Joseph Lubin: Es gab viele Zweifler an Ethereum, aber es ist ein voller Erfolg geworden

Dieses interview ist bearbeitet und gekürzt.

„ […] Ich traf Joe. Joe ist der Geschäftsführer von ConsenSys und er hat etwas Besonderes an sich, er ist eine inspirierende Figur und hat die Fähigkeit andere Leute für diese Zukunft zu begeistern.“

So hat Ajit Tripathi, einer der Partner bei ConsenSys, Joseph Lubin in einem kürzlichen Interview mit Cointelegraph beschrieben, auf die Frage weshalb er zu ConsenSys gegangen ist.

Der 53-jährige, in Kanada geborene, Unternehmer ist eine der prominentesten Persönlichkeiten in der Blockchain Welt. Er war Mitbegründer von Ethereum, einer dezentralisierten Plattform für Anwendungen (Apps) und hat später ConsenSys gegründet, ein in Brooklyn sitzendes Blockchain Software-Unternehmen.

Sein Leben verbringt Joseph mittlerweile zumeist in Flugzeugen, da er zahlreiche Projekte gleichzeitig managet. Dementsprechend ist sein Terminkalender voll mit Veranstaltungen auf der ganzen Welt, in denen er heftig für Krypto die Werbetrommel rührt. Wie er das schafft? „Nicht schlafen.“

Die Geschichte hinter Ethereum

Bitcoin kam und ab 2012 entwickelte die Sache eine gewisse Dynamik. Auf der ganzen Welt kam Bitcoin-Interessierten die Erkenntnis: „Dies ist ein bedeutsamer Durchbruch für elektronische Datenbanken, nicht nur, dass die Leute Anreize erhalten, um ihre Ressourcen zu teilen und Transaktionen in einem sicheren Netzwerk zu validieren, sondern gleichsam sind natürliche Sicherheitsmechanismen eingebaut — dezentralisierte Sicherheitsmechanismen, die Vertrauen schaffen, damit die Leute miteinander interagieren und handeln können.“

„Selbst wenn sie konkurrieren würden oder einander nicht kennen, könnten sie trotzdem vollstes Vertrauen in die getätigten Transaktionen haben. Bitcoin hat dieses Konzept auf Geld übertragen, das ist Kryptowährung.“

2012 haben sich aber viele Leute gedacht: „Wir sollten diese Sicherheitsmechanismen auf alle IT-Systeme übertragen“, dementsprechend hat man dann verschiedene Dinge ausprobiert — sogenannte Colored Coins, Meta-Protokolle oder gänzlich andere Blockchain-Systeme.

Vitalik Buterin hat an verschiedenen Sachen gearbeitet, diese wurden damals Bitcoin 2.0 Projekte genannt, später dann Blockchain-Projekte. Als er an Bitcoin 2.0 arbeitete, entwickelte er die Idee der Ethereum Plattform. Zu diesem Zeitpunkt war es die mit Abstand eleganteste und stärkste Blockchain Plattform.

Der Grundgedanke war, eine virtuelle Maschine an jedem Knotenpunkt (Node) im Peer-To-Peer Netzwerk zu haben, wodurch die Protokollebene von der Anwendungsebene getrennt wird.

Bis dato gab es bei Bitcoin keine Trennung des Anwendungsprotokolls. Wollte man auf Bitcoin oder einem anderen Blockchain-System eine neue App basteln, dann musste man dies auf der Protokollebene tun. Man benötigte dazu zwingend ein Protokoll, um herauszufinden, wie kleinere Änderungen an der Architektur vorgenommen werden konnten, um so neuen Anwendungscode programmieren zu können. Dann musste man zusätzlich auch noch eine Benutzeroberfläche dafür entwickeln.   

Die Protokollebene von der Anwendungsebene zu trennen hat Milliarden von Software-Programmierern ermöglicht, sich nicht mehr Gedanken um die Protokollebene machen zu müssen und sich stattdessen auf die Dinge und Werkzeuge zu konzentrieren mit denen sie normalerweise Anwendungen bauen. So können sie den vollen Fokus auf das eigentliche Problem und die entsprechende Lösung legen.  

