Bundesfinanzministerium: Staatliche Digitalwährung hat unkalkulierbare Risiken

Das deutsche Bundesfinanzministerium hat in einer Stellungnahme an den grünen Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick das Konzept einer Zentralbank-gesteuerten Digitalwährung (CBDC) als zu riskant bewertet, so das Handelsblatt in einem am 4. Juli erschienenen Artikel.

Demnach wird Deutschland zumindest unter der aktuellen Bundesregierung nicht wie andere Länder eine mögliche Einführung einer CBDC untersuchen.

“Es gibt in Deutschland und der Eurozone bislang keine überzeugenden Gründe für die Emission digitalen Zentralbankgeldes für einen breiten Nutzerkreis“, heißt es in der dem Handelsblatt vorliegenden Stellungnahme.

Dessen potenzielle Vorteile, darunter besonders schnelle Überweisungen, ließen sich auch auf anderem Wege realisieren, schreibt das Ministerium und verweist in Bezug auf die Ausgabe digitalen Zentralbankgelds auf “eine Reihe von Risiken, deren sichere Beherrschung und Begrenzung bislang noch nicht hinreichend verstanden sind”.

Die Notenbank bekäme durch eine staatliche Kryptowährung außerdem eine stärkere Stellung im Finanzsystem, wodurch ihre Unabhängigkeit gefährdet werden könnte, schreibe das Ministerium. Die Beamten fürchteten außerdem, so das Handelsblatt, dass sich in einer Krise ein sogenannter Bankrun mit digitalem Zentralbankgeld wegen geringerer Transaktionskosten schneller und in größerem Umfang vollziehen könnte und die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung erschwert würden.

Im internationalen Vergleich gibt es zum Thema CBDC durchaus ein gemischtes Bild. Die Bank of England etwa kam in einem im Mai veröffentlichten Arbeitspapier zu dem Schluss, dass die Einführung einer CBDC keinen negativen Einfluss auf die Vergabe privater Kredite oder auf die Bereitstellung von Liquidität für die gesamte Wirtschaft hätte. Die norwegische Zentralbank, die Norges Bank, ging in einer fast zeitgleich veröffentlichten Studie sogar soweit, die Idee einer CBDC als Ergänzung zum Bargeld zu empfehlen.