Wie aus Australien ein Kryptowährungs-Kontinent wird: Markt, Regulierung und Pläne

Von Natur aus ist es bei Kryptowährungen so, dass Regulierung, Kontrolle und im weiteren Sinne ein zentralisiertes System nicht zu dem passen, wofür sie stehen. Sie sollten vollkommen dezentralisiert sein und daher nicht vielen Regeln unterliegen.

Das machte auch vollkommen Sinn, als Kryptowährungen noch nicht im Rampenlicht standen und kein wichtiger Faktor auf der Weltbühne waren. Da jedoch die Mainstream-Anwendung zugenommen hat und mehr Personen auf den Markt gekommen sind, wurde das Interesse von Regierungen und Regulierungsbehörden weltweit stärker.

Das hat mit dem G20-Gipfel seinen Höhepunkt erreicht. Dort setzte man sich zusammen und diskutierte, wie dieses dezentrale Finanzsystem in die heutige globale Gesellschaft integriert werden kann. Eine Nation entwickelt jedoch einen eigenen Weg, ohne "erst mal abzuwarten".

Australien hat sich sehr direkt und positiv in Bezug auf die Kryptowährungsregulierung gezeigt und implementiert bereits einige seiner größeren Pläne, wie zum Beispiel die Börsenregistrierung. Ihre Pläne und Regeln in Bezug auf Kryptowährungen sind jedoch nicht unsinnig, dämpfend oder schädigend. Man kann sie vielmehr als progressiv und potenziellen Aufschwung für das Land und Kryptowährungen im Allgemeinen betrachten.

Australische Märkte

Australien ist vielleicht nicht einer der größten Märkte für Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen, aber dennoch ein wachsender Markt. Aktuell rangiert Australien weltweit auf Platz 14 hinsichtlich des BTC-Volumen nach Währung. Zum Veröffentlichungszeitpunkt verzeichnete der australische Dollar (AUD) ein Volumen von umgerechnet 1.764.945 Euro oder 276 BTC innerhalb von 24 Stunden.

Zum Vergleich: Japan steht mit einer 60-prozentigen Dominanz an der Spitze und verarbeitet 301.404 BTC innerhalb von 24 Stunden. Australiens Marktaktivitäten verblassen im Vergleich zu Japan, aber weltweit ist das Land doch ein ziemlich großer Mitstreiter.

Börsenordnung und Börsenlizenzierung

Am 11. April hat die australische Regierung über das australische Transaktionsberichts- und Analysezentrum (AUSTRAC) Pläne bekanntgegeben, laut denen es neue Regeln für Kryptowährungsbörsen geben soll. Die wichtigste lautet: "Digitale Währungsbörsen (DCE) mit einem in Australien ansässigen Betrieb müssen sich von nun an beim AUSTRAC registrieren lassen und mit den Anti-Geldwäsche- und Anti-Terrorismus-Finanzierungs-Richtlinien konform sein und Anzeigepflichten erfüllen", heißt es in der Mitteilung.

Sie haben bereits drei Börsen lizenziert - BTC Markets aus Melbourne war die Erste. Dann kam die Independent Reserve aus Sydney, die ebenfalls von der Australian Digital Commerce Association (ADCA) unterstützt wird. AUSTRAC hat eine Frist bis zum 14. Mai festgelegt. Ab diesem Tag müssen sich alle anderen Börsen im Land registriert haben und diese Richtlinien ebenfalls einhalten.

Blockbid, eine weitere Börse aus Melbourne, war die dritte dieser Börsen, die eine AUSTRAC-Lizenz bekam. Aber das war vor der bevorstehenden Beta-Veröffentlichung von Blockbid und fördert die Pläne des Unternehmens, Blockbid im Jahr 2019 vollständig einzuführen.

