Weißrussisches Silicon Valley: Warum geht nicht jeder auf steuerfreie ICOs los?

Das "beispiellos" Dekret über die Entwicklung der digitalen Wirtschaft, unterzeichnet von Präsident Alexander Lukaschenko im Dezember, trat offiziell am 28. März in Weißrussland in Kraft. Das Dokument signalisiert einen neuen Aufbruch für das Land und erleichtert jegliche Art von Aktivitäten, die mit Kryptowährungen zusammenhängen. Laut dem Führer sollte Weißrussland "ein technisches Land werden".

Cointelegraph besuchte das postsowjetische Land, um eigene Nachforschungen anzustellen und herauszufinden, ob alles auf den ersten Blick so aussieht und ob es die wirklichen Vorteile der "freien Kryptowirtschaft" gibt.

Weißrussische Version von "Silicon Valley"

Während der globale Wettbewerb für qualifizierte IT-Fachkräfte immer heftiger wächst, bietet Weißrussland eine Reihe von Vorteilen, um Fachleute aus der ganzen Welt anzulocken, insbesondere ein wichtiger Anreiz ist die Steuervergünstigung bis zum 1. Januar 2023. Dies trägt dazu bei, den Kapitalfluss aus dem Ausland sicherzustellen und bessere Beziehungen mit dem Westen aufzubauen.

Um innovative Start-ups im Land zu schaffen und zu unterstützen, hat die Regierung den High-Tech Park (HTP) geschaffen, der zum Mekka der ersten nationalen Kryptowährungs-Betreiber wird.

In der globalen Gemeinschaft wurde die neue Wirtschaftszone bereist die weißrussische Version des Silicon Valleys genannt. Die Sache ist, dass seine Bewohner, registrierte IT-Unternehmen, einzigartige Chancen und Privilegien für die Geschäftsentwicklung in einem frühen Stadium nutzen können.

Bildquelle: HTP Press-Center

Nach dem Konzept-Autor der innovativen Infrastruktur, Vsevolod Yanchevsky, wird der Technologiepark "einer der komfortabelsten Orte in der Welt für IT-Unternehmen":

"Das Dekret, das im Auftrag des Präsidenten des Landes entwickelt wurde, macht Weißrussland wirklich zu einem der bequemsten Orte der Welt für IT-Geschäfte. Darüber hinaus wird der starke positive Effekt des Dekrets nicht nur im IT-Bereich spürbar sein, sondern von der gesamten Wirtschaft des Landes." "

Nach Angaben einer Statistik von Belarusfeed stieg die Zahl der Einwohner von HTP nach der Unterzeichnung des Dekrets um 25 Prozent- in nur wenigen Monaten erhielten 88 Unternehmen den Status des Einwohners.

Bildquelle: Hi-Tech Park

Blockchaininvest.io berichtet, dass 90 Prozent der Einwohner Offshore-Unternehmen sind, die sich aus verschiedenen Gründen für den Betrieb in der weißrussischen Wirtschaftszone entschieden haben. Dazu gehören freie Steuern, staatliche Unterstützung, niedrige Kosten für Vollzeit-IT-Fachleute, kostenlose Anwerbung ausländischer Fachkräfte und ein vereinfachtes Registrierungsverfahren.

Die Bedingungen, die den Bewohnern des Parks geboten werden, wirken sich positiv auf die Entwicklung der IT-Branche und der Wirtschaft des Landes insgesamt aus. Von 2013 bis 2016 war Weißrussland der Führer des Google Code Jam, bei dem Weltgrößen wie World of Tanks, MSQRD, Viber, Maps.me, Prisma, Apalon Apps aus dem Projekt des HTP entsprungen sind.

Der Präsident gibt grünes Licht für Kryptowährungen

Nachdem die Verwaltung die Entwicklung des IT-Sektors unterstützt hatte, beschloss sie, mit den fortschrittlicheren Ländern Schritt zu halte und begann mit der Digitalisierung der Wirtschaft. Bekannt für seine strenge Politik, tritt der Präsident ins Bild, um die Aufnahme von Fortschritten in dem Land zu gewährleisten, das in der Vergangenheit nie "fortschrittliche" war. Die Stärke und Priorität des Dekrets überwiegt die bestehenden Gesetze und kann unter allen Bedingungen funktionieren.

