Russland greift Telegram an und blockiert 20 Mio. IP-Adressen

Nachdem Russland letzten Freitag das Verbot des verschlüsselten Nachrichtendienstes Telegram angekündigt hatte, hat der russische Föderale Dienst für die Aufsicht im Bereich der Kommunikation 'Roskomnadzor' (RKN) am Montag, den 16. April ebenfalls damit begonnen, die App zu blockieren.

Um den Zugriff auf den Nachrichtendienst zu verhindern, haben die Autoritäten am 17. April rund 20 Mio. Internetprotokolle von Google und Amazon blockiert. Russische Telegram-Nutzer berichten allerdings, dass die App weiterhin funktioniert, ohne, dass zusätzliche Umwege, wie Proxys oder VPN-Dienste, genutzt werden müssen

Auch wenn die bei Krypto-Nutzern beliebte Messaging-App weiterhin in Russland läuft, klagen die Nutzer von einem Dutzend anderer Dienste über Abstürze im Zusammenhang mit den blockierten IP-Adressen. Die Messaging-App Viber beispielsweise leidet unter Verbindungsproblemen, die vor allem Anrufe seit der RKN-induzierten Blockade verhindern.

Edward Snowden, der weltbekannte Fürsprecher für Datensicherheit und Anonymität drückt seine Wut über die Maßnahmen von RKN in einem Tweet vom 17. April aus und bezeichnet den Schritt als "moralisch und technisch ignoranten Zensurversuch" der "Russlands Internet zerstört hat".

Laut den lokalen Nachrichtendiensten TJournal und Mediazona berichten Nutzer von diversen Abstürzen, unter anderem beim Herunterladen von Microsoft- und Windows-Updates; auf Spieleplattformen wie Nintendo Switch, Playstation Network, Blizzard und Xbox-Live; bei den Onlinespielen Wargaming und Guild Wars 2; dem Android-App-Klienten APK Mirror; den Video-Streaming-Plattformen Netflix und Twitch.tv; bei Onlinehändlern und vielen anderen.

Lokale Medien berichten, dass RKNs Blockade auch die eigene Webseite beeinträchtigt. RKN bestreitet seine Beteiligung an den Netzwerkabstürzen von Internet-Ressourcen von Drittanbietern.

Einige Dienste könnten erhebliche finanzielle Verluste aufgrund der angeblich von RKN verursachten Netzwerkausfällen erleiden. Die Skyend Internetschule könnte an einem Abend durch Netzwerkfehler bis zu 30 Mio. Rubel oder knapp 390.000 Euro verlieren. Laut dem lokalen Nachrichtendienst Meduza habe rund 60 lokale Geschäfte, einschließlich Proxy-Dienste, legale Unterstützung in dieser Angelegenheit eingefordert.

Nach Angaben des RKN-Leiters Aleksandr Zharov hat die Behörde 30 Prozent des Telegram-Netzwerkes blockiert und die Anzahl der Beschwerden von Diensten, deren Angebote unter dem Verbots gelitten haben, ist "ziemlich niedrig". RKN hat ebenfalls eine Warnung an die Besitzer von Proxy- und VPN-Diensten über drohende Verbote mit der Begründung von "Extremismus und geförderter Massenstörungen" herausgegeben.

Inzwischen hat Telegrams Schöpfer Pavel Durov auf seinem Social Media-Profil Vk.com angegeben, dass er Spenden in Bitcoin (BTC) an Proxy- und VPN-Administratoren auszahlen will, um den Widerstand gegen die Blockade zu unterstützen. Durov behauptet, "ich bin glücklich, Millionen Dollar aus meinen persönlichen Anlagen zu spenden", um die digitale Freiheit und den Fortschritt zu schützen.