Regierungschef von Liechtenstein: “Unser Blockchain-Gesetz schafft wichtiges Vertrauen für Blockchain-Unternehmen”

Liechtensteins Regierungschef Adrian Hasler ist sich sicher: Blockchain-Technologie wird in der Zukunft auf sehr viele Bereiche Einfluss nehmen, und bereitet deswegen ein neues Blockchain-Gesetz vor. Es soll nun die erforderlichen Voraussetzungen bringen, um eine rechtliche Grundlage für Blockchain-Unternehmen zu schaffen.

Da das von Adrian Hasler angekündigte Blockchain-Gesetz in der Szene viel Zuspruch erntet, hat “Cointelegraph auf Deutsch” mit dem Regierungschef darüber gesprochen: Welche Implikationen hat das neue Blockchain-Gesetz eigentlich für die Praxis? Was hält Liechtensteins Regierungschef von Kryptowährungen und investiert er selbst in diese? Und wie ist ein so kleines Land zum beliebten Standort für ICOs geworden?

Über Liechtensteins Blockchain-Gesetz

Cointelegraph auf Deutsch: In Ihren Grußworten auf dem Finance Forum kündigen Sie ein Blockchain-Gesetz an. Was ist an diesem Gesetz besonders?

Adrian Hasler: Wir sehen ein großes Potential in der Blockchain-Technologie, das weit über das hinausgeht, was wir heute beobachten können. Die Blockchain kann eine wichtige Grundlage für eine Vielzahl an wirtschaftlichen Anwendungen bereitstellen, nicht nur im Zahlungsverkehr, sondern über weitere Finanzdienstleistungen bis hin zu Industrieanwendungen und allgemeinen Dienstleistungen. Unser Gesetz soll für eine solche Token-Ökonomie eine rechtliche Grundlage und somit Rechtssicherheit für alle Beteiligten bieten, um eine positive Entwicklung zu begünstigen.

CT: Könnten Sie bitte genau erklären, was dieses Gesetz in der Praxis für Blockchain-Unternehmen und Normalbürger bedeuten wird? Wie werden sie davon profitieren?

AH: Wir gehen davon aus, dass in Zukunft viel mehr Rechte und Vermögenswerte auf Blockchain-Systemen abgebildet werden. Damit die Vorteile dieses effizienten Transaktionssystems wirksam werden, braucht es zum Beispiel eine rechtssichere Anbindung an die physische Welt, die wir durch staatliche Aufsicht gewährleisten wollen. Dies schafft das Vertrauen, das für Blockchain-Unternehmen und Bürger wichtig ist. Details zum Gesetz werden wir in den kommenden Tagen vorstellen.

CT. Wieso ist die Blockchain interessant für Liechtenstein?

AH: Wir haben uns schon vor einiger Zeit mit den Chancen und Risiken der Blockchain befasst. Wir sehen hier einige Chancen, aber auch gewisse Herausforderungen für alle Wirtschaftsbereiche, insbesondere den Finanzsektor. Für den Staat Liechtenstein ist es wichtig, dass Regierung und Behörden sich intensiv mit einer solch grundlegenden Technologie und deren Konsequenzen auf die Praxis befassen, um Unternehmen fair und kompetent begegnen zu können. Unser Ziel ist es, diese Entwicklung aktiv zu begleiten.

Über die Zukunft von Kryptowährungen

CT. Wenn Sie an den Stand der Blockchain-Technologie und der Kryptowährungen denken, sind Sie optimistisch bezüglich ihrer Zukunft?

AH: Wir beobachten eine bemerkenswerte, global orientierte und gut ausgebildete Szene, die sich sehr intensiv mit der Weiterentwicklung der Blockchain-Technologie befasst und gehen davon aus, dass wir erst am Anfang einer spannenden und langfristigen Entwicklung sind.

