Die niederländische Zentralbank will sich an Tests von digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) in der Europäischen Union beteiligen.

In einem 45-seitigen Bericht, den die Bank am 21. April veröffentlichte, erklärte De Nederlandsche Bank (DNB), sie sei "bereit, eine führende Rolle" bei der Forschung und Entwicklung einer eigenen digitalen Währung sowie einer europaweiten digitalen Währung einzunehmen.  

Ein digitaler Euro soll grenzüberschreitende Zahlungen für alle teilnehmenden Mitgliedsstaaten schneller und billiger machen. Die Niederlande wären ein geeignetes Testgebiet, so der Bericht. 

Obwohl die Kryptowährung Libra nicht das Hauptthema des Berichts war, hob die DNB diese als mögliche Bedrohung der Währungsstabilität hervor. Die Zentralbank räumte ein, der Libra sei "der Grund, dass die DNB und andere Zentralbanken nun die Ausgabe einer eigenen digitalen Währung in Erwägung ziehen".

Verwendung von physischer Währung rückläufig 

Dem Bericht zufolge ist dieser Schritt zum Teil eine Reaktion auf die rückläufige Verwendung von Papiergeld und Münzen in den Niederlanden. Fast zwei Drittel aller Zahlungen in dem Land werden auf digitalem Weg getätigt.

Bei der Entwicklung einer digitalen Währung stellt der DNB-Bericht die Frage, "ob Zentralbanken eine neue Art von Geld bieten sollten, die besser auf die Bedürfnisse von Bürgern und Unternehmen abgestimmt ist".

Digitale Lösungen für Pandemie

Dem Bericht zufolge würden angesichts der Pandemie-Maßnahmen, die viele Unternehmen weltweit zur Schließung zwingen, diejenigen, die weiterhin in Betrieb sind, physisches Bargeld vermeiden:

"Viele Geschäfte bitten ihre Kunden nun ausdrücklich, nicht mit Bargeld zu bezahlen. Das bedeutet effektiv, dass nur privates Geld akzeptiert wird."

Da das Geld, das wir verwenden, zu einem immer größeren Risiko wird, nimmt das Rennen um CBDCs an Geschwindigkeit zu. Das Risiko bezieht sich sowohl auf den physischen Gebrauch aufgrund des Risikos einer Weitergabe des Coronavirus als auch auf den finanziellen Aspekt, da die wirtschaftliche Zukunft ungewiss ist.

Die chinesischen Zentralbank gab am 4. April eine Erklärung heraus, in der es hieß, sie werde ihre CBDC-Entwicklung "zweifellos fortsetzen". Der digitale Yuan sei eine ihrer "obersten Prioritäten". Südkorea und Schweden starteten Pilotprogramme, um die Durchführbarkeit einer CBDC zu prüfen. 

Niederlande führt CBDC-Vorstoß an

EU-Mitglieder wie Frankreich haben vor kurzem begonnen, mit einem digitalen Euro zu experimentieren. Sogar der Präsident der Europäischen Zentralbank unterstützte die Beteiligung der Bank an der Entwicklung einer CBDC. Im DNB-Bericht heißt es jedoch, jede Entscheidung über einen digitalen Euro würde eine Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten erfordern.