Nachdem sich der Bitcoin-Kurs (BTC) jüngst bei 7.700 US-Dollar fangen konnte und danach sogar wieder etwas Leben zeigte, gehen einige Experten bereits davon aus, dass sich die marktführende Kryptowährung und auch einige der Altcoins bald wieder erholen werden.

So meint zum Beispeil der Krypto-Analyst Nick Cote gegenüber Cointelegraph, dass Bitcoin schon mehrfach bei einem Kurs um die 7.600 US-Dollar lag, weshalb diese Marke zunächst als starker Support interpretiert werden kann. Auch wenn wenig Einigkeit herrscht, wie sich Bitcoin in den nächsten paar Tagen verhalten wird, gibt es jedoch einen gewissen Konsens, dass im Bereich von 6.500 – 7,000 US-Dollar ausreichend Kaufinteresse besteht, so dass der Kurs vorerst nicht weiter abrutscht.

Bitcoin kann sich vorerst fangen

Am gestrigen 28. September hat es die marktführende Kryptowährung zumindest vorübergehend wieder geschafft, über die 8.200 US-Dollar Marke zu klettern, was ein klares Indiz ist, dass ein Absturz unter die 7.000 US-Dollar Marke wohl vom Tisch ist.

Experte Josh Rager warnt jedoch, dass der Support im mittleren 7.000 US-Dollar Bereich von entscheidender Bedeutung ist, denn sollte diese Marke unterboten werden, könnte der Bitcoin-Kurs doch noch bis auf 6.100 – 6.500 US-Dollar abrutschen. Rager kann der momentanen Situation allerdings etwas Positives abgewinnen und sieht darin eine gute Kaufgelegenheit:

„Meiner Meinung nach ist es am schlausten, sich an den wichtigen Support-Marken einzukaufen. Obwohl viele jetzt 6.100 – 6.500 US-Dollar als neuen Boden ausgemacht haben, gehe ich davon aus, dass es schon in den höheren Bereichen Kaufinteresse gibt. Nichtsdestotrotz eine gute Gelegenheit, um Bitcoin unterhalb von 8.000 US-Dollar zu kriegen.“

Sollte sich diese Vermutung bewahrheiten, wird der Kurs bald wieder nach oben getrieben. Der zwischenzeitliche Aufschwung auf 8.200 US-Dollar scheint ein erster Beleg zu sein, wodurch der Absturz in den 6.000 US-Dollar Bereich wohl tatsächlich vermieden wurde.

Bitcoin-Kurs festigt sich zunächst bei 7.700 US-Dollar

Quelle: Coin360.com

Des Weiteren vermutet Rager, dass der jüngste Crash von Bitcoin auf neue Anleger zurückzuführen ist. Dies sei wiederum ein gutes Zeichen, da die Anleger mit langfristigen Absichten, auch als „Hodler“ bekannt, unbeirrt an ihren Positionen festhalten. Scheinbar gibt es für diese also keinen Grund zur Panik.

Vielmehr könnte die große Krypto-Handelsplattform BitMEX als Brandbeschleuniger gewirkt haben, der einen ursprünglich kleinen Absturz in einen regelrechten Crash eskaliert hat. Wie der Krypto-Informationsdienst Datamish zeigt, wurden auf BitMEX Long-Positionen in Höhe von 650 Mio. US-Dollar liquidiert, nachdem Bitcoin auf 9.000 US-Dollar gefallen war, woraufhin weitere 100 Mio. US-Dollar liquidiert wurden, als die 8.000 US-Dollar Marke unterschritten wurde. Ein selbstverstärkender Effekt, der die Situation wohl schlimmer gemacht hat, als sie wirklich ist.

Gibt es bereits erste Hoffnungsschimmer?

