Datenschutz unerwünscht? – Binance friert Gelder nach Nutzung des Krypto-Tools CoinJoin ein

Für Bitcoin-Anleger, die das Datenschutz-Tool CoinJoin nutzen, um ihre Transaktionen zu anonymisieren, könnte es jetzt ein böses Erwachen geben, nachdem sich die große Kryptobörse Binance entschieden hat, eine mit dem Tool getätigte Auszahlung einzufrieren.

Der Bitcoin-Nutzer Catxolotl veröffentlichte am 19. Dezember eine Reihe von Tweets, in denen er Screenshots von seiner Korrespondenz mit dem Kundenservice von Binance Singapur abbildete, worin es heißt, dass die Kryptobörse eine „Untersuchung“ bezüglich einer seiner Bitcoin-Auszahlungen eingeleitet habe, weshalb die entsprechenden Gelder zunächst eingefroren wurden.

Binance lehnt Nutzung von CoinJoin ab

Als Grund für die Untersuchung gibt der Kundenservice der Kryptobörse an, dass Catxolotl das Datenschutz-Tool CoinJoin über den Wallet-Dienstleister Wasabi genutzt hätte. Ein Binance Sprecher bestätigt dies:

„Binance Singapur muss sich nach den Bestimmungen der Finanzmarktaufsicht von Singapur (MAS) richten. Dementsprechend gibt es Bestimmungen hinsichtlich Geldwäschebekämpfung und zur Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung, an die wir uns halten müssen. Der betreffende Nutzer hat einen entsprechenden Alarm ausgelöst, weshalb wir daraufhin eine nähere Untersuchung eingeleitet haben.“

CoinJoin ist ein Tool, das Bitcoin-Transaktionen zusammenfasst und dabei die verbleibenden Transaktions-Outputs (UTXOs) „vermischt“. Hierdurch werden gleichsam Informationen über Sender, Empfänger und Betrag einer bestimmten Transaktion unkenntlich gemacht, um für den Datenschutz der Bitcoin-Nutzer zu sorgen.

Laut Binance ist es nach den Bestimmungen der singapurischen Finanzmarktaufsicht nicht erlaub, CoinJoin zu nutzen.

Demnach erklärt die Kryptobörse in einer weiteren E-Mail, dass sie keinerlei Transaktionen duldet, die über sogenannte „Mixer“ (Wasabi bzw. CoinJoin) abgewickelt werden.  

Bitcoin-Nutzer Catxolotl klärt auf Twitter abschließend auf, dass er seine eingefrorenen Gelder zurückerhalten hätte, allerdings nicht ohne der Kryptobörse etwaige Zugeständnisse zu machen:

„Update: Ich habe meine Bitcoin-Gelder zurückbekommen, aber im Gegenzug musste ich dem Großen Bruder versprechen, keine Transaktionen mehr zu vermischen. Ich hoffe, ihr habt alle was aus dieser Geschichte gelernt.“

Datenschutz bleibt heißes Eisen

Da sich weder die Binance noch deren Geschäftsführer Changpeng Zhao bisher für die Handlungen der Kryptobörse entschuldigt haben, da sie lediglich auf die Befolgung singapurischer Gesetze pochen, brach in der Krypto-Community eine heiße Debatte darüber los, ob „verdeckte“ Transaktionen zum Zwecke des Datenschutzes erlaubt oder verboten werden sollten.

So schreibt der Twitter-Nutzer, der sich den Namen @Bitcoin gesichert hat, zum Beispiel, dass oftmals zur Nutzung von CoinJoin geraten wird, ohne wirklich über die damit einhergehenden Risiken aufzuklären.

So warnt dieser:

„Zur Klarstellung: Das Risiko, das ihr eingeht, wenn ihr CoinJoin nutzt, ist, dass @chainalysis und ähnliche Krypto-Informationsdienste eure Risikoeinstufung erhöhen. Kryptobörsen wie @binance nutzen diese Dienste und verweigern euch dann möglicherweise die Nutzung ihrer Plattformen.“

Der Bitcoin-Fürsprecher Giacomo Zucco widerspricht jedoch der Einschätzung, dass auf die Nutzung von CoinJoin verzichtet werden sollte, nur um weiterhin grünes Licht von Krypto-Dienstleistern und Aufsichtsbehörden zu bekommen.

„Einige Leute raten euch dazu, CoinJoin NICHT zu nutzen, um Bürokraten und Politiker zufriedenzustellen, aber sie sagen euch nicht, welche Risiken ihr damit eingeht“, wie Zucco in Anlehnung an den Tweet von @Bitcoin schreibt.

Woraufhin er ergänzt:

„Zur Klarstellung: Wenn ihr CoinJoin NICHT nutzt, dann lauft ihr Gefahr, dass eure Daten für jedermann einsehbar sind, für Stalker, Wettberber, Kidnapper, Verbrecher oder verrückte Ex-Frauen.“

Aber damit nicht genug, sondern auch CoinJoin und Wasabi wurden direkter Gegenstand der Diskussion. So widerspricht Nicolas Dorier, der Gründer des Krypto-Zahlungsdienstleisters BTCPay, dem Gedanken, dass Wasabi in irgendeiner Form dafür verantwortlich gemacht werden könnte, wie Kryptobörsen mit den Transaktionen des „Krypto-Mixers“ umgehen.

„Jeder der meint, dass @wasabiwallet es verhindern könnte, dass Kryptobörsen wie Binance ihre Nutzer gängeln, liegt völlig falsch. Kein Mixer, der CoinJoin einsetzt, kann sowas verhindern“, wie Dorier erklärt.

Binance Geschäftsführer Changpeng Zhao hat derweil einen Blogeintrag veröffentlicht, in dem er genauer darauf eingeht, welchen Bestimmungen seine Kryptobörse unterliegt und wie sie mit diesen umgeht.