Was ist erlaubt?

Das Dekret legalisiert Unternehmen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, sowie alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Kryptowährungen und digitalen Token. Anders als in anderen Ländern, wie den USA, China, Vietnam und Australien, die Beschränkungen festlegen, werden Mining- und Börsengeschäfte in Weißrussland nicht als "Geschäftsaktivität" behandelt und unterliegen darüber hinaus keiner Besteuerung. Gemäß Ziffer 2.2 des Dekrets des Präsidenten, 21. Dezember 2017, Nr. 8:

"Personen haben das Recht, Token zu besitzen und unter Berücksichtigung der in diesem Dekret festgelegten Besonderheiten folgende Tätigkeiten auszuführen: Mining, Aufbewahrung von Token in virtuellen Wallets, Austausch von Token für andere Token, deren Erwerb, Veräußerung für weißrussische Rubel, ausländische Währung, elektronisches Geld und auch zu spenden und Token zu hinterlassen."

Darüber hinaus ist die Erklärung des Einkommens aus Kryptowährungsoperationen bis zum 1. Januar 2013 optional. Dies ist ein großes Geschenk für die Krypto-Community.

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Einzelne Berechtigungen werden Organisationen gewährt, die Teil des HTP sind. Sie sind von der Mehrwertsteuer, der Einkommensteuer und anderen Steuerarten befreit. Nur ein Prozent des Umsatzes ist steuerpflichtig.

Zu den weiteren Vorteilen gehören ein vereinfachtes Verfahren für die Einwohnerregistrierung mit nur zwei für den Beitritt zum HTP erforderlichen Dokumenten (Businessplan und Gründungsvertrag), visafreier Zugang für ausländischen IT-Fachkräfte für bis zu 180 Tage pro Jahr, Erlaubnis zur Ausführung von Transaktionen und die Möglichkeit, internationale Verträge zu unterschreiben.

ICO-Wechsler: Das erste Land, das Smart Contracts legalisiert

Weißrussland ist eines der ersten Länder, das eine detaillierte Regulierung von digitalen Token, Kryptowährungen, ICOs, Aktivitäten der Kryptobörsen bereitstellt und was beispiellos ist - "ein Smart Contract wird zum offiziellen Dokument erklärt" - erklärt Ilya Orlov, CEO von TravelChain. "Viele ICO-bezogene Projekte sind von neuen Perspektiven angezogen, haben aber keine Eile, irgendwelche Fortschritte zu machen.

Die Privilegien, die durch das Dekret eröffnet wurden, könnten für diejenigen attraktiv sein, die ihre ICO bereits abgeschlossen haben oder nur an ihre Einführung denken. Um einen vollwertigen Token-Verkauf durchzuführen, muss das Unternehmen entweder im Hoheitsgebiet der weißrussischen Republik registriert sein und dementsprechend ein Konto bei einer weißrussischen Bank haben oder über HTP-Betreiber, die sogenannten offiziellen Kryptowährungsplattformen, handeln. Zum Beispiel wird die Kryptobörse Exrate.by ist angekündigt, eine dieser ersten "nationalen" Plattformen zu werden.

Alle Operationen, die Kryptowährungen betreffen, einschließlich der Aufnahme und Verteilung von Investitionen, werden ebenfalls über spezielle Börsenprogrammen mit Bankkonten abgewickelt. Für den Fall, dass eine ausländische Gesellschaft eine ICO über einen HTP-Bewohner führt, kann diese durch sogenannte "Royalties" Kapital an den Kunden übertragen.

Fallen und Diskrepanzen

Das Hauptproblem besteht in der Frage, wie die Weltbanken die internationale Anforderungen zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Finanzierung terroristischer Aktivitäten erfüllen würden. Ungeachtet der Tatsache, dass die am 15. Februar angenommene Resolution Nr. 62 der weißrussischen Nationalbank die Kriterien für die Feststellung einer verdächtigen Transaktion vorsieht, stehen diese Korrekturen noch aus und die Verordnung wartet auf ihre Änderung.