Wie es häufig der Fall bei einer staatlichen Regulierung für Kryptowährungen ist, ist das Hauptziel Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung durch Kryptowährungen aufgrund ihrer anonymen und globalen Natur zu unterbinden. In dem Bericht heißt es jedoch, dass "die Regulierung auch dazu beitragen wird, das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Verbraucher in den Sektor zu stärken", kommentierte die CEO von AUSTRAC Nicole Rose.

Das ist das Wichtigste beim Versuch Australiens, Kryptowährungen im Land zu regulieren. Das Land versucht, die Bürger und den Finanzsektor zu schützen. Gleichzeitig aber auch, die Technologie zu entwickeln und zu integrieren.

Börsen gehen voran

Dieser jüngste Schritt Australiens, Börsen zu lizenzieren, zeigt, dass die Regierung versucht, sich an Kryptowährungen in ihrem Land zu beteiligen und Kontrolle zu erlangen. Diese Lizenzen mögen zwar greifbare Beweise für die Kryptowährungsregulierung sein, aber Australien hat dennoch einen positive Prognose für digitale Währungen geschaffen.

Echtes Geld

Australien folgte dem Beispiel von Japan und erklärte Bitcoin und andere Kryptowährungen zu gesetzlichen Zahlungsmitteln. Japans Entscheidung, Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu erklären, wurde im März 2016 öffentlich. Australien folgte dieser Entscheidung am 1. Juli 2017.

Besteuerung

Die Meinungen der australischen Aufsichtsbehörden zu Kryptowährungen sind ebenfalls gereift und haben sich erweitert, da das Interesse an digitalen Währungen an Schwung bekommen hat. Am 20. September 2017 wurde angekündigt, dass Australien sein erstes Gesetz zur Doppelbesteuerung von digitaler Währung abschaffen würde. Die Gesetzesvorlage beendete die Praxis, den Kauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen gemäß der australischen Waren- und Dienstleistungssteuer (GST) zu besteuern.

ICO

Initial Coin Offerings (ICOs) wurden ebenfalls behandelt, wobei diese Facette des Kryptowährungsbereichs oft von Regulierungsbehörden, wie der US-Wertpapier- und Börsenkommission und mit dem vollständigen Verbot in China im September 2017, stark kritisiert wurde. Kurz nach der Maßnahme in China hat die australische Kommission für Wertpapiere und Anlagen (ASIC) im Oktober 2017 ihre eigenen Richtlinien veröffentlicht, an die sich die ICOs halten müssen.

Die Richtlinien besagen, dass die rechtliche Behandlung für die Nutzung von ICOs von der Struktur der Token abhängt, ob es Wertpapier- oder Nutzungstoken sind. Das heißt, dass Token-Verkäufe unter dem allgemeinen Verbrauchergesetz kategorisiert werden, wenn das von als ICO strukturierte Unternehmen keine Finanzprodukte anbietet. Denn dies wird durch den Corporations Act (Unternehmergesetz) des Landes geregelt.

Die Haltung war zwar immer noch stark, aber ihre Richtlinien waren zumindest für die ICOs verfügbar, um ihnen zu folgen. Damit konnten Unternehmen, die sich dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, sehen, wo sie standen, je nachdem, welche Art von Token sie erstellten.

Besteuerung

Das australische Finanzamt hat konkrete Schritte unternommen, um zu versteuerndes Wachstum und Ausgaben bei Kryptowährungen zu regulieren und zu kontrollieren. Zu diesen Schritten gehört auch, dass das australische Finanzamt (ATO) Datenabgleiche und 100-Punkte-Identifikationschecks zur Ermittlung von Kryptowährungs-Investoren sowie bilaterale Steuerabkommen und Geldwäschebekämpfungsverpflichtungen einsetzt, um mehr Informationen aus der traditionell anonymen Krypto-Sphäre und den Märkten herauszuholen. Das beweist erneut, wie gründlich und entschlossen sie sind, Kryptowährungen in Einklang mit ihrer Politik zu bringen.

Reaktion der Industrien?

