Expert Take: Lesen Sie nicht zu viel in den G20-Brief des FSB zu Bitcoin hinein

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Die Bitcoin-Markterholung wird Faktor Zeit zugeschrieben, sowie einmal mehr der Tatsache, dass der Finanzstabilitätsrat (FSB), ein wichtiger internationaler regulatorischer Körper, einen Brief an die Finanzminister und Gouverneuer der Zentralbanken der G20-Staaten geschrieben hat, indem es behauptet, dass Bitcoin kein "sytemisches Risiko" sei.  Allgemein wird die Verkündung des FSBs als positives Signal für die Währung aufgenommen und bietet eine Basis für die 1.000+ US-Dollar Sternfahrt des Bitcoins, während weitere Entscheidungen des Treffens der G20-Mitgliedern zum Thema Krypto erwartet werden.

Sollte der Brief des Finanzstabilitätsrates jedoch der Hauptgrund für die Markterholung sein, lesen Händler (viel zu) viel in die Kommentare hinein.

Zunächst wiederholt der FSB lediglich Ansichten, die andere Regulatoren und Agenturen schon seit Jahren vertreten. Im Januar 2016 hatte der International Monetary Fund (IMF) in einem Bericht geschrieben, virtuelle Währungen "stellen kein systemischen Risiko für die finanzielle Stabilität dar - aufgrund ihre geringen Skala und der eingeschränkten Verlinkung mit Finanzsystemen."  Ebenso haben US-Aufsichtsbehörden via den Dodd-Frank-Mandat des Financial Stability Oversight Councils anerkannt, dass virtuelle Währungen nur von einer "sehr kleinen" Anzahl von Verbrauchern genutzt werden und ihre Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzsysteme derzeit "wahrscheinlich begrenzt" ist.  Beizeiten hatten sogar Skeptiker der Bank of England angemerkt, dass digitale Währungen nur dann ein Risiko darstellen "wenn eine digate Währung einen systemischen Status als Zahlungssystem erreicht". Die allgemeine Implikation war jedoch stets: "An dem Punkt sind wir noch nicht."

Zweitens liegt die eigentliche Aktion des Briefes des FSB, welche für die Koordination internationaler regulatorischer Handlungen zuständig ist, in dem, was der Rat plant zu tun. Tatsächlich gibt der Brief eher eine Vorahnung der zukünftigen Regulationen:

"Crypto-Assets werfen eine Reihe von Fragen im Bezug auf den Verbraucher- und Investorenschutz auf, sowie deren Verwendung zur Verschleierung illegaler Aktivitäten und zur Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. 

Relevante nationale Autoritäten nehmen dieses Problem langsam in Angriff. Aufgrund der globalen Natur der Märkte ist die weiterreichende internationale Koordination gerechtfertigt, unterstützt von internationalen Organisationen wie CPMI, FATF und IOSCO."

Diese Kommentare repräsentieren keine Entspannung der Kryptowährungs-Regulierungen. Stattdessen signalisiert der FSB, dass einige der Bemühungen gegen betrügerische Aktivitäten in den USA jetzt auf einer immer größer werdenen internationalen Ebene implementiert werden. Erwartet wird mehr Koordination bei der Durchführung von Betrugsbekämpfungsmaßnahmen von der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO), einem internationalen Sicherheitskörper unter der Leitung der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (SEC). Es sollte keine Überraschungen geben, falls die Finanzministerien und Schatzämter neue Sicherheitsvorkehrungen über die "Financial Action Task Force" (FATF), das internationale Forum zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, vorantreiben bzw. falls Zentralbanken die globalen Standarte für Clearing- und Abwicklungsvorgänge im Ausschuss für Zahlung- und Marktinfrastrukturen (CPMI) erhöhen.

Die Tatsache, dass die FSB diese Bemerkungen an die G20 richtet, ist ein verfahrensorientierter Schritt zur Vereinfachung des anstehenden G20-Gipfeltreffens, im Zuge dessen man Diskussionen zu einer Reihe von Überwachungsthemen, inklusive Kryptowährungen, führen wird. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen anzunehmen, dass die Arbeit der internationalen Regulierungsbehörden nicht bereits jetzt schon sehr weit fortgeschritten sei - und die Jury ist sich durchaus darüber im Klaren, welche Auswirkungen eine verstärkte Kontrolle auf die Preise für Kryptowährungen und die künftige Marktstrukturen haben werden.

Die Ansichten und Interpretationen in diesem Artikel sind die des Autors und stellen nicht zwangsläufig die Ansichten von Cointelegraph dar.

Chris Brummer ist Professor für Rechtswissenschaften am Law Center der Georgetown University und Direktor des Instituts für Internationales Wirtschaftsrecht.