Geleakte Audioaufnahmen legen Facebooks Strategie für Kryptowährung Libra offen

Geleakte Audioaufnahmen aus einem internen Gespräch zwischen Facebook Geschäftsführer Mark Zuckerberg und einigen Mitarbeitern haben offengelegt, wie der Social-Media Konzern bezüglich der firmeneigenen Kryptowährung Libra vorgehen will.

Der Mitschnitt und das dazugehörige Transkript wurden am 1. Oktober von dem Nachrichtenportal The Verge veröffentlicht. Die Aufnahmen stammen aus einer internen Fragerunde, die bereits im Juli abgehalten wurde. Zuckerberg hatte im Zuge dessen verschiedenste Fragen seiner Mitarbeiter zur Zukunft von Facebook beantwortet.

Neben wichtigen Themen wie einer eventuellen Zerschlagung von Facebook durch das amerikanische Kartellamt äußerte sich Zuckerberg auch zum momentan heiß diskutierten Krypto-Projekt Libra, das der Social-Media Konzern wiederum im Juni 2019 vorgestellt hatte.

Gesprächsbereitschaft ist Trumpf

Dahingehend betonte Zuckerberg, dass man sich bezüglich Libra bewusst für eine Strategie der Gesprächsbereitschaft entschieden habe, um im Vorfeld des geplanten Startes der Kryptowährung möglichst alle Bedenken seitens Politik und Aufsichtsbehörden ausräumen zu können.

So wird der Facebook Geschäftsführer in einem der Mitschnitte wie folgt zitiert:

 „Wir wollen zu erkennen geben, dass wir verstehen, dass es wahrhaftige Probleme bei der Einführung von Libra gibt. Das Finanzwesen ist nicht umsonst minutiös gesetzlich geregelt. Es gibt viele wichtige Felder, die wir berücksichtigen müssen, darunter fallen zum Beispiel die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Dementsprechend gibt es allein schon viele Auflagen zur Informationsbeschaffung über die Nutzer.“  

Direkter Kontakt zur Politik ist entscheidend

Der Facebook Geschäftsführer hob hervor, dass es einen langen Atem brauche, um Politik und Aufsichtsbehörden zu überzeugen, was angesichts der Tragweite des Projektes aber auch zu erwarten war.

Des Weiteren erklärte Zuckerberg auch, wie man idealerweise auf die Aufsichtsbehörden zugehen wolle. So soll der direkte Kontakt zu den Entscheidungsträgern gesucht werden, da dieser Weg „mehr von inhaltlicher Substanz als von medialer Dramatik“ bestimmt sei. Die ersten parlamentarischen Anhörungen zu Libra, die Mitte Juli abgehalten wurden, bestätigen diese Einschätzung Zuckerbergs, da es daraufhin ein großes Medienecho gab, das die Kritik der Politik noch multiplizierte.

Am 26. September hatte sich Zuckerberg höchstselbst bemüht, im direkten Gespräch mit ranghohen amerikanischen Politikern die Kritik an Facebook Libra abzufedern. Neben der amerikanischen Politik wurde zuletzt aber auch die Kritik aus Europa immer lauter. Selbst das amerikanische Bankensystem zeigt sich mittlerweile skeptisch und befürchtete jüngst, dass die Facebook Kryptowährung zur regelrechten Bedrohung für das eigene Geschäft werden könne.

Präsidentschaftskandidatin erneuert ihre Kritik

Die US-Abgeordnete und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren, die als Krypto-Kritikerin bekannt ist, hat ihre ablehnende Haltung gegenüber Facebook Libra zuletzt erneuert und gleichsam die Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt dazu aufgefordert, das Krypto-Projekt in seine Schranken zu weisen.

Am heutigen 1. Oktober antwortete Warren bereits auf die durchgesickerten Audioaufnahmen von Mark Zuckerberg:  

„Es wäre wirklich schlimm, wenn wir nicht in der Lage sind, ein korruptes System zu zerschlagen, das Konzernen wie Facebook erlaubt, Wettbewerbsverzerrung zu betreiben, Verbraucherrechte mit Füßen zu treten und wiederholt der eigenen demokratischen Verantwortung nicht nachzukommen.“

Warren zeigte sich zuvor besonders besorgt darum, dass Facebook womöglich die Daten des Sozialen Netzwerkes mit den Nutzerdaten von Libra verbindet, obwohl eine solche Absicht vom Social-Media Konzern vehement bestritten wird.