All diese starke und direkte Regulierung könnte bei denen, die im Kryptowährungsbereich tätig sind, ein Naserümpfen hervorrufen, da sie plötzlich eine ganze Reihe neuer Regeln zu befolgen haben, die es nicht einmal gab, als sie das Geschäft aufbauten.

Die Reaktionen aus verschiedenen Branchen in Australien waren jedoch überwiegend positiv.

Loretta Joseph, Vorsitzende des australischen digitalen Handelsverbandes (ADCA) erklärte, wie ihre Organisation mit der Regierung zusammenarbeitete, um ein faires Gleichgewicht zu erreichen:

"Die ADCA hat in den letzten 18 Monaten sehr eng mit der australischen Regierung und der Regulierungsbehörde AUSTRAC zusammengearbeitet, um Klarheit und eine Übersicht in eine Branche zu bringen, die Orientierung und formale Regulierungen nötig hatte. Damit soll Branchenakteuren die Einhaltung von Standards zu ermöglicht werden."

"Australien ist ein reifer Markt mit einer Regulierungsbehörde, die offen für Innovationen ist und einer Regierung die eine Innovationsagenda hat. Das Land kann ein bei der verantwortungsvollen Einführung der Blockchain-Technologie eine klare Führungsrolle übernehmen."

Das Gerede um die Blase widerlegen

Es ist ziemlich offensichtlich, warum diese Regulierungen gut für die australische Regierung sind, die gegen die Bedrohungen durch Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ankämpft. Aber auch Krypto-Firmen und die verschiedenen Branchen, die Kryptowährungen nutzen, profitieren davon. Dieses Regulierungsniveau hat sogar darüber hinaus massive Auswirkungen auf die Kryptowährungen selbst.

Es besteht eine wachsende Akzeptanz, Massenmedien-Tauglichkeit, einen Hype und ein allgemeines Interesse seitens normaler Leute, wie diejenigen, die die Show von Ellen DeGeneres und John Oliver sehen, Kryptowährungen zu verstehen. Es scheint also so, als ob Kryptowährungen nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden werden. Je mehr Aufmerksamkeit sie jedoch auf sich ziehen, desto mehr Meinungen über Bewegungen und Fluktuationen gibt es.

Es wird von einer Bitcoin-Blase geredet, aber Maßnahmen, wie die in Australien, könnten tatsächlich zeigen, dass es anders ist. Dieser Meinung ist zumindest der australische Krypto-Autor für Forbes James Nguyen.

Nguyen erklärt, wie Australien Zeit und Mühe investiert habe, um neue Gesetze für eine neue Technologie zu entwickeln. Das zeige erstens, dass sich Kryptowährungen so schnell bewegen, dass sie über die alten Regulierungen hinausgewachsen sind. Und zweitens, dass Australien eine aktive Gesetzgebung für etwas als notwendig erachtet, von dem das Land prognostiziert, dass es nicht verschwinden wird:

"Mit der Investition von Ressourcen in Forschung und in eine neue Gesetzgebung zeigt Australiens Regierung sein Engagement für die gefühlte Langlebigkeit von Kryptowährungen, Und es versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Die Regierung ist dafür verantwortlich, ihre Mitglieder zu schützen, und mit der Änderung der Gesetzgebung dahingehend, dass Kryptowährungen einbezogen werden, anstatt verboten zu werden, signalisiert sie, dass sie von der Zukunft für die Vermögenswertklasse jenseits der aktuellen Überschwänglichkeit des Marktes überzeugt ist."

Gutes Klima

Vorbei sind die Zeiten, in denen Regulierungen nur deshalb zaghaft eingeführt und gemieden werden, weil sie eine übertriebene finanzielle Freiheit einschränken. Banken haben oft versucht, Bitcoin zu Fall zu bringen, weil sie befürchten, dass die Kryptowährung ihr Geschäft zerstören. Das versuchten sie, indem sie Regulierungen als Waffe einsetzten.

