Warum sollte Südkorea die Legalisierung von ICOs verfolgen?

Letzte Woche hatte die Korea Times, ein Massenmedium, das von der größten Zeitung des Landes Hankook Ilbo gegründet wurde, berichtet, wie eine Quelle aus Regierungskreisen über die Pläne lokaler Finanzautoritäten sprach, in der Zukunft Initial Coin Offerings (ICOs) zu legalisieren.

"Die Finanzbehörden haben mit der Steuerbehörde des Landes, dem Justizministerium und anderen relevanten Regierungsbehörden gesprochen, um ICOs in Korea zu genehmigen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden", sagte eine unbenannte Quelle gegenüber der Korea Times, die aufgrund der Sensibilität des Information anonym bleiben möchte.

Bedenken hinsichtlich des Anlegerschutzes

Kürzlich hatte Choi Jong-ku, der Geschäftsführer der Kommission für Finanzdienstleistungen (FSC) seine Bedenken gegenüber innerstaatlichen ICOs geäußert und nennt dabei speziell die hohen Risiken für Investoren auf den Kryptowährungs-Markt.

In einer Konferenz im Regierungsgebäude in Seoul sagte der Vorsitzende der FSC, dass die Agentur weiterhin skeptisch sei, was die aktuellen Maßnahmen zum Anlegerschutz betreffe. Chois Statement wurde vom Cointelegraph folgendermaßen übersetzt:

"Es besteht die Möglichkeit, dass während der Kreation und Ausgabe einer neuen digitalen Währung durch ein ICO verschiedene Schneeballsysteme und Betrugsoperationen entstehen können. Die Agentur behält ihre negative Haltung gegenüber den derzeit auf dem lokalen Kryptowährungsmarkt geltenden Anlegerschutzmaßnahmen bei. "

Trotz der Bedenken der FSC haben diverse Regierungsquellen der Korea Times gegenüber zu Protokoll gegeben, dass Finanzautoritäten versuchen, innerstaatliche ICOs zu legalisieren, indem sie strenge Know-Your-Customer- (KYC) und Anti-Geldwäsche-Systeme (AML) sowie neue Steuerpolitiken für Investoren einführen.

Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde (SEC) und Südkorea sind sich einig

Im Grunde ist die südkoreanische Regierung bereit, Unternehmen ein ICOs zu genehmigen, solange der Token-Verkauf bei der Regierung registriert wird, wie es auch die US-Wertpapieraufsichtsbehörde (SEC) fordert.

Im Dezember hatte die amerikanische SEC angegeben, dass private ICOs in den USA durchgeführt werden dürfen, wenn sie sich an lokale Investoren richten und bei der Agentur registriert sind. Am dem Zeitpunkt gab die SEC an, dass keine ICOs bei ihr registriert seien und dass keine ICOs US-amerikanische Investoren aufnehmen dürften.

"In Bezug auf die Kryptowährungs- und ICO-Märkte wurde eine Reihe von Bedenken geäußert, einschließlich der Tatsache, dass der Anlegerschutz derzeit erheblich geringer ist als in unseren traditionellen Wertpapiermärkten, was zu größeren Betrugs- und Manipulationsmöglichkeiten führt. Investoren sollten verstehen, das bisher keine Initial Coin Offerings bei der SEC registriert wurden. Die SEC hat bisher auch nicht genehmigt, börsengehandelte Produkte (wie ETFs), die Kryptowährungen oder andere Vermögensanlagen im Zusammenhang mit Kryptowährungen halten, zu notieren und zu handeln", sagte die SEC.

Trotzdem hat sie ICOs nicht komplett abgeschrieben. Das Vorstandsmitglied Jay Clayton sagte in einer Krypto-Anhörung, dass jedes ICO einen Wertpapierverkauf dastelle, da der Wert der Token direkt von der Performance des herausgebendenUnternehmens abhängt, wie der Cointelegraph bereits berichtete.

Zurzeit ist sich die südkoreanische Regierung mit der amerikansichen Börsenaufsichtbehörde einig darin, dass sie bei lokalen Finanzautoritäten registrierte ICOs genehmigt, wenn diese transparent durchgeführt werden. Andere unbenannte Quellen innerhalb der Regierung sagten der Korea Times:

"Verschiedene Szenarien wie die Einführung einer Mehrwertsteuer, einer Kapitalertragsteuer oder beides auf den Handel; und die Erhebung von Körperschaftssteuer von lokalen Kryptowährungsbörsen, sowie die Initiierung von autorisierten Börsen mit Lizenzen werden diskutiert."

Kang Young-soo, Direktor der Abteilung für Kryptowährungspolitik bei der FSC, bestätigte, dass es Spekulationen über die mögliche Legalisierung von ICOs gibt. Er sagte:

"Es gibt viele Spekulationen über die Möglichkeit, ICOs zuzulassen. Die FSC hat eine Sichtweise einer dritten Partei in Bezug auf das Thema anerkannt, aber es gibt nichts, was wir im Moment offiziell sagen können."

Gründe für die ICO-Legalisierung

Am 5. März enthüllten mehrere Mainstream-Medien in Südkorea, darunter Asia Business und die Huffington Post Korea , dass Kakao, der größte Internet-Konglomerat des Landes, welches die Anwendungen KakaoTalk, KakaoPay, KakaoStory und KakaoTaxi kontrolliert, sich auf die Integration von Kryptowährungen für ihre 12.000 Händler und über 100 Millionen Nutzer konzentriere. Die Applikationen, die in ihren jeweiligen Märkten über 90 der Aktivität abdecken, werden unter anderen in den Bereichen, Taxiservices, Nachrichten und Social Media eingesetzt.

Kakao plant laut Angaben, Kryptowährungen in all seine Applikationen zu integrieren, was den Nutzern von KakaoPay das Senden und Empfangen von Krypto ermöglichen würde, sowie das Bezahlen für Dienstleistungen auf Plattformen wie KakaoTaxi. Kakao enthüllte auch seine Pläne für ein ICO und den Verkauf eigener Token.

Allerdings gibt Asia Business an, dass Kakao aufgrund der aktuellen Regelungen für innerstaatliche ICOs plant, seines außerhalb von Südkorea durchzuführen, um die lokalen Politiken zu umgehen.

Sollte Kakao sein ICO an einem anderen Standort abhalten und sein Blockchain-Geschäft außer Landes schaffen, bedeutet dies einen substantiellen Verlust für die Wirtschaft Südkoreas, speziell im Blockchain-Sektor. Es könnte zu einem Domino-Effekt kommen und andere Blockchain-Starups inspirieren, ihre Geschäfte aus Südkorea heraus zu verlagern.

Unmittelbar nachdem Berichte über die Pläne von Kakao bekannt wurden, ein ICO außerhalb des Landes zu starten, erklärte der Vorsitzende der FSC Choi, dass ein ICO von Kakao möglicherweise gegen die von der lokalen Regierung erlassenen Vorschriften verstößt.

"Selbst wenn es kein Verbot für Kryptowährung oder den Handel mit digitalen Vermögenswerten gibt, besteht die Möglichkeit, dass [das Kakao-ICO] je nach Verkaufsmethode als Betrug oder als mehrstufiger Verkauf angesehen wird. Da das Risiko im Bezug auf den Anlegerschutz sehr hoch ist, hat die Regierung eine negative Sichtweise auf ICOs."

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die südkoreanische Regierung die Legalisierung von ICOs vorantreibt, um zu verhindern, dass die führenden Konglomerate des Landes Südkorea verlassen, was den lokalen Blockchain-Sektor und die Kryptowährungsindustrie schädigen würde. 

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