Australische Zentralbank: In absehbarer Zeit keine weitläufige Krypto-Verwendung

Kryptowährungen werden in Australien keine weitläufige Verbreitung finden, solange das lokale Finanzsystem effizient funktioniert, so die australische Zentralbank RBA in einem offiziellen Dokument vom 20. Juni.

Der Mitteilung zufolge, die von Analysten der RBA-Abteilung für Zahlungen verfasst wurde, sei es aus mehreren Gründen "eher unwahrscheinlich, dass Kryptowährungen in absehbarer Zeit für Zahlungen in großen Umfang in Australien verwendet werden".

In dem Dokument erklärten die Autoren das sogenannte "Skalierbarkeitstrilemma". Das bedeutet, dass Krypto bestenfalls zwei der drei Grundfunktionen erfüllen kann. Diese seien Dezentralisierung, Skalierbarkeit und Sicherheit. Es wurde darin auch erklärt, dass Kryptos immer einige der Funktionen in irgendeiner Weise fehlen würden. Das mache diese Art von Vermögenswert weniger attraktiv. Im Dokument heißt es:

"In der Praxis sind diese Abstriche von großer Bedeutung; Eine Verbesserung der Skalierbarkeit bei einer Blockchain erfordert nicht, dass sie völlig zentralisiert oder unsicher wird, sondern zentralisierter oder unsicherer."

Ein weiteres Hindernis für eine weitläufige Akzeptanz von Kryptowährungen ist die stärkere Volatilität, so die RBA in dem Dokument. In diesem Zusammenhang nannten die Autoren auch das viel diskutierte Krypto-Projekt des Social-Media-Riesen Facebook, das am 18. Juni offiziell bekanntgegeben wurde, als Beispiel. Der Libra von Facebook wurde als Stablecoin konzipiert, der durch Fiatwährungen gestützt wird. Den Autoren zufolge soll er das Volatilitätsproblem lösen, allerdings sei dieser nicht dezentralisiert, da er an eine zentrale Stelle gebunden ist, die die Vermögenswerte kauft und verwaltet, die den Stablecoin stützen.

In dem Dokument nannte die RBA einige Fälle, in denen die Ausgabe eines Stablecoin in Australien versucht wurde. Sie behauptete, dass die Verwendung von Stablecoins für Zahlungen "sehr begrenzt" gewesen sei, genau wie das "Angebot an Stablecoins, die an den australischen Dollar gebunden sind". Die Finanzbehörde erwähnte auch AUDRamp, den ersten Stablecoin, der an den australischen Dollar gebunden ist. Dieser kam im September 2018 auf den Markt, verlor aber nach der Ausgabe von 137 Token vollständig seinen Wert. Die Autoren sprach auch den im April 2019 von TrustToken herausgebrachten Stablecoin TrueAUD an. Sie behauptete, dass bis heute "wohl keine Token ausgegeben" worden seien.

Die RBA-Autoren kamen zu dem Schluss, dass Kryptowährungen nicht ausreichend entwickelt seien, um ein "überzeugendes Angebot, das zu einer weitläufigen Verwendung in Australien führen würde", zu bieten. Dies würde auch so bleiben, solange der australische Dollar einen "zuverlässigen Wertspeicher mit niedriger Inflationsrate" biete. Sie erklärten:

"Die bisherigen Entwicklungen haben nicht wesentlich zur allgemeinen Zuverlässigkeit, Funktionalität und Glaubwürdigkeit von Kryptowährungen beigetragen, um sie zu einer attraktiven Alternative zu etablierten Zahlungssystemen für den täglichen Zahlungsverkehr für die Bevölkerung zu machen."

Vor kurzem veröffentlichte die australische Wertpapieraufsichtsbehörde neue Richtlinien für Initial Coin Offerings und Kryptowährungen. Darin werden Kryptowährungen als Finanzprodukt betrachtet. Daher sind die Beteiligten dazu verpflichtet, eine australische Finanzdienstleistungslizenz einzuholen.