will das bestehende RTGS so verändern, dass private Zahlungsanbieter sich direkt in das System der Bank einbinden können. „Unsere neue, feste Infrastruktur wird zukunftssicher ganz nach ihren Vorstellungen, wodurch sich ein großes Potenzial für Innovationen im Großhandel, Einzelhandel und Unternehmensbanking ergibt“, so Carney.  

Der Direktor führt weiter aus, dass die Bank eine Kooperation mit der Bank of Canada, der Monetary Authority of Singapore und weiteren privaten Organisationen eingegangen ist, um die Zusammenarbeit zwischen Banken über Landesgrenzen hinweg zu verbessern. Darunter befinden sich ebenfalls DLT Projekte. Hierzu merkt er an:

„Die möglichen Gewinne sind riesig. Derzeit können internationale Zahlungen das Zehnfache von nationalen Zahlungen kosten. Wir gehen davon aus, dass allein in Großbritannien Einsparungen von mehr als 600 Mio. £ realisiert werden können. Grundsätzlich gilt, je reibungsloser globale und nationale Zahlungen abgewickelt werden können, desto mehr können englische Haushalte und Unternehmen von der neuen Weltwirtschaft profitieren.“

Carney behauptet weiter, dass das neue System ebenso bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus helfen kann. Außerdem würde es nationale und internationale Finanzsysteme insgesamt zugänglicher machen.

Der Proof-of-Concept (PoC) – also der Nachweis der Umsetzbarkeit – zur Erneuerung des RTGS wurde erstmals im Mai 2017 vorgestellt. Damals schlussfolgerte die Bank, DLT sei „noch nicht genügend ausgereift, um als Grundlage für die neue Generation des RTGS zu dienen“, allerdings legte sie damals schon hohen Wert darauf, dass das verbesserte RTGS eine Kompatibilität für DLT haben sollte.

Im April hat die Bank of England ein PoC-Thesenpapier veröffentlicht, dass untersucht, wie ein Distributed-Ledger System gestaltet sein müsste, um Daten zwischen den Netzwerken zu verteilen, Datenschutz für alle Teilnehmer zu garantieren und gleichzeitig Aufsicht durch eine übergeordnete Instanz zu ermöglichen. Diese zentrale Aufsichtsbehörde hätte die Befugnis, neue Einheiten von Wertanlagen zu schaffen oder zu vernichten, sowie Zugangsrechte an die Teilnehmer zu vergeben. Außer dieser zentralen Instanz wäre niemand in der Lage Details zu fremden Transaktionen einzusehen.