Das scheint ganz gut funktioniert zu haben, denn der Entwicklerstamm für die Ethereum Anwendungsebene ist bis heute um das 40-fache gewachsen, laut Gartner.“

Im Dezember 2013 hat Joseph Vitalik Buterin in Toronto getroffen, ironischerweise die Heimatstadt beider Männer, einen Monat nachdem Vitalik das Whitepaper verfasst hatte, in dem er Ethereum beschrieb.

Ein paar Wochen später stellte Vitalik das Ethereum Thesenpapier auf der North American Bitcoin Konferenz in Miami vor, wo dann auch die erste Phase des Projekts ausstrukturiert wurde.

Die größte Herausforderung für das Ethereum Netzwerk

„Für ein solches Projekt gibt es viele herausfordernde Phasen.”

Zu der Zeit war es etwas noch nie Dagewesenes, viele Leute meinten, dass Ethereum niemals funktionieren würde, dass allein der Versuch schon dumm wäre, da die Angriffsfläche groß und unübersichtlich sei. Meiner Meinung nach ist es jedoch ein voller Erfolg geworden.

„Außerdem ist das Projekt immer noch sehr jung.

Ethereum begibt sich eigentlich jetzt erst in Phase Zwei, wo die eigentliche nicht skalierbare, hoch-dezentralisierte Sicherheitsebene beibehalten wird und obendrauf wird jetzt eine zweite Ebene platziert, die skaliert werden kann. Auf der Sicherheitsebene können bis zu zwanzig Transaktionen pro Sekunde durchgeführt werden, während auf Ebene Zwei hunderttausende von Transaktionen auf Nebenketten und Zweitkanälen abgewickelt werden können. Dies ist ab jetzt möglich.

Interview

Ob es schwierige Zeiten für das Ehtereum Projekt gegeben hat, also technisch schwierige Dinge, sowas ist eigentlich unvermeidbar und notwendig — die involvierten Internetprotokolle, die Netzprotokolle wurden weiterentwickelt, da Software-Entwickler sich darum sehr bemüht haben.“

Jahrzehnte lang hatten wir im IT-Bereich Sorgen bezüglich der Skalierbarkeit, dazu müssen wir aber weiterhin Überforderungen an das Netzwerk stellen, damit wir genau wissen, wo sich die Schwachstellen befinden, wo die Flaschenhälse sind, denn wir brauchen eine Architektur, die mit größeren und besseren Anwendungen umgehen kann.

Entscheidungen der U.S.-Börsenaufsicht (SEC) über Ethereum

Am 14. Juni sagte ein Beamter der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC), dass Ethereum nicht als Wertpapier eingestuft würde, da der dazugehörige Token mittlerweile „ausreichend dezentralisiert ist, um nicht mehr in die Klassifizierung als Wertpapier zu fallen.”

„Wir waren sehr zuversichtlich, dass es nicht als Wertpapier eingeordnet werden würde. In 2014 haben wir viel Arbeit bezüglich der Rechtslage gemacht, noch bevor der Ether Token herausgegeben wurde. Der Verkauf konstituierte zu keinem Zeitpunkt den Verkauf eines nicht zugelassenen Wertpapiers.

Uns waren die Konsequenzen klar, falls sie es dennoch als Wertpapier eingestuft hätten, dann hätten sich Probleme aufgetan, wo der Token gehandelt werden dürfte, allerdings ist das Ökosystem mittlerweile so riesig, etabliert und dezentralisiert, dass es davon nicht aufgehalten werden könnte. Ansonsten hätten wir natürlich entsprechende Änderungen vorgenommen.“

Was sogar noch interessanter ist […] ist, dass die Börsenaufsicht Ether in einer völlig neuen Klasse von Tokens sieht — den Kunden-Nützlichkeit-Tokens

Dann kam ConsenSys

„ConsenSys wurde vor ca. dreieinhalb Jahren gegründet. Ein Jahr nach dem Start von Ethereum kamen wir an den Punkt, wo wir unsere erste Version auf der Plattform veröffentlichen wollten. Damals gab es noch nicht viele Programmierer, die Anwendungen erstellten, deshalb haben wir damit angefangen. Wir haben ein paar Anwendungen gebastelt […] und haben dann gemerkt, dass es ohne entsprechende Entwicklerwerkzeuge schwierig war, da die Plattform noch nicht vollständig veröffentlicht war und noch kein richtiges Ökosystem existierte.

