Der Fiskus klopft nun an der Tür des Kryptomarktes

Als Bitcoin noch tief im Untergrund in der Welt der Technologie und dem Darkweb vergraben war, wurde er weder als Bedrohung noch als seriös von den Mächtigen angesehen. Aber er hat ziemlich schnell bewiesen, dass viele im Mainstream falsch lagen, da seine Beliebtheit und sein Kurs rapide angestiegen sind.

Beide Faktoren haben Regulierungsbehörden und Regierungen dazu veranlasst, aufzuhorchen und Kenntnis davon zu nehmen. Aber es ist mehr als nur das: Er hat sie dazu gezwungen, auf ihn zu reagieren. Regulierungsbehörden ziehen tatsächlich mit dem Bitcoin mit, da immer mehr harte Herangehensweisen in die Schlagzeilen kommen. Es scheint nun so, als ob auch die Steuerbehörden nun dieses schnelle und überwiegend anonyme Geldsystem und wachsenden Anlagegegenstand in Angriff nehmen.

Tod und Steuern

Man muss wohl kaum fragen, warum der Fiskus nun gerne an die Tür der Bitcoin-Community klopfen möchte. Die Kraft hinter dieser Digitalwährung und anderen hat Investoren riesigen Wachstum und Wohlstand gebracht. Ein Wohlstand, der bis jetzt weitgehend unberührt blieb.

Die Geldmenge, das Wachstum und die Gewinne bei Investitionen bedeuten, dass es durchaus Raum für die Regierung gibt, um ihren Anteil einzufordern. Aber die Methoden, um das zu tun, sind in der Grauzone der Kryptoverdienste viel schwieriger anzuwenden. Unter normalen Umständen sind Banken und andere zentralisierte Finanzinstitutionen verpflichtet Finanzen an Steuerbehörden offenzulegen. Doch dasselbe gilt nicht für Bitcoin. Es besteht zurzeit keine Verpflichtung für Börsen, Nutzerinformationen offenzulegen. Es ist tatsächlich sogar in den meisten Fällen verfassungswidrig, wie die US-Steuerbehörde IRS erfahren musste, als sie Daten angefordert hat und vor Gericht nicht damit durchgekommen ist.

Außerdem bietet Blockchain ein transparentes Fenster zu Wallet-Adressen und Transaktionen, aber mit anonymen Identitäten haben diese keinen nutzen für jemanden, der versucht, den Besitzer des Geldes und sein jeweiliges Wachstum zu ermitteln. Das ist auch ein Grund dafür, dass es eine weitläufige Angst vor Geldwäsche in der Bitcoin-Welt gibt.

Wie es gemacht wird - von den USA bis Australien

Angesichts der Schwierigkeiten bei der Erfassung von Bitcoin-Anlagegegenständen versuchen verschiedene Länder unterschiedliche Methoden, um eine Steuer auf die Gewinne von Bitcoin-Investoren zu erheben. Das IRS zum Beispiel hat es damit versucht, Leute freundlich zu bitten, dass sie ihre Steuern angeben und nur 802 sind dieser Bitte nachgekommen. Der Rest hat nur kurz gelacht und ist im Schatten geblieben.

In Australien hat die Regierung beschlossen, dass Kryptowährungen eine "Form von Besitz" sind und daher heißt es: " Jeglicher finanzielle Gewinn aus Bitcoinverkäufen steht allgemein unter der Kapitalertragssteuer (CGT) und muss der australischen Steuerbehörde gemeldet werden", sagte ein Sprecher der Steuerbehörde.

Das ist zwar noch eine Grauzone, doch es wurden Warnungen ausgesprochen. Die australische Steuerbehörde hat gewarnt, dass sie nach Anzeichen für Krypto-Steuersünder Ausschau hält, die über ihren eigenen Verhältnissen leben:

"Die australische Steuerbehörde ist da, um denjenigen zu helfen, die ihrer Steuerpflicht aufrichtig nachkommen. Doch wir werden hart bei Leuten durchgreifen, die bewusst versuchen, dieser Steuerpflicht zu entgehen."

Darunter fällt auch die Nutzung "von einer Reihe von bestehenden Befugnissen", die verwendet werden, um "unerklärten Reichtum und auffälliges Konsumverhalten, die durch Gewinne aus Kryptowährungsinvestitionen hervorgegangen sein könnten" in Angriff zu nehmen.

Die südafrikanische Steuerbehörde (SARS) hat im Dezember letzten Jahres gesagt, dass sie Wege erforscht, um Kryptohandel zu verfolgen. Die Hoffnung dabei ist es, Steuervermeidung zu erkennen. In der Zwischenzeit versucht sie selbst eine Richtlinie für Bürger zur Versteuerung von Kryptowährungen zu erstellen. Das stellt einen ersten Vorstoß in die Richtung dar, die Gewinne zu kontrollieren. Asheer Jaywant Ram, der leitende Dozent in der Buchhaltungsschule der Universität von Witwatersrand, hat es so formuliert:

"Ich denke, dass das Interesse und der Raum für die SARS groß genug ist, um sich diesen Bereich mal anzusehen. Aber jetzt stellt man sich die Frage, ob sie tatsächlich akzeptieren, dass Steuerzahler ihre Gewinne als Kapitalertrag deklarieren oder sagen die einfach, dass das alles im Wesentlichen Einkommen ist?"

Einkommen oder Kapital?

Das ist eine Schlüsselfrage, der viele Länder sich stellen werden müssen. Wenn es nämlich als Einkommen anstatt als Kapital versteuert wird, würde das einen höheren Steuersatz geben. Zu beweisen, dass es tatsächlich ein Langzeit-Investment war und daher unter die Kapitalsteuer fällt, ist viel schwieriger in dem schnellebigen Ökosystem, das Bitcoin darstellt. Ram fügt hinzu:

"Derartige Diskussionen über das Wesen von Bitcoin - ich denke schon, dass sie kommen werden - und ich glaube, dass es sehr interessant sein wird, zu sehen, was bei diesen Diskussionen herauskommt."

Es liegt im Wesen der Kryptowährungen, dass sie, wenn sie im Mainstream stärker emporkommen, auch unter genauerer Beobachtung und Regulierung stehen werden. Blockchain und Kryptowährungen sind zwar störende Kräfte und erschrecken schon lange bestehende Institutionen, wie zum Beispiel Banken, aber es ist wohl kaum anzunehmen, dass sie die Steuer ewig vermeiden können. Es wäre sinnvoller einen Kompromiss zwischen Steuerbehörden und Kryptoinvestoren zu finden, damit nicht noch größere Probleme auf diesem Weg auftreten.