Schweizerische Nationalbank: DLT-System vor allem für Wertpapiere und Stable Coins interessant

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in einem am 28. März veröffentlichten Referat des Direktoriums zu Entwicklung des Zahlungsverkehrs im digitalen Zeitalter auch zum Krypto-Bereich Stellung bezogen.

In dem neunseitigen Text der Direktoriumsmitglieder Andréa M. Maechler und Thomas Moser gehen die Autoren auch auf mögliche Anwendungsmöglichkeiten der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) im Zahlungsverkehr ein. Maechler und Moser erkennen darin an, dass sich in der Schweiz in den letzten Jahren ein Fintech-Ökosystem etabliert hat, welches das Land weltweit zu einem führenden Standort macht.

Zentralbanken werfe die DLT die Frage auf, ob diese die bestehenden Echtzeit-Bruttoabwicklungssysteme (englisch: Real Time Gross Settlement, RTGS) ersetzen könne und wie ein Zusammenspiel zwischen beiden Technologien funktionieren sollte.

Für den Zahlungsverkehr halten die Autoren die DLT nicht für einen wirklichen Ersatz, deren sinnvollen Einsatz für Wertpapiere durch Security Token aber durchaus möglich. Sie schreiben:

“Verschiedene Zentralbanken haben in enger Zusammenarbeit mit Privatakteuren damit experimentiert. Bisher hat sich aber gezeigt, dass die DLT einem modernen RTGS-System nicht überlegen ist. In anderen Bereichen der Grundinfrastruktur, beispielsweise bei der Wertpapierabwicklung, ist es aber durchaus denkbar, dass sich DLT-basierte Systeme etablieren werden.”

Es stelle sich deshalb die Frage, “ob Zentralbanken für gewisse DLT-Anwendungen – zum Beispiel im Bereich der Wertpapierabwicklung – einen digitalen “Token” anbieten sollen.” Bislang gebe es dazu zwar viele Experimente, jedoch aber noch keine “etablierten Anwendungsfälle”.

Private Anleger könnten jedoch selbst ihr Geld durch “Tokenisierung”, etwa über “Stable Coins” auf DLT-Systeme bringen. Die Autoren halten in diesem Zusammenhang Innovation für wichtig, betonen aber gleichzeitig, dass diese “nicht zu Lasten der Stabilität und des Vertrauens in das bestehende Zahlungssystem erfolgen” dürfe.

Eine klare Positionierung bleibt die Schweizerische Nationalbank mit diesen allgemeinen Bewertungen jedoch weiterhin schuldig, während die Schweizer Börse SIX bereits in diesem Jahr mit einem digitalen Handelsplatz für Security Token Fakten schaffen will.