Krypto-Auktionen: Was passiert mit konfiszierten Bitcoins?

Kryptowährungen wurden von Anfang an von vielen mit Schwarzmärkten und illegalen Aktivitäten assoziiert. Die Tatsache, dass Bitcoins Aufbau direkte Zahlungen von einer Partei zur anderen ermöglicht, ohne, dass eine finanzielle Institution in den Prozess einbezogen wird, kann dafür genutzt werden, institutionelle Kontrollen zu umgehen und illegale Überweisungen durchzuführen.

Eine vor Kurzem veröffentlichte Studie der Technischen Universität Sydney (UTS) fand heraus, dass "etwa ein Drittel aller Bitcoin-Nutzer und die Hälfte aller Bitcoin-Transaktionen mit illegalen Aktivitäten in Verbindung stehen".

Da auf der anderen Seite insgesamt beinahe 28,5 Mrd. Bitcoin-Wallets existieren, die mehr als 0,001 BTC halten und viele Nutzer außerdem mehrere - teilweise inaktive - Wallets gleichzeitig benutzen, sind die Auswirkungen dieses Phänomens in der Realität nicht ganz so dramatisch, wie es klingt.

Nichtsdestotrotz ist es eine bestätigte Tatsache, dass einige illegalen Aktivitäten mit Kryptowährungen abgewickelt werden. Während es ziemlich leicht ist, auf lokale Bankkonten und deren Bargeld zuzugreifen, sieht das Ganze mit Kryptowährungen etwas komplizierter aus. Lassen Sie uns einige Fälle untersuchen, bei denen die staatlichen Autoritäten illegale Krypto-Wertanlagen aufgrund illegaler Aktivitäten beschlagnahmt haben und herausfinden, wo diese am Ende gelandet sind.

Internationale Autoritäten versuchen, das Problem nicht zu unterschätzen. Europol hat vor Kurzem bekanntgegeben, dass "drei bis vier Mrd. Pfund (etwa 3,4 - 4,55 Mrd. Euro) Kriminalgeld in Europa über Kryptowährungen gewaschen werden."

Europols leitender Direktor Rob Wainwright betont, dass:

"Erlöse aus kriminellen Aktivitäten werden in Bitcoins umgewandelt, in kleinere Beträge aufgeteilt und an Personen verteilt, die scheinbar nicht mit den Verbrechern in Verbindung stehen, sondern als "Geldkuriere" agieren. Diese Geldkuriere wechseln Bitcoin wieder in Hartgeld um, bevor sie es an Kriminellen zurückgeben."

Silk Road

In diesem komplizierten Fall agierten die internationalen Strafbehörden, indem sie einige wichtige Polizeioperationen ausführten. Eine der bekanntesten fand im Oktober 2013 statt und endete in der Schließung von Silk Road.

Silk Road war ein im Darknet operierender Onlinemarktplatz für den Verkauf illegaler Drogen, dessen Transaktionen aufgrund der hohen Anonymität über Bitcoin durchgeführt wurden. Nach einer zweijährigen Ermittlung verhaftete das amerikanische Bundeskriminalamt (FBI) den Gründer und konfiszierte über 170.000 Bitcoins, die zu jenem Zeitpunkt etwa 1,5 Prozent aller Bitcoins im Umlauf ausmachten.

Die Schließung von Silk Road ist nicht das einzige Beispiel für die Bekämpfung illegaler Krypto-Geschäfte durch internationale Autoritäten. Im November 2014 ermittelte die deutsche Polizei von Hessen gemeinsam mit Europol und dem FBI gegen die illegalen Onlinegeschäfte Hydra und Silk Road 2.0, die ebenfalls im Drogenverkauf aktiv waren.

Laut der Strafverfolgung wurden diese Shops von rund 150.000 Menschen im Internet besucht, die dort jeden Monat Drogen im Wert von mehreren Millionen Euro mit Bitcoin kaufen. Die Operation endete mit der Beschlagnahmung von 126 Bitcoins, die sich im Besitz der Webseitengründer befanden.

Bulgarien

Die vielleicht beeindruckendste Operation wurde am 19. Mai 2017 von der bulgarischen Polizei, unterstützt vom Südosteuropäischen Strafverfolgungscenter (SELEC) ausgeführt: Gemeinsam waren die Behörden in der Lage, eine organisierte Verbrechergruppe zu stoppen, die korrupte Zollbeamte aus diversen europäischen Ländern rekrutierte, um das EDV-Steuersystems mit einem Virus zu infiltrieren und so Steuerzahlungen zu vermeiden.