Kryptowährungen sind für mich ein Teil vieler Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain in einer Token-Ökonomie. Wir müssen aus meiner Sicht zwischen Zahlungsverkehr, Stable Coins, die gesetzliche Zahlungsmittel abbilden, und eigenständigen Kryptowährungen unterscheiden. Es ist selbstredend, dass im Rahmen einer Token-Ökonomie Zahlungen über die Blockchain ausgeführt werden. In diesem Zusammenhang ist davon auszugehen, dass Stable Coins, die an gesetzliche Währungen gekoppelt sind, eine wichtige Rolle spielen werden. Kryptowährungen können in Zukunft eine bedeutende Rolle einnehmen, sobald sie breite Akzeptanz erhalten.

CT: Beobachten Sie Interesse an Blockchain-Projekte und Nachfrage nach Kryptowährungen bei der liechtensteinischen Bevölkerung?

AH: Es gibt in Liechtenstein eine verhältnismäßig große Blockchain-Szene, die ein sehr großes Interesse an Blockchain-Projekten und Kryptowährungen hat. Es ist für einen Laien jedoch relativ schwierig, die Risiken eines Investments richtig einzuschätzen. Allein schon die Beteiligung an ICOs ist für Laien nicht einfach. Es gibt aus diesem Grund immer mehr Finanzprodukte, die eine Investition erleichtern. Allerdings sind diese zur Zeit nur für qualifizierte Investoren zugelassen.

CT: Die liechtensteinische Familienbank Bank Frick ermöglicht Direktinvestitionen in Kryptowährung. Unterstützen Sie die Idee, dass Krypto-Banking eine Alternative zum traditionellen Banking sein könnte?

AH: Ich sehe hier nicht wirklich einen Gegensatz zwischen Krypto-Banking und dem traditionellen Banking. Vielmehr gehe ich von einer Integration der Blockchain-Technologie und Kryptowährungen in den Finanzsektor aus. Ich begrüsse das sehr, da dadurch auch die hohen Standards und die Rechtssicherheit bei Investitionen des klassischen Finanzsektors auf der Blockchain eingeführt werden. Selbstverständlich müssen wir aber auch darauf achten, dass die Vorteile der Krypto-Welt möglichst erhalten werden.

CT: Handeln Sie selbst mit Kryptowährungen oder investieren Sie in Blockchain-Projekte?

AH: Nein, in meiner Funktion als Regierungschef halte ich mich hier zurück.

Über Liechtenstein als Standort für ICOs

CT: Liechtenstein ist ein beliebtes Ziel in der Welt geworden, um ICOs zu gründen. Was ist der Grund dafür?

AH: Ein wichtiger Grund ist die Offenheit der Behörden und der Regierung gegenüber den neuen Technologien und das dadurch aufgebaute Know-How. Dazu kommt sicherlich auch, dass man bei uns als Unternehmen im Allgemeinen sehr kurze Antwortzeiten hat. Es ist relativ schnell möglich, einen Termin bei meinem Ministerium oder der FMA (Finanzmarktaufsicht Liechtenstein - CT) zu erhalten. Wir haben vor einigen Jahren ein sogenanntes Regulierungslabor bei der FMA eingeführt, das ein kompetenter Ansprechpartner für innovative Unternehmen ist. Insbesondere Fintechs, und Blockchain-Unternehmen nutzen diese Möglichkeit intensiv.

CT: Liechtenstein unterliegt einigen EU-Vorschriften. Haben diese den Fortschritt von innovativen ICOs behindert oder haben sie eher geholfen?

AH: Liechtenstein ist Mitglied des europäischen Wirtschaftsraums und setzt im Finanzdienstleistungsbereich alle EU-Richtlinien um. Aufgrund dessen profitieren Unternehmen in Liechtenstein auch vom sogenannten EU-Pass, also vom Marktzugang zum europäischen Markt. Unserer Erfahrung nach hängt es aber stark von der konkreten Ausgestaltung eines ICOs ab, ob finanzmarktrechtliche Fragen tangiert werden. Meines Wissens sind in Liechtenstein schon viele ICOs im Rahmen der Finanzmarktregeln erfolgreich durchgeführt worden.