„Weltretter” Greenspan: „Keine Notwendigkeit“ für Zentralbank-Digitalwährungen

Alan Greenspan, der ehemalige Chef der amerikanischen Zentralbank (Fed), sieht „keine Notwendigkeit“, warum Zentralbanken eigene Digitalwährungen herausgeben sollten.

Laut einem CNBC Bericht vom 11. November machte Greenspan die entsprechenden Äußerungen im Rahmen einer Konferenz, die vom chinesischen Wirtschaftsmagazin Caijing veranstaltet wird.

Facebook kann nicht mithalten

Dabei argumentiert Greenspan, dass Landeswährungen durch Staatsvermögen gedeckt werden, was wiederum einer Tragweite entspricht, die kein privatwirtschaftliches Unternehmen übertrumpfen kann.

Selbst die großen FAANG-Konzerne, das sind Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google, könnten nicht mit dem Staatsvermögen der USA mithalten, weshalb es für die Zentralbank des Landes keinen Grund gibt, in einen Konkurrenzkampf zu treten .

So erklärt Greenspan kurz und knapp:

„Das Staatsvermögen der USA geht weit über die Vorstellungskraft von Facebook hinaus.“

Greenspan, der früher vom amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan zum Zentralbank-Chef ernannt wurde, ist eine wichtige Figur der US-Finanzbranche. So saß er lange Zeit der „Fed“ vor, wobei er das Land durch viele wichtige Phasen führte, darunter der Crash der Aktienmärkte 1987, der Tech-Boom in den 90ern, die mexikanische, die amerikanische und die russische Finanzkrise (1994, 1997 und 1998) sowie die Dotcom-Blase im Jahr 2000.

In seiner Amtszeit von 1987 – 2006 hatten seine Entscheidungen dabei nicht nur Auswirkung auf die amerikanische Wirtschaft, sondern dank der weltweiten Dominanz des US-Dollars auch auf das globale Finanzsystem. Das TIME-Magazin (ähnlich dem Spiegel) bezeichnete Greenspan deshalb 1999 in Zusammenwirkung mit dem US-Finanzminister Robert Rubin und seinem stellvertretenden Finanzminister Lawrence Summer als „Komitee zur Weltrettung“.

Daran ist zu erkennen, wie einflussreich die Meinung von Greenspan auch heute noch ist, allerdings hat sein Ruf während der Finanzkrise von 2008 starken Schaden genommen, da ihm und seinen ehemaligen Mitstreitern vorgeworfen wird, ein Finanzsystem begünstigt zu haben, das unweigerlich zum Kollaps kommen musste.  

China und Tunesien arbeiten an Digitalwährung

Die chinesische Zentralbank scheint derweil ganz anderer Ansicht zu sein, denn der Start von Chinas eigener Digitalwährung steht angeblich unmittelbar bevor. Die Chinesische Volksbank wäre damit die erste große Zentralbank, die eine Digitalwährung herausgibt.

Tunesien arbeitet nun ebenfalls an der Digitalisierung seiner Landeswährung, weshalb das Land eine Kooperation mit einem russischen Tech-Startup eingegangen ist, um diesen Prozess voranzutreiben.

Einige amerikanische Parlamentarier sehen scheinbar auch eine Notwendigkeit für eine US-Digitalwährung, weshalb sie die Zentralbank nun aufgefordert haben, die Umsetzung eines solchen Projektes zumindest zu prüfen.

Dahingehend argumentieren sie, dass die „Fed“ sowohl die Kapazitäten als auch die Handhabe hätte, das Finanzsystem durch einen digitalen Dollar zu verbessern.