Walmart plant Kryptowährung und bläst zum Großangriff auf Banken

Ein neuer Patentantrag von Walmart lässt vermuten, dass der amerikanische Lebensmittelkonzern eine eigene Kryptowährung nach dem Vorbild von Facebook Libra plant.

Walmart reicht Patent für „Blockchain-Digitalwährung“ ein

Der entsprechende Patentantrag mit der Nummer 20190236564, der den Namen „System für eine Blockchain-Digitalwährung“ trägt, wurde am 1. August offiziell vom US-Patentamt veröffentlicht. Ähnlich wie Libra soll die Walmart eigene Kryptowährung dabei an eine externe Fiatwährung, in diesem Fall der US-Dollar, angebunden sein, um für Wertstabilität zu sorgen.

Die grundlegenden Eigenschaften der geplanten Digitalwährung werden im Antrag folgendermaßen zusammengefasst und belegen, dass es sich dabei tatsächlich um eine Art Kryptowährung handeln wird:

„Eine Einheit der Digitalwährung wird an eine Einheit einer normalen Währung angebunden; die Informationen der Digitalwährung werden auf Blöcken einer Blockchain gespeichert; die Digitalwährung kann gekauft werden; mit der Digitalwährung kann bezahlt werden.“

Des Weiteren erklärt Walmart in dem Antrag, dass sich die Digitalwährung für Kunden auch als kostengünstiges Wertaufbewahrungsmittel eignet, das in den Filialen des Konzerns oder bei bestimmten Geschäftspartnern gegen Bargeld gewechselt werden kann. Eventuell könnten Kunden auf ihre Guthaben der Digitalwährung sogar Zinsen gutgeschrieben bekommen.

Außerdem könnte die Digitalwährung potenziell so weiterentwickelt werden, dass sie überall einlösbar ist. Die Anbindung an den US-Dollar soll dabei sicherstellen, dass Einzahlungen und Auszahlungen möglichst unkompliziert sind. Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Digitalwährung womöglich noch an andere Fiatwährungen oder Digitalwährungen angebunden.

Konzerne werden die neuen Banken

Diese Charakterisierung der geplanten Walmart-Kryptowährung birgt Zündstoff, denn wie der Lebensmittelkonzern selbst in dem Antrag eingesteht, könnte die eigene Digitalwährung für Privathaushalte „zu einer alternativen Form der Vermögensverwahrung“ werden, wodurch die Kosten für die Kontoführung bei einer Bank entfallen würden.

Dies scheint nicht nur ein zufälliger Nebeneffekt zu sein, sondern wirkt vielmehr wie der bewusste Versuch horizontaler Diversifikation. So erklärt der Lebensmittelkonzern, dass er seine Kunden bereits „mit einer Vielzahl an Produkten des alltäglichen Lebens“ versorgt, die Integration von Finanzdienstleistungen ist dementsprechend der nächste logische Schritt.

Dies wird an einem besonderen Beispiel deutlich, das ebenfalls in dem Antrag benannt wird. So könnte Walmart mit seiner Kryptowährung dafür sorgen, dass Kreditkarten und Bankkarten zukünftig überflüssig werden:

„Die Digitalwährung könnte biometrische Daten speichern (wie z.B. einen Fingerabdruck), wodurch ein Kunde dann zu seiner eigenen ‚Kreditkarte‘ werden würde, da nur er Zugriff auf sein Guthaben erhält.“

Und hier hören die Ambitionen des Lebensmittelkonzerns noch nicht auf, denn wie Walmart weiter schreibt, soll die Digitalwährung Teil eines größeren Blockchain-Ökosystems sein, in dem „Produkte und Dienstleistungen ausgetauscht werden können“.

Angesichts der heftigen Kritik, die die Facebook Kryptowährung Libra zuletzt erfahren hat, ist allerdings fraglich, ob Walmart das eigene Projekt tatsächlich in solchem Umfang umsetzen könnte.

Walmart setzt bereits in anderen Bereichen auf Blockchain, so wird die Technologie zum Beispiel für das Tracking von Lebensmitteln entlang der Lieferkette eingesetzt, um nur eines von mehreren Beispielen zu nennen.