Cointelegraph
Christina Comben
Verfasst von Christina Comben,Redaktionsautor
Bryan O'Shea
Geprüft von Bryan O'Shea,Redakteur

EZB-Chefin Lagarde erwägt Rücktritt – Gerät der digitale Euro ins Wanken?

Die EZB-Chefin Lagarde erwägt laut Medienberichten einen baldigen Rücktritt, was womöglich die Pläne um einen digitalen Euro verzögern oder gänzlich auf die Probe stellen könnte.

EZB-Chefin Lagarde erwägt Rücktritt – Gerät der digitale Euro ins Wanken?
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Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, erwägt, vor Ablauf ihrer achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 zurückzutreten, berichtete die Financial Times unter Berufung auf eine Person, die „mit ihren Überlegungen vertraut“ ist. 

Lagarde, die ihr Amt im November 2019 antrat, erwägt angeblich einen vorzeitigen Rücktritt vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027, damit sich der scheidende Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen Nachfolger einigen können, berichtete die FT am Mittwoch.

Ein Sprecher der EZB wies den Bericht zurück und erklärte gegenüber Cointelegraph: „Präsidentin Lagarde konzentriert sich voll und ganz auf ihre Aufgabe und hat keine Entscheidung bezüglich des Endes ihrer Amtszeit getroffen.“

EZB beschäftigt sich mit digitalem Euro und Stablecoins

Ihr möglicher Rücktritt käme zu einem heiklen Zeitpunkt für die digitale Agenda der EZB. 

Unter Lagarde hat die EZB die Vorbereitungsarbeiten für einen digitalen Euro vorangetrieben und wiederholt betont, dass Risiken durch privat ausgegebenes digitales Geld, einschließlich Stablecoins, im Rahmen der neuen MiCA-Verordnung (Markets in Crypto Assets Regulation) der Europäischen Union gesteuert werden müssen.

Vertreter der EZB haben davor gewarnt, dass schnell wachsende Stablecoins selbst unter den Schutzmaßnahmen der MiCA Risiken für die Finanzstabilität und die Geldpolitik im Euroraum darstellen könnten, und haben sich für einen starken Markt für gut regulierte, auf Euro lautende Stablecoins ausgesprochen, die mit Dollar-Token konkurrieren können.

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Christine Lagarde, EZB-Chefin. Quelle: Financial Times

Lagarde selbst hat sich wiederholt kritisch gegenüber Bitcoin (BTC) und anderen Krypto-Assets geäußert, sie als „hochspekulativ“ bezeichnet und in einem Fernsehinterview im Jahr 2022 gesagt, dass Kryptowährungen „nichts wert“ seien und auf keinen zugrunde liegenden Vermögenswerten basierten. Diese Meinung wiederholte sie auch, als BTC im November 2025 fast sein Allzeithoch erreichte.

Ein Wechsel an der Spitze der EZB könnte sich darauf auswirken, wie die Institution zu Themen wie dem digitalen Euro, der Aufsicht über Stablecoins und kryptobezogenen Zahlungen kommuniziert und diese priorisiert, auch wenn die allgemeine regulatorische Ausrichtung auf EU-Ebene festgelegt wird.

Mögliche Nachfolger für Lagarde

Von der FT im Dezember befragte Ökonomen nannten den ehemaligen spanischen Zentralbankgouverneur Pablo Hernández de Cos und seinen niederländischen Amtskollegen Klaas Knot als führende Kandidaten für die Nachfolge von Lagarde, wobei auch Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB, und Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank, als potenzielle Kandidaten angesehen werden.

Alle vier haben eine vorsichtige Haltung gegenüber Kryptowährungen eingenommen. In früheren Reden hat Hernández de Cos Krypto-Assets und Stablecoins als Risiko für die Finanzstabilität bezeichnet, das eine strenge Regulierung und Aufsicht erfordert, während Knot einen robusten globalen Regulierungsrahmen für Kryptowährungen und Stablecoins gefordert hat.

Nagel hat die Forderung nach einem digitalen Euro mit der Wahrung der europäischen Währungs- und Finanzhoheit in Verbindung gebracht und Bitcoin als „digitale Tulpe“ bezeichnet, die „alles andere als transparent“ sei, und davor gewarnt, Bitcoin als Reservewährung zu behandeln. 

Schnabel beschrieb Bitcoin zuvor auch als „spekulativen Vermögenswert ohne erkennbaren fundamentalen Wert“.

Zeitplan für digitalen Euro hängt von Brüssel ab

Das Projekt zum digitalen Euro muss noch von den EU-Parlamentariern genehmigt werden, während die EZB bereits in die technische Vorbereitungsphase eingetreten ist und Kooperationen aufbaut, um sicherzustellen, dass der digitale Euro für alle zugänglich ist.

Trotz Gerüchten über einen möglichen vorzeitigen Rücktritt von Lagarde bestätigte EZB-Vorstandsmitglied Piero Cipollone in einer Rede am Mittwoch, dass die EU die Verordnung zum digitalen Euro voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 verabschieden wird.

Er sagte, dass dies ein 12-monatiges Pilotprojekt in einer kontrollierten Umgebung des Eurosystems ermöglichen würde, das in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 beginnen soll, mit realen Transaktionen und einer begrenzten Gruppe von Zahlungsdienstleistern, Händlern und Mitarbeitern des Eurosystems.

Das Eurosystem strebt an, für eine mögliche erste Emission des digitalen Euro im Jahr 2029 bereit zu sein, vorausgesetzt, der Gesetzgebungsprozess verläuft planmäßig.

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