Krypto-Experte Cote vermutet, dass Bitcoin sich bei 7.600 US-Dollar festigen und anschließend wieder nach oben klettern wird. Diese Annahme stützt er auf die Tatsache, dass die 7.700 US-Dollar Marke in der Vergangenheit bereits als starker Support gewirkt hat. Auch der Krypto-Trader Scott Melker stößt in das gleiche Horn und meint, dass die 7.700 US-Dollar Marke auf kurze Sicht der neue Boden der marktführenden Kryptowährung ist. In diesem Zusammenhang erklärt Nick Cote:

„Ich denke, dass sich der Kurs spätestens bei 7.600 US-Dollar fängt. Diese Marke hat des Öfteren schon als Widerstand oder Support fungiert. Ich gehe davon aus, dass es anschließend einen Aufschwung gibt, der den Kurs zumindest wieder über 8.000 US-Dollar trägt.“

Obwohl die Kursentwicklung momentan schlecht aussieht, sind die meisten Experten mittel- und langfristig weiterhin optimistisch, da die Fundamentaldaten von Bitcoin noch immer stark sind. So steht für Mitte 2020 zum Beispiel die Halbierung der sogenannten „Block-Belohnung“ an. Dieser Mechanismus soll gezielt das Wachstum der Umlaufmenge drosseln, indem die Auszahlungen für das Mining eines Bitcoin-Blocks reduziert wird. Da die Umlaufmenge dann langsamer wächst, wird gleichsam auch das Angebot relativ zur Nachfrage kleiner, was den Kurs wiederum nach oben treiben sollte. Zumindest war dies bereits bei vorherigen „Halbierungen“ der Fall.

Auch Krypto-Experte Cote sieht dieses Ereignis als entscheidenden Faktor, der bedeutsame Auswirkungen haben könnte:

„Ich vermute, dass der Bitcoin-Kurs nach der Halbierung auf neue Rekordhochs klettern kann, aber zuvor wird sich in der momentanen Schwächephase die Spreu vom Weizen trennen […]. Mein Fokus liegt ganz klar auf der bevorstehenden Halbierung im nächsten Jahr und nicht auf dem aktuellen Quartal.“  

Obwohl die Block-Halbierung zwar von großer Bedeutung sein könnte, lässt eine neue Studie des Investitionsunternehmens Grayscale vermuten, dass das Gros der Anleger noch nicht ausreichend darüber informiert ist.

Unter Umständen könnte der momentane Bitcoin-Kurs also keine repräsentative Abbildung des tatsächlichen Marktwertes sein. So heißt es in der Grayscale Studie wortwörtlich:

„Die Halbierung ist bereits nah genug, dass wir ernsthaft darüber reden müssen, aber immer noch weit genug weg, dass sie wohl noch nicht richtig in den momentanen Kurs miteinfließt. Wir haben im Gespräch mit Anlegern überraschenderweise festgestellt, dass viele überhaupt noch nichts von der Halbierung wissen.“

Ein weiterer wichtiger Faktor, der bedingen könnte, dass der Bitcoin-Kurs bald wieder nach oben klettert, ist die sogenannte Hashrate. Kurz bevor es zum jüngsten Crash kam, war die Hashrate vermeintlich abgestürzt, was womöglich zu der Annahme geführt hat, dass die Bitcoin-Miner urplötzlich das Interesse an der marktführenden Kryptowährung verloren hätten.

Bitcoin-Hashrate hat sich nach vermeinlichem Absturz wieder erholt. Quelle: blockchain.com

Die Hashrate ist ein wichtiger Indikator für die „Gesundheit“ von Bitcoin, da sie die Rechenleistung des darunterliegenden Netzwerkes abbildet. An ihr lässt sich ablesen, wieviel Mining-Power zur Verfügung steht, was gleichsam anzeigt, wie groß das Interesse der Miner ist bzw. wie lukrativ das Mining-Geschäft ist. Experten vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen Hashrate und langfristiger Kursentwicklung besteht, was darauf hindeuten würde, dass es auch für den Kurs bald wieder nach oben geht.

Dementsprechend gibt es einige Stimmen, die den vorübergehenden Absturz der Hashrate als Auslöser für den Crash des Kurses sehen. Allerdings wird langsam angezweifelt, dass es überhaupt zu einem Absturz der Hashrate gekommen ist, da sich diese nach einem plötzlichen 30%igen Rückgang ebenso schnell wieder aufgeschwungen hat.

So meint zum Beispiel Jameson Lopp, der technische Leiter des Krypto-Unternehmens CasaHODL, dass die Hashrate gar nicht erst abgefallen ist, sondern dass es sich bei dem vermeintlichen Absturz lediglich um eine statistische Fehlinterpretation handelt, die durch die verzögerte Produktion von Bitcoin-Blöcken zustande gekommen sein könnte. Hierdurch hätten sich die gemessenen und berechneten Werte wohl so verschoben, dass es zu einem scheinbaren Crash der Hashrate gekommen ist.

