Ameer Rosic von Blockgeek: "Jeder ist schlau genug, um mit Krypto Geld zu verdienen oder zu verlieren"

Dieses Interview wurde bearbeitet, gekürzt und aus dem Englischen übersetzt.

Ameer Rosic, ein Serienentrepreneur und Gründer des Online-Blockchain-Hubs Blockgeeks, erzählte uns in einem Interview bei der diesjährigen BlockShow Europe 2018, warum er der Meinung ist, dass die Möglichkeit zur Investition in Krypto der Allgemeinheit offen stehen sollen und was es benötigt, um eine weitreichende Blockchain-Adaption voranzutreiben.

Molly Jane: Wie hat es angefangen, dass Sie sich für Krypto und die Blockchain-Sphäre interessieren?

Ameer Rosic: Ich bin mein ganzes Leben ein Serienunternehmer gewesen. Ich bin schon seit vier oder fünf Jahren mit der Blockchain-Sphäre involviert, noch bevor der derzeitige ICO-Hype aufkam. In den letzten zwei Jahren habe ich mich auf die Erschaffung von Blockgeeks konzentriert. Und was Blockgeeks macht, ist, dass wie Entwickler online trainieren. Es ist eine agnostische Plattform, wir bieten C++-Training, Cosmos, Rootstock, EOS - im Grunde machen wir so ziemlich alles. Wir helfen Ihnen, als Entwickler einen Fuß in die Blockchain-Sphäre zu setzen.

MJ: Blockchain ist in der letzten Zeit ein wenig zu einem Buzzword verkommen. Was glauben Sie, wie die reale Blockchain-Adaption vorangetrieben werden kann?

AR: Ich glaube nicht, dass eine Einzelperson dafür sorgen kann oder aktuelle Trends aufhalten kann.

Es gibt ein Buddha-Sprichwort, das besagt: "Es ist, wie es sein soll." Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Es gibt zwei, beziehungsweise drei, unterschiedliche Welten hier drin. Es gibt den Open-Source-Ethos, die Cypherpunks - die originalen, die sich für Verschlüsselung interessieren, die wirklich darauf Wert legen, etwas zu erschaffen, dass ehrlich dezentralisiert ist. Und dann gibt es die Ethereum-(ETH)-Meute. Naja, das sind immer noch Cypherpunks, die sich für Dezentralisierung interessieren, aber sie zerbrechen Dinge schneller, experimentieren mehr. Und dann gibt es alles zusammen. Wir haben ICOs, dann eben private Blockchains. Diese sind Erlaubnis-bedingte Blockchains, egal ob sie für Unternehmen, für Lieferketten usw. genutzt werden. Ob wir sagen dürfen, ob das gut oder schlecht ist - ich denke, es ist, wie es ist. Ich denke, je mehr Menschen involviert sind, desto mittelmäßiger der Informationsgehalt, mehr Entropie, mehr Feedback-Schleifensysteme und durch diesen Prozess werden wir herausfinden, was funktioniert und was nicht. Wer weiß, wo wir in den nächsten Jahren landen werden.

MJ: Glauben Sie, dass einige Kryptowährungen durch ihre ICOs in dem aktuellen Umfeld sich entwickelnder Krypto-Regulierungen jetzt als Wertpapiere klassifiziert werden?

AR: Ja, die SEC hat ihre Statements dazu veröffentlicht... Sie wissen ja, es gibt schwammige Statements und es gibt handfeste Gesetzgebungen - das sind zwei unterschiedliche Dinge. Das letzte Meeting hat mit einer tatsächlich sehr positiven Note geendet: Es wurde weder schwarz noch weiß gesagt, ob es sich um Wertpapiere oder nicht-Wertpapiere handeln wird. Es könnte ab einem Punkt variierende Klassifizierungen geben, ein Wertpapier wird zu einem nicht-Wertpapier, oder umgekehrt. Ich denke, sie versuchen eine neue Hybrid-Version des Howey-Tests zu begreifen - der originale Wertpapiertest - denn das Original ist auf die heutige Welt nicht mehr anwendbar.

Aber ich denke, wir werden innerhalb des nächsten Jahres etwas hören - oder eine legale Gesetzgebung erhalten.

Ich bin mir sicher, dass die SEC gerne mit einer finalen Bewertung darüber auftreten möchte, was in ihren Augen ein Token "sein, oder nicht sein" soll.

MJ: Da Sie seit Langem in der Krypto-Sphäre verkehren, wie haben Sie beobachten können, dass sich die Sphäre, die Spieler und das öffentliche Interesse mit der Zeit weiterentwickelt hat?

AR: Etwa vor 2017 war alles sehr fokussiert auf "reale" Geschäfte. Es gab den Fokus auf Verschlüsselungen, Techniken, einen Fokus auf die wahre Ethik hinter Blockchain. Nach - oder während - dem ICO-Hype, ging das unter, denn es wurde angenommen, dass Leute auf diesen Plattformen bauen. Was ein eine große Annahme ist - und nicht der Fall, denn tatsächlich baut nur eine sehr begrenzte Anzahl an Menschen etwas auf Basis dieser Protokolle auf.

