Krypto-Investor nennt Hauptverdächtigen in millionenschwerem SIM-Swapping-Fall

Einem 21-jähriger Amerikaner wird vorgeworfen, Millionen von Dollar in Krypto über eine Methode gestohlen zu haben, die als SIM-Swapping bekannt ist. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die Cointelegraph am 17. Januar vorlag.

Wie berichtet, reichte der Kläger Michael Terpin - ein langjähriger Blockchain- und Kryptoinvestor - im vergangenen August zunächst eine Klage gegen AT&T ein und warf dem Unternehmen Fahrlässigkeit vor. Diese hat es dem Verdächtigen mutmaßlich ermöglicht, die Kontrolle über Terpins Telefonnummer zu erlangen und Krypto im Wert von umgerechnet etwa 21 Mio. Euro zu stehlen.

SIM-Swapping - auch bekannt als "Port-Out-Betrug" - funktioniert so: Eine Handynummer wird gestohlen, um auf Online-Finanz- und Social-Media-Konten zuzugreifen, was dadurch ermöglicht wird, dass viele Unternehmen automatisierte Nachrichten oder Anrufe verwenden, um eine Kundenauthentifizierung durchzuführen.

Laut Terpins Erklärung, die am 31. Dezember 2018 beim US-Bezirksgericht in Los Angeles eingereicht wurde, behaupten Terpin und sein Anwaltsteam, sie hätten den Hauptverdächtigen identifiziert, der das SIM-Swapping durchgeführt haben soll, nämlich den 21-jährigen New Yorker Nicholas Truglia.

Der Verdächtige wurde zuvor bereits wegen anderer SIM-Swapping-Delikte verhaftet, bei denen mutmaßlich umgerechnet fast 900.000 Euro in Krypto von Führungskräften des Silicon Valley in der Bay Area gestohlen wurden. In Terpins Klage gegen Truglia, die am 28. Dezember 2018 eingereicht wurde, heißt es, dass Truglia derzeit im kalifornischen Santa Clara County, im Zusammenhang mit diesem früheren Fall in Haft sitze.

Die Klage behauptet, dass Truglia zusammen mit mehreren mutmaßlichen Komplizen das SIM-Swapping bei Terpin am 7. und 8. Januar 2018 durchgeführt habe. So seien Kryptowährungen im Wert von etwa 21 Mio. Euro gestohlen worden.

Zu den Beweisen, die in der Klage präsentiert werden, gehören Erklärungen und Textnachrichten, die mutmaßlich von Truglia am Tag des Terpin-SIM-Swapping gesendet wurden. In diesen soll er Freunden ausdrücklich gesagt haben, dass er eine Kryptowährungs-Wallet mit umgerechnet rund 17,6 Mio. Euro gestohlen habe.

In einer Textnachricht soll er einer Person gegenüber geprahlt haben: "Ich bin Millionär. Ich mache keine Witze. Ich habe 100 Bitcoin." Es wird auch behauptet, er habe Freunden gegenüber gestanden, dass der Terpin-Raub sein größter Coup gewesen sei und dass dieser Tag "sein Leben für immer verändert hat". Die Klage behauptet, dass Truglia insgesamt Vermögenswerte im Wert von über 70 Mio. Euro gestohlen haben soll.  

In Terpins Beschwerde werden Truglia und seinen mutmaßlichen Komplizen insbesondere im Rahmen des The Racketeer Influenced and Corrupt Organizations (RICO) Act belastet. In dem Gesetz sind Strafen für die Begehung wiederholter, organisierter Straftaten, die mit gegenseitiger Beihilfe im Rahmen einer kriminellen Vereinigung begangen wurden, vorgesehen.

In der Pressemitteilung wurde betont, dass neue Anklagen die bestehende Klage gegen AT&T nicht beeinflussen oder verringern. Berichten zufolge sind diese nur dann betroffen, wenn eine Rehabilitierung der mutmaßlichen Kriminellen den Primärschaden entsprechend reduziert. Terpin wurde außerdem unmittelbar eine Pfändung in umgerechneter Höhe von bis zu 21 Mio. Euro von Truglias Vermögen am Tag der Einreichung der Klage gewährt.

SIM-Swapping ist zu einem zunehmenden Problem für die Strafverfolgungsbehörden geworden und hat dementsprechend Telekommunikationsunternehmen - denjenigen, die die Benutzeridentitätsdaten verwalten - wegen ihrer mutmaßlichen Mittäterschaft an dem Verbrechen ins Rampenlicht gerückt. Letzter Sommer hat Cointelegraph ein Interview mit Terpin geführt. Er erklärte, das größte Risiko für Krypto-Investoren bestehe "darin, dass große Telefongesellschaften Ihnen Sicherheit versprechen und diese nicht liefern".