Ausgehend von dieser These wäre der zwischenzeitliche Absturz also bedeutungslos, was zu der Annahme verleitet, dass sich der Bitcoin-Kurs sehr wahrscheinlich wieder an den langfristigen Aufwärtstrend der Hashrate anpassen wird.

Wohin geht es als nächstes?

Der Crash des Bitcoin-Kurses wurde durch einen heftigen Absturz unter die 9.000 US-Dollar Marke eingeleitet, nachdem der Support bei 9.650 US-Dollar zuvor mehrfach getestet wurde, was nun dazu führt, dass die marktführende Kryptowährung in einem niedrigeren Bereich einen neuen Boden bilden muss.

Das wahrscheinlichste Szenario ist, unter Berücksichtigung wichtiger Indikatoren wie dem Gleitenden Mittel der letzten 200 Tage (200-Tage-MA) und dem Relativen Stärke Index (RSI), dass Bitcoin sich wieder nach oben aufschwingen wird und dabei immer wieder auf die neuen Supports zurückfällt. So meint der Krypto-Experte Scott Melker zum Beispiel, dass es momentan noch nicht viele neue Support-Marken gäbe, die 7.777 US-Dollar Marke hätte sich allerdings schon herauskristallisiert.

Im Bereich zwischen 6.100 – 7.700 US-Dollar liegen noch weitere wichtige Support-Marken, allerdings ist die 7.700 US-Dollar Marke nun seit mehreren Monaten der erste wichtige Support, der wieder getestet wird. Nicht alle Anleger sind dementsprechend davon überzeugt, dass es zwangsläufig wieder zum Aufschwung kommen muss und bremsen den vermeintlichen Optimismus deshalb ein wenig. So meint der Krypto-Trader DonAlt auf Twitter:

„Der Kurs ist jetzt aus einer Preisspanne von mehr als 100 Tagen abgerutscht. Sollte Bitcoin anschließend wieder bis auf 10.000 US-Dollar klettern, dann hat der Markt damit lediglich die kurzfristigen Anleger abgeschüttelt, aber falls es weiter nach unten geht, dann würde ich nicht mehr an meinen Long-Positionen festhalten. Auf Grund des Risikos bin nicht bereit, jetzt zu kaufen.“   

Da Bitcoin ganz deutlicher an Aufwind verloren hat und nicht mehr so stark ist wie noch vor ein paar Wochen, gehen die meisten Experten davon aus, dass sich der Kurs zunächst wieder bis 9.000 US-Dollar aufschwingen kann, dann aber immer wieder auf die momentanen Supports abfällt.

Enttäuschender Start der Bakkt ist kein Grund zur Sorge

Im Laufe des Jahres 2019 haben die Krypto-Anleger immer wieder mit Spannung auf den Start der Handelsplattform Bakkt geschielt, die mit der Einführung ihrer regulierten Bitcoin-Futures einen maßgeblichen Effekt auf die Kryptomärkte hätte haben sollen.

However, upon its launch, Bakkt saw minimal volume from investors — certainly not proportionate to the hype it has carried since early 2019. Su Zhu, the CEO of Three Arrows Capital, said that it would take time for brokers and investors to set up systems to process trades through Bakkt and that he expects the volume of Bakkt to increase in the months to come. He added in a conversation with Cointelegraph:

„Die Bakkt ist zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber bald werden alle Dämme brechen. Tatsache ist, dass die meisten Futures in den ersten paar Tagen noch nicht richtig angenommen wurden, da es seine Zeit braucht, bis die Anleger wirklich damit warm werden.“

Eine ähnliche Situation hatte es zuvor schon gegeben, als die Bitcoin-Futures der Optionsbörse CME eingeführt wurden, die auch schwach gestartet sind und sich dann zu einem wichtigen Faktor des Bitcoin-Marktes entwickelt haben. Es ist davon auszugehen, dass Bakkt eine vergleichbare Entwicklung machen wird.

Wie es sich dann allerdings auswirkt, wenn ein bedeutsamer Teil des Bitcoin-Handelsvolumens in Futures angelegt wird, steht in den Sternen. Die Futures der CME haben sich bisher immer merkbar auf den Bitcoin-Kurs ausgewirkt, sobald diese auslaufen. Anschließend ergab sich daraus zumeist aber jeweils ein Aufschwung.