„Bitcoin Killer“? – Google und Citigroup entwickeln „smarte“ Bankkonten

Mit Google wagt sich nun ein weiterer großer Player der Tech-Branche in den Bereich der digitalen Finanzdienstleistungen, wobei Forbes am 16. November sogar überspitzt vermutet, dass das neue Google Projekt zum „Bitcoin Killer“ werden könnte.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal hatte der Internetriese vergangene Woche offengelegt, in Zusammenarbeit mit der Citigroup an einem Projekt namens „Cache“ zu arbeiten. Hierbei handelt es sich um „smarte“ Google Bankkonten, die den Nutzern neben üblichen Finanzdienstleistungen auch ermöglichen sollen, zusätzliche Serviceangebote von Google zu nutzen. 

Kein Partner mit weißer Weste

Die Auswahl des Projektpartners ist allerdings nicht ganz unumstritten, da die Citigroup während der Finanzkrise von 2008 kein gutes Bild abgegeben hat. So sagte deren Geschäftsführer Chuck Prince damals, dass sein Finanzinstitut „noch weiter tanzen müsse, solange die Musik spielt“, was angesichts der Lage der Citigroup wie blanker Hohn klang.

So war die Bilanz der Citigroup herausragend schlecht, was sie zu einem der Mitverursacher der Krise machte. Wie der Historiker Adam Tooze schreibt, waren die Bücher des Finanzinstituts im Sommer 2007 bereits dermaßen risikobehaftet, dass ein unweigerlicher Kollaps drohte.  

Dementsprechend musste die amerikanische Zentralbank einschreiten, um als „Notnagel“ die Liquidität der „Citi“ mit massiven Hilfszahlungen zu retten, da die Bank auf Grund ihrer Systemrelevanz nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden konnte. Im Anschluss wurden neue Gesetze verabschiedet, die den Handlungsspielraum der Finanzbranche deutlich einschränkten, um eine vergleichbare Situation in der Zukunft zu vermeiden.

Tech-Konzerne sind auf den Geschmack gekommen

Wie das Wall Street Journal berichtet, sehen Tech-Konzerne ihre Expansion in die Finanzbranche als wichtigen Schritt, um „näher an den eigenen Nutzern zu sein“, da hierdurch wichtige Daten zu deren Kaufverhalten erhoben werden können.

Eine Studie von McKinsey soll in diesem Zusammenhang ergeben haben, dass 58% der Befragten Finanzprodukten von Google vertrauen würden, während nur 35% Facebook ihr Vertrauen aussprechen würden. Apple und Amazon kommen bei der Umfrage ebenfalls auf höhere Werte von jeweils 56% und 65%.

Trotz des etwaigen Mehrwerts, der durch die Erhebung von Nutzerdaten entstehen könnte, betont Google, dass die Daten des eigenen Zahlungsdienstes Google Pay nicht zu Werbezwecken verwendet und auch nicht an Drittanbieter weitergegeben werden. Dies soll sich beim neuen Projekt ähnlich verhalten.  

Laut Wall Street Journal will sich Google beim Projekt Cache nicht selbst „die Hände schmutzig“ machen und stattdessen die Abwicklung der Finanzdienstleistungen an die Citigroup auslagern.

Dies hebt auch Google Funktionär Caesar Sengupta hervor, der das neue Projekt klar gegenüber Facebook Libra abgrenzt:

„Unser Ansatz sieht eine enge Partnerschaft mit Banken und dem Finanzsystem vor. Dieser Weg ist zwar aufwendiger, aber dafür nachhaltiger.“

Google der Bitcoin Totengräber?

Die polemische Formulierung von Forbes, dass es sich bei dem neuen Google Projekt um einen „Bitcoin Killer“ handelt, hat in der Kryptobranche bereits Unmut hervorgerufen. Diese steile These scheint einigen Stimmen der Kryptobranche umso absurder, da diese ohnehin eine Abkehr vom Finanzsystem propagiert, so meint der Bitcoin-Experte Stephen Cole zum Beispiel:

„Ein Google Bankkonto ist für Bitcoin ungefähr so eine Bedrohung wie ein neues Postamt eine Bedrohung für E-Mail ist.“

Die neue Kooperation mit der Citigroup ist nicht das erste Narrativ in dem Google zum Totengräber von Bitcoin erklärt wird. So hieß es noch vor wenigen Wochen, dass der Internetkonzern eine „quantenmechanische Überlegenheit“ erreicht habe, die für auf kryptografischen Methoden basierenden Technologien, allen voran Blockchain und Kryptowährungen, ein Todesurteil bedeuten würde.

Ethereum Mitgründer Vitalik Buterin relativierte den Hype um den vermeintlichen „Supercomputer“ von Google allerdings:

„Mein erster Eindruck von der sogenannten quantenmechanischen Überlegenheit ist, dass sie für das wahre Quanten-Computing ungefähr das ist, was Wasserstoffbomben für die Kernfusion waren. Und zwar ein Beleg, dass es möglich ist, daraus Energie zu generieren, der allerdings noch weit davon entfernt ist, sinnvoll eingesetzt zu werden.“

Diese Einschätzung teilt auch Bitcoin-Fürsprecher Andreas Antonopoulos, der in der quantenmechanischen Errungenschaft von Google keinerlei Bedrohung für die marktführende Kryptowährung sieht.