Wir haben dann angefangen, diese Entwicklerwerkzeuge selbst zu bauen, dazu eine Infrastruktur um Anwendungen zu unterstützen, Projekte wie MetaMask und Infura, die derzeit 8 Milliarden Anfragen pro Tag vom öffentlichen Ethereum und dem IPFS [InterPlanetary File] System verarbeitet. Ethereum ist ein Netzwerk, das zwischen achttausend und einer Millionen Transaktionen pro Tag abwickelt. Dies entspricht ungefähr 8% aller Transaktionen in der gesamten Blockchain-Welt.

Wir haben auch andere Produkte entwickelt wie uPort, selbst-souveräne Identität, Reputationssysteme, Regierungswerkzeuge und viele andere protokollbasierte, offene Plattformen. Nicht alle davon laufen über den Token, aber alle steuern zusammen auf die Definition eines gemeinsamen Protokolls zu, wodurch sich eine offene Plattform bildet, auf der dann viele verschiedene Unternehmen arbeiten können.

Außerdem sind wir auch in der Unternehmens- und Regierungsberatung tätig. Das findet fast ausschließlich über Ethereum statt, damit tragen wir einen großen Teil an auf Ethereum bezogener Arbeit für ein öffentliches Blockchain-Ökosystem bei. Wir benutzen genau die gleiche Technologie in unserer Zusammenarbeit mit Konzernen. Außerdem arbeiten wir in den Bereichen Energie, Bankwesen, Versicherungswesen, Medizin, Logistik und Bildung, sowie an vielen Regierungsaufträgen.  

Wir haben in Dubai gearbeitet, am Dubai Smart Citry Project und an der Registrierung von Grundstücken. Wir sind einer der Manager für die Blockchain Aufsicht der Europäischen Union, wo wir mit vielen Mitgliedsländern zusammenarbeiten und Denkprozesse anstoßen.

Außerdem haben wir unser Lehrprojekt, die ConsenSys Akademie, wo bisher schon mehr als hundertzwanzig Programmierer ihren Abschluss geschafft haben. Wir haben Rechtsanwälte, die Lehrinhalte zu den rechtlichen Hintergründen vermitteln, und es gibt bei uns noch viele andere Lernende, die von verschiedensten Institutionen betreut werden.

Das ganze Interview können sie sich hier angucken:

Über seine „Fehde” mit Jimmy Song

Im Mai 2018 auf der ConsenSys Veranstaltung in New York sind Joseph und Jimmy Song, einer der Partner bei Blockchain Capital, eine Wette eingegangen, deren Wettbedingungen noch unbekannt sind, und die sich auf eine „unbestimmte Summe von Bitcoins“ beläuft.

„Er behauptete, dass innerhalb von fünf Jahren nichts Wichtiges auf der Blockchain entwickelt werden würde, abgesehen von Bitcoin.“

„Sind sie sicher, dass sie die Wette gewinnen?”

„Ich bin zuversichtlich, dass wir alle gewinnen, da auf der Blockchain viel bessere Systeme gebaut werden können.“

Über den Krypto-Handel

Auf die Frage, ob er ein Krypto-Händler sei, antwortete Joseph mit Nein. Dem fügte er im Spaß hinzu, dass er „für seinen Lebensunterhalt arbeite.“

„Ich arbeite zwischen 16 – 20 Stunden am Tag und ich habe gar keine Zeit zum Traden. Allerdings weiß ich, wie man Tokens bewegt, das habe ich schon mal gemacht“, sagt er mit einem Lächeln.