Wenn Kryptowährungen Mainstream und Adoptiv sein und die finanzielle Revolution herbeiführen sollen, die viele Leute für möglich halten, werden sie dabei viel weiter gehen, wenn sie das legal tun können.

Ryan Taylor, der CEO von Dash, einer berühmten Kryptowährung, deren Ziel es ist, sich weltweit als schnelles Zahlungssystem zu etablieren, glaubt, dass die Industrie, so wie sie aktuell ist, eine Kryptowährungsregulierung möchte. Und nun, da Börsen in Australien jetzt Richtlinien haben, kann es keine Verwirrung mehr geben.

Dash ist zwar in den USA ansässig und hat eine starke Präsenz in Europa, wo sich viele Hauptnoden befinden. Doch eine positive Kryptowährungsregulierung spielt weltweit eine große Rolle, da digitale Währungen globale Systeme sind.

"Das sind die Know-Your-Customer (KYC)- und AML-Regeln, die wir schon in anderen Märkten, wie zum Beispiel den USA, haben. Das Positive bei dieser Bekanntgabe ist, dass die australischen Behörden für mehr Regulierungssicherheit sorgen, indem sie die genaue Regulierungsbehörde benennen, mit der sich die Kryptowährungsbörsen von nun an auseinandersetzen müssen. Es wird interessant zu sehen, was in den nächsten sechs Monaten passiert, wenn der australische Markt zu diesem neuen regulatorischen Regime übergeht."

"Als Branche haben wir eine klare Regulierung für Börsen und einen guten Glauben bei der Umsetzung dieser Veränderungen gefordert. Diese Regelung scheint in diese Richtung zu gehen, aber wir können das erst vollständig beurteilen, wenn sie umgesetzt wurde."

Obwohl Australien nur ein Land ist, kann ein Land, das eine Führungsrolle übernimmt, einen Präzedenzfall schaffen. Aber dass andere diesem Beispiel folgen, muss nicht unbedingt passieren. Das hat sich beim G20-Gipfel gezeigt, als es hieß, dass an zu einer allgemeinen Einigung hinsichtlich der Regulierungen kommen müssen. Doch Brasilien hat sofort signalisiert, dass das Land wahrscheinlich nicht den Empfehlungen der G20 folgen werde, wenn diese im Juli diesen Jahres bekannt gegeben werden.

Arnold Spencer, allgemeiner Berater bei Coinsource und ehemaliger Anwalt des US-Justizministeriums, sieht das ebenfalls als eine positive Entwicklung, die von einem Land ausgeht. Er ist aber nicht davon überzeugt, dass das schon alles war.

"Australiens neue Regulierungen spiegeln breitere Trends wider. Länder auf der ganzen Welt überwachen zunehmend Unternehmen und deren Kunden, die digitale Währungen kaufen und verkaufen, um gegen Geldwäsche vorzugehen. Regulierungen wie diese werden zu einer weitgehenden Akzeptanz führen."

"Leider ist das alles nur eine Reaktion. All diese neuen Anstrengungen, digitale Währungsregulierungen einzuführen, sind Fragmente. Ein Land führt Regulierungen für Börsen ein. Ein anderes Land wendet Richtlinien für ICOs an. Ein drittes Land verabschiedet neue Steuerrichtlinien. Aber niemand scheint eine umfassende, zukunftsorientierte digitale Währungsstrategie zu haben."

Australien ist der Meinung, dass in Kryptowährungen viel Potenzial steckt.  Durch die Einbeziehung von Blockchain, sowie finanzielle Upgrades mit digitalen Token, ist das Land fast schon der "Erste auf dem Markt". Die Australier sollten ihre Regulierungen früher in Kraft setzen. Denn damit können sie ein System entwickeln, das für sie funktioniert und eines, das allen anderen, die noch unentschlossen sind, voraus ist.