Ich denke, dass grade im Augenblick Gier ein großer Faktor ist und viele Leute sehen eine Gelegenheit, Geld zu sammeln, das sie vorher nicht aufbringen konnten.

Gegenüber ICOs bin ich auf kurze Zeit kein Fan - langfristig gesehen auf jeden Fall.

Es gibt die technische Hürde, die es zu überwinden gilt und die legale Hürde, die überwunden werden muss. Mit "legal" meine ich, dass die Idee hinter Blockchain jene ist, das Investieren zu demokratisieren.

MJ: Dann finden Sie, Investments in Kryptowährungen sollten jedem möglich sein?

AR: Ich hasse die Tatsache, dass meine Mutter Millionen von Dollar in einem Casino ausgeben kann, das im Endeffekt auf Token basiert, sich ein Lotterie-Tickets kaufen gehen kann und Millionen beim Lotto-Spielen ausgeben kann - aber Gott behüte! - Es wird gesagt, sie sei zu dumm, um in ein Unternehmen zu investieren.

Wenn verbriefte Token ausgegeben werden, oder die Blockchain verbrieft werden soll, passt das zu dem ganzen Zweck dahinter. Nochmal, ich bin ein akkreditierter Investor, ich hasse diese Rolle. Ich hasse es absolut, dass nur ich in der Lage sein soll, zu investieren.

Jeder ist schlau genug, Geld zu verdienen oder zu verlieren.

Von daher werden wir auch in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Fokus auf der Technologie sehen. Alle Regulationen können in Kraft getreten sein, aber das Grundproblem bleibt, dass die Technologie weiterhin naiv ist, richtig? Sie ist immernoch sehr neu. Wir haben noch ein paar Jahre Zeit, die Protokolle zu bauen - sei es Ethereum, EOS, Rootstock, Cosmos, Polkadot im nächsten Jahr. Es sind alles große Theorien. Und Theorien wurden noch nie aus dem Markt geworfen und wurden bisher auch keinem großartigen Stresstest unterzogen.

Denken Sie drüber nach, die Gesamtmarktkapitalisierung mit rund 340,5 Mrd. Euro ist gar nichts. Was passiert, wenn es um Billiarden Euro und multiple Smart Contracts geht und die tatsächlichen Altersvorsogen der Menschen davon abhängen - dann wird es wirklich ernst. Von daher haben wir noch einen weiten Weg vor uns, bis wir legitime Anwendungsfälle der Technologie für ein breites Publikum sehen werden.

MJ: Welche konkreten Schritte müssen in nächster Zeit getan werden, um das zu erreichen? Involviert das ganze Gesetzgebungen?

AR: Nein, ich glaube, es hat nichts mit Gesetzgebungen zu tun, es geht rein um die Technologie. Einen Schritt nach dem anderen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein ICO und lassen Sie uns sagen, ihre Token machen theoretisch Sinn. Sie sind eines der wenigen aus tausenden. Ok, cool. Können Sie 14 Transaktionen pro Sekunde durchführen? Verstehen Sie, was ich meine? Sie können nicht effektiv eine skalierbare Firma aufbauen. Sie sind vollständig abhängig von ihrem Protokoll, unabhängig davon, wohin sie gehen, mit all den unterschiedlichen Plattformen heutzutage. Ich glaube, dass eine Menge Menschen, die heute ein Startup aufbauen wollen, sich auf die Realität konzentrieren müssen, dass die Technologie von heute noch nicht so weit ist.

MJ: Wenn es darum geht, die Technologie skalierbarer zu machen, meinen sie Zweitschichtlösungen wie das Lightning Network?

AR: Ja, eine Zweitschichtlösung ist nötig, ob es das Lightning Network oder Plasma oder ein Proof-of-Stake (PoS) oder ein delegierter Proof-of-Stake (dPoS) wie für EOS ist - ist im Grunde egal. Ich glaube, je mehr es gibt, desto eher können wir beobachten, was funktioniert und was nicht, aber diese Skala an Lösungen ist nötig.

Und auch wenn es dort draußen Leute gibt, die behaupten, ihre Lösung funktioniert auf Papier, heißt das nicht, dass sie im realen Marktumfeld funktioniert.

Kommunismus auf Papier ist perfekt, aber in Realität wissen wir, wohin das führt, richtig?

Von daher denke ich, wir sollten uns wirklich darauf konzentrieren, echte Technologie zu bauen. Sobald eine Grundbasis da ist, kann diese skaliert werden.

MJ: Okay. Vielen Dank, dass Sie ihre Gedanken über Blockchain und Krypto mit uns geteilt und an der Blockshow Europe teilgenommen haben.

AR: Sehr gerne. Ich danke Ihnen!