Neufund Mitbegründerin lobt deutsche Krypto-Regulierung als “bestes Produkt mit beschissenem Marketing”

Die Mitbegründerin des in Berlin ansässigen Blockchain-Startups Neufund, Zoe Adamovicz, hat sich in einem am 30. Juli auf Finance Magnates veröffentlichten Interview über die Zukunftspläne von Neufund und über Deutschland als Standort für Krypto-Startups geäußert.

Auf die Frage, warum Neufund sich in Deutschland und nicht in einem anderen populären Standort für Krypto-Startups wie die Schweiz, Liechtenstein oder Malta niedergelassen habe, sagte Adamowicz:

“Deutschland hat seit Jahrhunderten - oder zumindest seit Jahrzehnten - immer das gleiche Problem: Deutschland hat das beste Produkt und das beschissenste Marketing.<...>  Aus welchen Gründen auch immer, die deutsche Regierung kann einfach nicht verkaufen, was hier vor sich geht. Ich bin eigentlich Teil des Innovationsrates unter der deutschen Staatsministerin Dorothee Bär, also habe ich sogar ein wenig mit ihr darüber gesprochen.”

Wenn es um Möglichkeiten und rechtliche Unterstützung für die Blockchain- und Kryptoindustrie gehe, biete Deutschland die gleichen Bedingungen wie die Schweiz, es werde aber einfach nicht darüber geredet. Werbemaßnahmen, wie die in Deutschland für das sogenannte Schweizer “Crypto Valley” in Zug geschaltenen Zeitungsanzeigen, würden den Deutschen nie in den Sinn kommen, so Adamovicz.

Die deutsche Regierung sei offenbar mit wichtigeren Prioritäten ausgelastet, wie etwa mit dem Dauerthema Einwanderung. Kleine Länder wie Malta hätten es da deutlich einfacher. Bei der Schweiz käme die Tradition als Steuerparadies und attraktiver Standort für Firmen aus aller Welt dazu. Die deutsche Regierung ruft sie zu einem klaren Bekenntnis auf.

“Wir warten immer noch auf diesen einen Politiker, der einfach aufsteht und sagt: 'Blockchain willkommen', genau wie Merkel aufstand und 'Flüchtlinge willkommen' gesagt hat.”

Nach den Zielen von Neufund befragt, sagte Adamovicz, das Startup wolle Initial Coin Offerings (ICO) und Token für die Abbildung von Aktionärsrechten nutzen und damit eine Alternative zu klassischen Börsengängen anbieten. Im Gegensatz zu einem Initial Public Offering (IPO) an den Kapitalmärkten eröffne dies die Flexibilität, sich als Investor auch mit Keinbeträgen von nur ein paar hundert Dollar zu beteiligen.

Wie Adamowicz bereits vor einigen Tagen bei der Bekanntgabe einer Kooperation mit der Malta Stock Exchange und der Krypto-Börse OKEx mitteilte, will Neufund in der Zukunft sogenannte "Equity Token Offerings" anbieten, die bestehende Sicherheits- und Finanzprodukte auf Krypto-Token abbilden sollen.