Estland fährt Planung einer nationalen Digitalwährung zurück

Estland hat seinen Plan, eine nationale Kryptowährung unter dem Namen Estcoin einzuführen, vorerst zurückgefahren. Wie Bloomberg berichtet, geschieht dies nach der jüngsten Kritik vom Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, und anderen wichtigen Figuren der lokalen Banken.

Kaspar Karjus, ausführender Direktor des estländischen E-Residency Programm, hatte die Entwicklung und Einführung des Estcoins im August letzten Jahres vorgeschlagen. Dadurch wäre der Estcoin einerseits zur nationalen Digitalwährung geworden und andererseits ebenso zur offiziellen Währung für das E-Residency Programm des Landes. Im Rahmen des Programmes hätte Estcoin als Anreiz für Ausländer gewirkt, die Estlands elektronischen Identifikationsmechanismus zur Unterzeichnung von Dokumenten oder Gründung von Firmen benutzen.

Draghi sagte im September: „Kein Mitgliedsstaat kann seine eigene Währung einführen; die Währung der Eurozone ist der Euro.” Estcoins werden daher nur noch als Zweckmittel für E-Residents gebraucht, so Siim Sikkut, der in offizieller Funktion die IT-Strategie des Landes leitet. Im Inverview mit Bloomberg meinte Sikkut:

„In den Gesprächen mit der Politik haben wir uns darauf geeinigt, dass der Estcoin weiterhin als Transaktionsmittel innerhalb der E-Residency Community fungieren darf. Alle weiteren Verwendungsmöglichkeiten sind vom Tisch. Wir schaffen keine neue Währung.“

Korjus hat die Aussagen von Sikkut bestätigt, insofern dass der „Community Estcoin“ weitergehend analysiert wird. Dem fügte er an, dies sei „definitiv keine nationale Kryptowährung.“

Draghis Position wird von Ardo Hansson, dem Chef der Bank of Estonia, gestützt, der „irreführende Berichte“ aus Regierungskreisen zum Estcoin beklagte.

Regierungen und Zentralbanken in verschiedensten Ländern loten das Potenzial von nationalen Zentralbank-gesteuerten Digitalwährungen aus. Diesen Monat kündigte die Norges Bank, Zentralbank von Norwegen, die mögliche Entwicklung einer eigenen Digitalwährung an - als Ergänzung zum Bargeld. Damit wolle man „das Vertrauen in Geld und das Geldsystem sicherstellen.“  

Der Bundesrat der Schweiz gab kürzlich eine Studie in Auftrag, die die Risiken und Chancen bei der Einführung einer staatlichen Digitalwährung, dem sogenannten „E-Franken“, untersuchen soll. Romeo Lacher, der die Anfrage zur Studie initiiert hat, sagte: „Eine E-Franke unter Kontrolle der Zentralbank würde eine Menge Synergien mit sich bringen - was wiederum gut für die gesamte Wirtschaft ist.“