Brian Brooks, der Leiter der Rechtsabteilung bei der großen digitalen Wallet und Börse Coinbase aus den USA, hat auf Bedenken reagiert, dass Interessenkonflikte den neu eingerichteten Crypto Ratings Council des Unternehmens beeinträchtigen könnten.
In einem Interview mit der Krypto-Medienplattform The Block am 3. Oktober sprach er zu den Kritikern, die behaupten, dass die Compliance-Richtlinien des Rates von den privaten Interessen der Beteiligten beeinflusst werden könnten.
"Keine Rechtsberatung"
Coinbase hatte zuvor klargestellt, dass die vom Rat erstellten Bewertungen als "skalierbares Punktebewertungssystem" konzipiert sind. Dieses stützt sich auf Ja-Nein-Fragen, die auf den Leitlinien für die Klassifizierung der US-Regulierungsbehörde SEC basieren.
Im Interview sagte Brooks, dass die Bewertungen des Rates auf keinen Fall eine Rechtsberatung darstellen würden. Er fügte hinzu:
"Es handelt sich im Wesentlichen um ein automatisiertes Compliance-Tool, wie es sie in der Welt der Finanzdienstleistungen häufig gibt. Man denke an Hummingbird für die Anti-Geldwäsche-Maßnahmen oder Fair Lending Wiz für die Compliance im Bereich der fairen Kredite. Niemand glaubt, dass diese Instrumente rechtlich bindend sind. Und es handelt sich hierbei auch sicherlich um keine Anlageberatung. Wir bewerten nicht die Qualität oder den Wert von Vermögenswerten, sondern nur, ob sie als Wertpapier gelten oder nicht."
Potenziell verfälschte Bewertung
Dennoch haben Stimmen aus der Branche, wie etwa Tyler Gellasch, der Geschäftsführer von Healthy Markets und ehemalige Berater der SEC-Kommissarin Kara M. Stein, Bedenken geäußert. Er erklärte, dass die Ratsmitglieder selbst Vermögenswerte besitzen könnten, die sie bewerten. Das würde die Bewertung verfälschen, daher warnte er:
"Wenn eine Gruppe von Privatunternehmen gemeinsam erklärt, wie Dinge, die sich direkt auf ihre Finanzergebnisse auswirken, reguliert werden sollten, wird das wahrscheinlich nicht allzu überzeugend für Aufsichtsbehörden oder Investoren sein."
"Das Ziel ist es, Klarheit zu schaffen"
Angesichts des Stellung des Rates als unabhängiges Organ, das nicht von der SEC, der CFTC oder anderen Behörden gebilligt wurde, erklärte Gellasch, diese Bestimmung nur einen "sehr begrenzten Nutzen" habe.
Er argumentierte auch, dass sich heikle Situationen entwickeln könnten, wenn Investoren sich an den Ratings orientieren und dann feststellen, dass die SEC anderer Meinung als der Rat ist.
Brooks wies die Behauptung, dass das Interesse privater Parteien die Ratings beeinflussen könnte, entschieden zurück. Er erklärte, dass viele Vermögenswerte bereits mit 5 bewertet worden seien. Das bedeute, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit als Wertpapier eingestuft werden würden. Er sagte:
"Das Ziel ist es, Klarheit zu schaffen, und nicht die Notierung von Vermögenswerten zu rechtfertigen, die als nicht registrierte Wertpapiere gelten."
Zum Zeitpunkt der Gründung des Rates erklärte Mary Beth Buchanan aus der Rechtsabteilung von Kraken, sie hoffe, dass die SEC die Initiative als einen positiven Schritt für die Branche betrachten würde.
Wie Cointelegraph zuvor berichtete, gründete Coinbase zusammen mit Kraken Ende September den Crypto Ratings Council. Dieser soll Anlegern eine vermeintlich unabhängige Bewertung bieten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bestimmte Krypto-Vermögenswerte als Wertpapier-Token betrachtet werden könnten.
Zu den Mitgliedern des Rates gehörten Circle Internet Financial, Bittrex, Genesis Global Trading, Grayscale Investments, Anchor Labs und Cumberland Unit von DRW Holdings.
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