Britischer Thinktank-Chef bezeichnet Blockchain bei Parlamentsanhörung als "Feenstaub" und Modeerscheinung

Martin Walker, Leiter des Zentrums für Beweis-basiertes Management, hat Blockchain-Technologien vor dem britischen Parlament als nichts weiter Modeerscheinung und "Feenstaub" bezeichnet, wie Business Insider am 1. Mai berichtete.

Walker, der einen Think Tank zur Verbesserung der Qualität der Entscheidungsprozesse führender Angestellter leitet, hielt eine Rede vor dem als Finanzkomitee auftretenden Treasury Committee anlässlich einer Anhörung über Blockchain im Finanzsystem. Walker ist der Ansicht, dass die Technik dem Sektor "wenige bis gar keine" potentiellen Vorteile bieten kann. Er behauptet:

"Alles, was man braucht, um eine glaubwürdige Idee zu einer Modeerscheinung zu machen, ist, dass die Leute ihren Verstand ausschalten und aufhören zu denken. Nach mehr als 20 Jahre in der Bankenbranche kann ich sagen: Blockchain sind eine Modeerscheinung und ich habe viele solcher Marotten in meiner Karriere gesehen. Wenn nur 10 Prozent von dem, was ich in meiner Karriere gehört habe, wahr geworden wäre, hätten wir die fantastischen Banken, die mit einem Budget von einem Pfund pro Woche operieren."

Er vergleicht die sogenannten Modeerscheinungen, die ihm bisher untergekommen sind, mit "Zauberstäben" und "Feenstaub". Laut Walker macht es keinen Sinn, Blockchain als eine eigenständige Sache zu betrachten, da viele Entwickler sich von dem ursprünglichen Prinzip der Technik, die als Basis für digitale Währungen entworfen wurde, entfernt haben.

Er gibt jedoch zu, dass die Aufregung rund um Blockchain als "Katalysator" fungiert hat, welcher die Banken dazu brachte, gewisse Bereiche ihrer Geschäftsfelder zu verbessern und zu aktualisieren; zum Beispiel im Bereich Handelsfinanzierungen. Dennoch warnte er das Komitee, dass der Hype von dem Versuch ablenken könnte "einige der Grundlagen richtig hinzukriegen" und betont, dass eine Reihe von Führungskräften die Technologie als "universelles Allheilmittel" identifizieren. Walker sagt:

"Ehrliche Innovation ist hart. Wir haben etwas erschaffen, das einige meiner Kollegen als "Innovationstheater" bezeichnen. Wer als innovativ wahrgenommen werden will, muss nur ein Proof-of-Concept mit Blockchain vorbringen. Es ist egal, wenn es nie zu etwas führt."

Obwohl Blockchain ursprünglich dafür entwickelt wurde, digitale Währungen anzutreiben und Krypto-Transaktionen zu ermöglichen, findet die Technik auch in anderen Bereichen Verwendung, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen und auf dem Immobilienmarkt. Finanzorganisationen überall auf der Welt haben Anwendungsprojekte mit Blockchain finanziert und in deren ernsthafte Entwicklung investiert, um die Technik zur Verbesserung ihrer Geschäftsprozesse nutzbar zu machen.

Letzten Monat wurde die in Spanien ansässige, multinationale Bank Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) zur ersten globalen Bank, die einen Kredit mit Hilfe von Blockchain-Technologien ausgestellt hat. Die Implementation von Blockchain soll die Verhandlungszeiten für den 75 Mio. Euro Kredit von "Tagen zu Stunden" reduziert haben. Die BBVA beschreibt den Prozess einen "bedeutenden Fortschritt in der Nutzung von Distributed Ledger Technologien" (DLT).

IBM, die Bank of Montreal (BMO), CaixaBank, die Commerzbank, Erste Group sowie die Vereinte Bank der Schweiz (UBS) haben sich zusammengeschlossen, um eine Blockchain-Plattform für den Finanzhandel namens "Batavia" zu entwickeln und haben vor kurzem die erste erfolgreiche Echtzeit-Pilotentransaktion durchgeführt. Batavia zeichnet Events entlang der Produktlieferkette auf, wobei Schlüsselevents die Ausführung von Smart Contracts initiieren können, die Handelsvereinbarungen beschließen.