ABN AMRO: Verwicklung in Geldwäscheskandal

Nachdem sie Anfang des Jahres lautstark vor den Risiken ungeregelter Kryptowährungen gewarnt hatte, steht die niederländische Bank ABN Amro NV nun im Mittelpunkt eines großen Geldwäscheskandals.

Am 26. September berichtete Bloomberg über eine strafrechtliche Ermittlung im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die Bank. Dabei soll die Bank verdächtige Transaktionen nicht gemeldet und ihre Kunden nicht angemessen geprüft haben. ABN AMRO - die nach einer kostspieligen Rettung nach wie vor zu über 50 Prozent dem Staat gehört -  verzeichnete auf der Amsterdamer Börse einen Aktienrückgang um bis zu 10,3 Prozent. 

Das ist der höchste Rückgang seit Juni 2016. Die Additional-Tier-1-Anleihen der Bank sind dabei in den letzten sechs Monaten am stärksten gefallen, wie Bloomberg erklärte.

Ermittlungen im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung

Die niederländische Staatsanwaltschaft teilte außerdem mit, dass gegen ABN AMRO nicht nur wegen der mutmaßlichen Compliance-Verstöße, sondern auch im Zusammenhang mit den niederländischen Gesetzen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ermittelt werde. Genaue Einzelheiten zur Ermittlung wurden nicht bekannt gegeben.

Nach einer Warnung der niederländischen Zentralbank hatte ABN AMRO im Juli dieses Jahres angekündigt, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht bei allen ihren 5 Millionen Privatkunden besser nachkommen müsse. 

Sie hat 220 Mio. Euro ausgegeben, um ihre Prozesse im Privatkundengeschäft, im Kreditkartengeschäft und im Darlehengeschäft mit kleinen Unternehmen zu verbessern. Im zweiten Quartal hat sie zusätzlich zu den 85 Mio. Euro im Jahr 2018 noch 114 Mio. Euro für Überprüfungen bereitgestellt. Die Bank hatte angedeutet, dass ihr Sanktionen von Behörden drohen könnten, erklärte, dass sie sich nicht auf eine mögliche Geldstrafe vorbereiten könne, da der Betrag zu diesem Zeitpunkt nicht geschätzt werden könne.

Wie die Financial Times berichtete, hat ABN AMRO auch seine Belegschaft auf über 1.400 verdreifacht, besonders in den Bereichen Compliance, Finanzkriminalität und Geldwäsche.

Diese Situation gefährdet die Zusage der niederländischen Regierung, ihre 56-prozentige Beteiligung an der Bank schließlich zu verkaufen. Die Unsicherheit wird durch die Ankündigung des CEO Kees van Dijkhuizen, dass er nach Ablauf seiner Amtszeit im April 2020 gehen möchte, noch verstärkt.

ABN AMROs Konkurrent, die ING Group, hat im vergangenen Jahr eine Rekordstrafe für "schwerwiegende Mängel" bei der Prävention von Finanzkriminalität bezahlen müssen. Jahrelang hat sie dabei Geldwäsche über ihre Konten ermöglicht.

Banken im Visier von Untersuchungen

Kurz zuvor gab es einen Skandal um eine Filiale der Danske Bank in Estland, deren ehemaliger Chef Anfang der Woche tot aufgefunden wurde. Er war Zeuge im Zusammenhang mit einer großen Geldwäscheuntersuchung in dieser Filiale.

Auch diese Woche haben Strafverfolgungsbeamte in dieser Woche eine Razzia bei der Deutschen Bank AG im Zusammenhang mit dem Danske-Bank-Skandal durchgeführt.

Im Mai dieses Jahres enthüllte der leitende Pressesprecher von ABN AMRO, dass die Bank ihre Pläne zur Einführung einer depotführenden Bitcoin (BTC)-Wallet einstellen würde. Er hat abschließend erklärt, Kryptowährungen seien "aufgrund ihrer unregulierten Natur derzeit zu riskante Vermögenswerte für unsere Kunden".