Die Verbrecher entschieden sich für Bitcoin als bevorzugte Währung, um ihre Investitionen und Aktivitäten zu finanzieren, da dieser relativ schwer nachzuverfolgen ist. Am Ende der Untersuchung gelang es den Beamten, die beeindruckende Summe von 213.519 Bitcoins zu beschlagnahmen

Krypto-Auktionen 

Die Konfiszierung von Kryptowährungen ist immer mehr das Ergebnis kooperierender internationaler Untersuchungen, wobei ähnliche Aktivitäten in diversen Ländern, einschließlich den USA; Deutschland, Bulgarien und Großbritannien, stattgefunden haben. Nationale Behörden denken nun darüber nach, was sie mit den beschlagnahmten Coins anfangen sollen. Die Vereinten Staaten von Amerika kamen am schnellsten mit einer Lösung für das Problem auf und begannen damit, Auktionen zu organisieren, um die jeweiligen Kryptowährungen zu versteigern.

Der US-Marschall-Dienst (USMS), eine föderale Strafverfolgungsbehörde innerhalb des amerikanischen Justizministeriums, hat bereits verschiedene Mengen an Bitcoins, die von diversen Behörden beschlagnahmt wurden, weiterverkauft. Eine der letzten Auktionen fand am 11. Januar 2018 statt; Insgesamt versteigerte der USMS 3.813 Bitcoin, zusammengefasst in unterschiedlich großen Pakten: A) 2.500; B) 500; C) 813.

Da ein Bitcoin an dem Auktionstag etwa einen Wert von 9.482,6 Euro (11.500 US-Dollar) hatte, beläuft sich das Gesamtergebnis auf über 36,3 Mio. Euro (44 Mio. US-Dollar), die als Gewinn an den Staat gehen. Auch die Regierung des deutschen Bundeslandes Hessen hofft, mit einer ähnlichen Auktion für die 126 beschlagnahmten Bitcoins einige Millionen für den Staat zu verdienen.

Was macht Bulgarien? Einigen damaligen Rechnungen zufolge, hätte der Wert der 213.000 beschlagnahmten Bitcoins ausgereicht, um ein Fünftel der bulgarischen Staatsschulden zu bezahlen. Aktuell sehen die Verhältnisse allerdings ein bisschen anders aus, da sich die Schulden des Landes auf rund 13,2 Mrd. Euro belaufen und die beschlagnahmten Bitcoins zusammen nur noch rund 1,65 Mrd. Euro wert sind.

Darüber hinaus bleibt es bisher unklar, ob die Autoritäten die Coins wirklich in ihrem Besitz haben. Der Leiter des bulgarischen Sonderstaatsanwaltschaft Ivan Geshev gab vor Kurzem zu Protokoll, dass die Sonderstaatsanwaltschaft und das Innenministerium keine Bitcoins beschlagnahmt haben.

Mehr Auktionen in der Zukunft

Die Behörden müssen sich in ihren Maßnahmen zur Bekämpfung des Missbrauchs von Mitteln zur Finanzierung von Schwarzmärkten und Schwarzarbeit stärker auf die Anwendung von Kryptowährungen fokussieren. Angesichts der extremen Geschwindigkeit, mit der Kryptowährungen zwischen Wallets, Staaten und Kontinenten bewegt werden können, wäre auch eine stärkere Zusammenarbeit zwischen internationalen Behörden für die Durchführung von Sonderoperationen erforderlich.

Die Beschlagnahmung und Versteigerung von Kryptowährungen, die in einer bestätigten Verbindung mit Verbrechen stehen, könnte sowohl der Abschreckung von Kriminellen dienen und in einigen Fällen eine überaus lukrative Einnahmequelle für den Staat sein.

Einigkeit und Uniformität zwischen den verschiedenen internationalen Behörden hinsichtlich der Vorgehensweise bei den Versteigerungsverfahren könnten eine wünschenswerte Entwicklung darstellen, um einen gerechten und transparenten Prozess bei der Umverteilung der Kryptowährungen zu garantieren. Ein sorgfältiger Identifikationsprozess wäre ebenfalls sinnvoll, um zu garantieren, dass die Teilnehmer der Auktion selbst nicht in illegale Aktivitäten verwickelt sind und so alles wieder von vorne anfängt.

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