David Marcus, der Leiter des Facebook Krypto-Projekts, hat bestätigt, dass der Social-Media Konzern trotz der harschen Kritik für den Stablecoin namens Libra weiterhin einen Start im Jahr 2020 anpeilt.

Die entsprechenden Äußerungen machte Marcus am 20. September im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Allerdings betonte er in diesem Zusammenhang auch, dass sich das Libra-Team bis dahin bemühen müsse, alle Bedenken seitens Aufsichtsbehörden und Politik auszuräumen.

„Ich sehe zunächst Akzeptanzprobleme statt regulatorischer Probleme“

Marcus ging im Interview unter anderem auf den Vorwurf ein, dass die geplante Facebook Kryptowährung womöglich den Wirkungsgrad der Geldpolitik der Zentralbanken verringern könnte und dass durch den Stablecoin das globale Finanzsystem destabilisiert werden könne.

Diese Bedenken scheinen angesichts der potenziellen 2,7 Milliarden Nutzer, denen der Social-Media Konzern seine Kryptowährung zur Verfügung stellen könnte, berechtigt, denn womöglich wird Facebook den Service in die drei großen firmeneigenen Dienste WhatsApp, Messenger und Instagram einbinden.

Allerdings sieht Marcus in Libra keine Bedrohung für Zentralbanken und deren Geldpolitik, was er wie folgt erklärt:

„Tatsächlich wird jede Libra eins zu eins mit traditionellen Währungen hinterlegt und keinerlei neues Geld geschaffen. Es gibt keinen Einfluss auf die Zinsen und Renditen. So gesehen kann die Reserve auch die Geldpolitik nicht stören. Ohnehin ist unwahrscheinlich, dass man einen Espresso in der Schweiz, Deutschland oder Frankreich künftig mit Libra bezahlen wird. Stattdessen wird man diese dort verwenden, wo sie Vorteile bietet – etwa im internationalen Zahlungsverkehr oder zum Begleichen von Kleinstbeträgen.“

Vielmehr geht der Libra-Chef nicht davon aus, dass es nicht von jetzt auf gleich zu einer massenhaften Annahme durch die Verbraucher kommen wird, da er „statt regulatorischer Probleme zunächst eher Akzeptanzprobleme“ für die eigene Kryptowährung erwartet. So bräuchte es Zeit, bis die Nutzer verstehen, wofür sie den Stablecoin tatsächlich gebrauchen könnten. Außerdem sei die anfängliche Nutzung nicht ganz ohne Hürden, da eine Ausweispflicht besteht, die zu Beginn für „beachtliche Friktionen“ führen könnte.

Daten von Facebook und Libra werden nicht vermischt

Einer der größten Kritikpunkte an dem Projekt ist das Thema Datenschutz, da Facebook nicht nur bei Nutzern, sondern auch in weiten Teilen der Politik mit seinen wiederholten Verstößen in Ungnade gefallen ist.

Marcus entkräftigt jedoch auch die Bedenken in diese Richtung, da er im Interview angibt, dass der Social-Media Konzern keinerlei direkten Zugriff auf die Daten habe, beide Netzwerke würden strikt getrennt werden.

Wie Cointelegraph zuvor berichtet hat, bemühte sich auch Facebook Chef Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche um Glättung der Wogen, weshalb er sich mit amerikanischen Politikern traf, um mit diesen einige der dringenden Themen zu besprechen. Im Rahmen dieser Treffen soll Zuckerberg auch Fragen zum Thema Libra beantwortet haben, 

Der Abgeordnete Josh Hawley berichtete auf Twitter von einem seiner Treffen mit Zuckerberg, in dem der Facebook Geschäftsführer sich geweigert haben soll, einer unabhängigen Prüfung seines Sozialen Netzwerkes zuzustimmen.

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