Koreanisches Gericht: Freispruch für Kryptbörse Bithumb nach Anklage durch Investor

Die südkoreanische Kryptobörse Bithumb hat einen Gerichtsprozess gewonnen, in dem ein Investor das Unternehmen auf rund 310.000 Euro verklagt hatte, die er bei einem mutmaßlichen Hackangriff verlor. Die lokale Finanzzeitung The Korea Economic Daily berichtete am 24. Dezember über das Urteil.

Dem Bericht zufolge behauptete der Investor, der 30-jährige Beamte Ahn Park, dass er am 30. November 2017 Opfer eines Hackangriffs auf sein Bithumb-Konto geworden sei. Das habe zu einem Verlust von rund 310.000 Euro geführt.

Innerhalb weniger Stunden nach seiner Einzahlung in koreanischen Won, so Park, habe ein nicht identifizierter Hacker sein Konto kompromittiert und das Fiat gegen Ethereum (ETH) getauscht. Am selben Tag seien die Kryptowährung dann in vier separaten Transaktionen aus seiner Wallet transferiert worden, so dass der Investor Berichten zufolge schließlich nur noch ETH im Wert von 0,10 Euro gehabt habe.

Im Fall von Park stand Berichten zufolge die Behauptung im Mittelpunkt, dass Bithumb es versäumt habe, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die für die Börse als angebliches "Finanzdienstleistungsunternehmen" angemessen gewesen wären. Der Kläger behauptete, dass Cyberkriminelle bei einem Sicherheitsverstoß im Oktober 2017 an seine personenbezogenen Daten gekommen seien. Bei diesem Verstoß sollen Hacker Zugang zu sensiblen persönlichen und finanziellen Daten von über 30.000 Bithumb-Benutzern erhalten haben.

Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, dass über 10 SMS-Nachrichten an den Kläger gesendet wurden, um ihn über die Auszahlungen zu informieren, aber er habe sie nicht erhalten. Daher sei es schwierig gewesen, "die Möglichkeit auszuschließen, dass man gehackt wurde."

Park erklärte auch, dass die Aktivitäten von Bithumb als Kryptobörse ähnlich wie die im Finanzsektor angebotenen Dienstleistungen seien und daher für diese die selben Sicherheitsanforderungen gelten sollten, die für E-Commerce-Transaktionsbroker gelten. Der Richter entschied jedoch gegen dieses Argument und erklärte:

"Im Allgemeinen können virtuelle Währungen nicht zum Kauf von Waren verwendet werden und es ist schwierig, ihren Umtausch in Bargeld zu garantieren, da ihr Wert sehr volatil ist. Kryptowährungen werden hauptsächlich für spekulative Zwecke verwendet und es ist nicht sinnvoll, das koreanische Gesetz über elektronische Finanztransaktionen auf einen Beklagten anzuwenden, der virtuelle Währungstransaktionen ohne die Erlaubnis der südkoreanischen Regulierungsbehörde, der FSC, durchführt."

Wie bereits berichtet, wurde Bithumb im Juni dieses Jahres Opfer eines hochkarätigen Hackangrffs, bei dem schätzungsweise elf verschiedene Kryptowährungen im Wert von rund 26,3 Mio. Euro gestohlen wurden; Die Börse konnte den Schaden mit Hilfe von Industriepartnern schnell eindämmen und die Summe auf auf 15 Mio. Euro reduzieren.

Im Oktober enthüllte die Hongkonger Kryptobörse Changelly, dass sie Bithumb geholfen habe, 1.063.500 Ripple (XRP), die im Juni gestohlen wurden, wiederherzustellen. Zum Zeitpunkt des Hackangriffs waren diese etwa 513.000 Euro wert.

Anfang des Monats sah sich Bithumb gezwungen, Behauptungen über eine künstliche Aufblähung seines Handelsvolumens zu dementieren, nachdem der Kryptobörsen-Rating- und -Analysedienst CER der Plattform vorgeworfen hatte, bis zum Spätsommer 2018 mittels Wash-Trading 94 Prozent seines Handelsvolumens gefälscht zu haben.

Bei Redaktionsschluss ist Bithumb nicht in den Rankings von CoinMarketCap (CMC) für Kryptobörsen nach angepasstem Volumen enthalten. Doch sie hat in einem anderen Ranking von CMC, das auf selbst gemeldeten Zahlen basiert, die Spitzenposition. Das Handelsvolumen soll sich innerhalb von 24 Stunden bis Redaktionsschluss rund 1,42 Mrd. Euro belaufen haben.