New York Times: Facebook arbeitet an geheimer Kryptowährung

Facebook möchte mit seinem streng geheimen Krypto-Projekt „da ansetzen, wo Bitcoin gescheitert ist“, wie es in einem Artikel der New York Times heißt, der am 28. Februar veröffentlicht wurde.

Unter Berufung auf anonyme Quellen skizziert die New York Times das Projekt, bei dem angeblich geplant ist, ein Krypto-Zahlungssystem in den firmeneigenen Messenger-Service zu implementieren.

Im Zuge dessen will der Facebook Konzern wohl seine drei großen Messenger-Dienste — WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram — umstrukturieren und zusammenfassen. Die kombinierte Reichweite der drei Dienste beträgt zusammen 2,7 Mrd. Nutzer weltweit, wodurch ein darin verbauter Krypto-Token ein enormes Maß an Aufmerksamkeit erhalten würde.

Die Idee, ein Krypto-Zahlungssystem in einen Messenger-Service zu integrieren, ist derzeit auch bei ähnlichen Diensten ein heißes Eisen, so arbeitet zum Beispiel der südkoreanische Internet-Riese Kakao an einem ähnlichen Projekt, genau wie das russische Telegram.

Die Messenger-App Telegram konnte im vergangenen Jahr sogar 1,7 Mrd. US-Dollar Investitionskapital durch zwei verschiedene Initial Coin Offerings (ICO) generieren, um damit die Arbeit an einer Blockchain-Plattform namens Telegram Open Network (TON) zu finanzieren.

Laut New York Times wird das Facebook Krypto-Projekt vom ehemaligen PayPal Präsidenten David Marcus angeführt. Dafür wurden bisher schon mehr als 50 Entwickler eingestellt, wie die anonymen Quellen gegenüber der New York Times bestätigten, allerdings unterliegt das Projekt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Die Krypto-Abteilung arbeitet deshalb getrennt vom Rest des Unternehmens, lediglich autorisierte Personen haben Zugang zu den entsprechenden Räumlichkeiten.

Des Weiteren geben die Quellen an, dass zunächst ein Facebook Stablecoin entwickelt werden soll, der an drei verschiedene Nationalwährungen angebunden ist, statt nur an eine, wie sonst üblich. Ein Stablecoin ist ein digitaler Coin, der seine namensgebende Stabilität durch Anbindung an ein wenig schwankendes Anlagemittel erhält, wie zum Beispiel eine Nationalwährung. Stablecoins eignen sich wegen der geringen Volatilität besonders als Zahlungsmittel.

Die New York Times schreibt dahingehend, dass das Unternehmen seinen „Facebook Coin“ wohl schon mehreren Kryptobörsen vorgestellt haben soll, um ein etwaiges Interesse abzuschätzen.

Allerdings weist die Times auch darauf hin, dass derzeit noch offen ist, welchen Grad an Zentralisierung der Coin letztendlich haben wird. Sollte der Coin vollständig unter zentraler Kontrolle von Facebook sein, würden alle Vorteile eines Blockchain-Systems wegfallen. Falls der Coin aber tatsächlich dezentralisiert operiert, werden sich hingegen die gleichen Probleme auftun, von denen auch die anderen Kryptowährungen betroffen sind, besonders Bitcoin (BTC).

Schon im Dezember 2018 hatte es erste Gerüchte über eine Kryptowährung für WhatsApp gegeben. Damals hieß es ebenfalls, dass höchstwahrscheinlich mit einem Stablecoin zu rechnen ist.

Die von den anonymen Quellen angegebenen Informationen decken sich mit den Stellenanzeigen, die Facebook im vergangenen Jahr geschaltet hatte, wie Cointelegraph berichtete. Damit wird die Glaubwürdigkeit der Aussagen zumindest in Teilen bestätigt.