Der Vorsitzende der US-Börsenaufsicht Gary Gensler erklärte, dass eine Finanzkrise durch den weitläufigen Einsatz von künstlicher Intelligenz "fast unvermeidlich" sei, wenn kein Eingriff erfolgt.

Das sagte er in einem Interview mit der Financial Times, in dem Gensler auch sagte, die Krise könne innerhalb eines Jahrzehnts eintreten.

Der Vorsitzende hat besonders Bedenken im Zusammenhang mit der Zentralisierung von KI-Modellen und Cloud-Dienstleistern.

Im Interview heißt es:

"Ich glaube schon, dass wir in Zukunft eine Finanzkrise haben werden. Wenn sich jeder auf ein Basismodell verlässt und das Basismodell nicht beim Broker-Dealer sitzt, sondern bei einem der großen Tech-Unternehmen. Und wie viele Cloud-Anbieter haben wir in diesem Land?"

Neben der Regulierung von Kryptowährungen ist die künstliche Intelligenz eine der größten regulatorischen Herausforderungen für die SEC. Laut der Financial Times ist Gensler besorgt über ein übermäßiges Vertrauen in ähnliche Modelle (z.B. ChatGPT), die zu einem Herdenverhalten an der Wall Street und den gesamten US-Finanzmärkten führen.

Genslers Haltung ist nicht neu. Im Jahr 2020 war Gensler Mitherausgeber eines Forschungspapiers mit dem Titel "Deep Learning and Financial Stability", in dem er zusammen mit Lily Bailey, damals Forschungsassistentin am MIT und heute bei der SEC als Assistentin tätig, einen ähnlichen Standpunkt vertrat.

Der zunehmende Einsatz von KI-Systemen im Finanzsystem kann laut dem Papier aus dem Jahr 2020 "zu einer Fragilität des Finanzsystems und zu gesamtwirtschaftlichen Risiken führen".

Das Papier fordert eine staatliche Regulierung: "Bestehende Regulierungssysteme für den Finanzsektor, die in einer früheren Ära der Datenanalysetechnologie entwickelt wurden, werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um die systemischen Risiken zu bewältigen, die durch die Akzeptanz von Deep Learning im Finanzwesen entstehen".