EOS: Bestätigte Transaktionen rückgängig gemacht - Experten kritisieren Zentralisierung

Das Blockchain-Protokoll EOS stand am 9. November erneut im Mittelpunkt einer Kontroverse, nachdem Beweise auf sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, auf denen mutmaßlich ein Moderator zu sehen ist, der bereits bestätigte Transaktionen rückgängig machte.

Laut dem Reddit-Nutzer u/auti9003 wurde ein Streitfall an einen der so genannten "Schiedsrichter" der Plattform verwiesen. Bei diesem ging es mutmaßlich um ein Phishing zum Opfer gefallenes EOS-Konto. Der Schiedsrichter beschloss, Transaktionen rückgängig zu machen, die ohne die Zustimmung des Kontobesitzers stattgefunden haben.

Das bedeutete laut dem Reddit-Nutzer, dass Transaktionen rückgängig gemacht werden mussten, die bereits vom Netzwerk bestätigt wurden.

In seiner Zusammenfassung verwies der Schiedsrichter Ben Gates auf die EOS-Verfassung als Entscheidungsgrundlage. Er schrieb:

"Im Rahmen der Befugnisse, die mir als Schiedsrichter nach Artikel 6 der Regeln der Streitbeilegung übertragen wurden, beschließe ich, Ben Gates, dass das streitige EOS-Konto mit sofortiger Wirkung an den Kläger zurückgegeben wird und dass die Einfrierung der Vermögenswerte auf dem genannten Konto aufgehoben wird."

EOS ist häufig in die Kritik von Kryptowährungsquellen geraten, weil dem Protokoll mutmaßlich die Dezentralisierung fehle. Das hatte der Leiter der technischen Abteilung Daniel Larimer sogar selbst in einem Interview letzten Monat bestätigt.

"Dezentralisierung ist nicht das, wonach wir streben", sagte er in der YouTube-Serie Colin Talks Crypto und fügte hinzu:

"Wir sind gegen Zensur und wollen eine Robustheit gegen Stilllegungen schaffen."

Im Juni fror EOS sieben Konten ein, die unter dem Verdacht waren, Phishing-Betrug zum Opfer gefallen zu sein. Die EOS Block Producer (BP) haben Berichten zufolge kurz darauf eine separate Notanordnung erhalten, die Verarbeitung von Transaktionen für 27 Konten einzustellen. Eine Begründung sollte noch folgen.

Auf Reddit drehten sich die Reaktionen auf die mutmaßliche Transaktionsumkehrung darum, dass EOS es, trotz Dezentralisierung, nicht geschafft habe, seinen Anwendungsfall gegenüber anderen traditionellen, zentralisierten Strukturen zu beweisen. Hervorgehoben wurde auch das einjährige Initial Coin Offering (ICO) des Projekts, bei dem 4 Mrd. US-Dollar (umgerechnet rund 3,6 Mrd. Euro) aufgebracht wurden.

"Warum sollte jemand lieber das als ein Bankkonto und ein traditionelles Rechtssystem verwenden?", so der beliebteste Kommentar. Es heißt in diesem außerdem:

"Diese Leute haben 4 Mrd. Dollar aufgebracht, um ein Rechtssystem mittels eines Token zu kopieren, der weder zensurresistent noch unveränderlich ist."