Dem Dokument zufolge können verdächtige Finanzgeschäfte in Höhe von 1.000 Einheiten (etwa 13.000 US-Dollar) oder mehr, die mit dem Erwerb oder der Veräußerung von Token für Fiat-Geld verbunden sind, überprüft werden, wenn es keine Geldquelle gibt oder Geld von Nichtansässigen ohne Beteiligung an der HTP sind

Die Identifizierung solcher Transaktionen, die unter Verwendung von Bankkarten mittels entfernter Banksysteme oder dem globalen Computernetzwerk des Internets und der Mobilkommunikation durchgeführt werden, sollte in einem nächsten Schritt kontrolliert werden.

Der Stand der Dinge zwischen Kryptowährungen und juristischen Personen bleibt äußert kompliziert. Trotz des begrüßten Dekrets ist die aktuelle Realität, dass weißrussische Banken nicht über die Infrastruktur verfügen, um mit Kryptowährungen umzugehen. Dies ist problematisch, da Organisationen gezwungen sind, Banken im Zuständigkeitsbereich anderer Länder zu suchen, die bereits Kryptowährungen akzeptieren.

Ilya Salei, Anwalt bei Borovtsov & Salei, Mitglied es Beirats der Assoziation von Weißrussland, die beim Beitritt zur HTP mithilft, sagte Cointelegraph:

"Es gibt keine Praxis, diese Standards anzuwenden, da sich praktisch niemand in Weißrussland noch mit dem Handel von Kryptowährungen oder dem Verhalten der sogenannten ICOs beschäftigt hat."

Es ist noch unklar, wie die Erfüllung der Verpflichtungen gegenüber den Anlegern reguliert wird. Dasselbe kann über das Verfahren der ICO-Autorisierung und das Prüfen von Kryptowährungskurven gesagt werden.

Ein anderer Streit, der durch Gesetze hervorgebracht wird, sind Krypto-Zahlungen. Trotz der Tatsache, dass das Dekret die Verwendung von Kryptowährungen und Token vollständig zulässt, können diese "kein Zahlungsmittel sein" Dies bedeutet, dass Einzelpersonen in der Lage sein werden, miteinander zu tauschen. Für Organisationen wird sich der Stand der Dinge nicht ändern - die Versorgung von Dienstleistungen und der Verkauf von Waren im Territorium Weißrusslands können nur in weißrussischen Rubeln gemacht werden.

Trotzdem können viele Unternehmer nur 1 Prozent der Mittel, die sind in Fiatgeldern erhalten, akzeptieren, währen sie die verbleibenden 99 Prozent in Form von Kryptowährungen erhalten.

Laut der interaktiven Karte von Coinmap gibt es etwa 20 Händler, die Bitcoin in Weißrussland akzeptieren. Im Grunde sind das Cafés und kleine Läden.

Bildquelle: coinmap.org

Trotz der primären Legalisierung der Kryptoindustrie in Weißrussland kann der freie Verkehr von Kryptowährungen nur im Rahmen von HTP erfolgen. Nach Angaben der Behörden werden die vollen Zahlungen erst nach einem erfolgreichen Experiment unter eingeschränkten Bedingungen möglich sein.

Meinungen und Prognosen

Die Regierungs- und Finanzstrukturen von Weißrussland setzen große Hoffnungen in das Dekret, dass das Land zu einem Paradies für ausländische Blockchain Start-ups machen kann. Dadurch würde Kapital einfließen und der Wegzug von IT-Fachleuten reduziert.

Die Start-ups von HTP erwarten, das sie ihre Ränge bis 2020 um 25 bis 50 Prozent aufstocken werden, während der Profit des Beschleunigers selbst auf 1,4 Milliarden Dollar steigen wird.

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Fazit

Trotz der Tatsache, dass internationale Experten Weißrusslands steuerfreien Privilegien als positiv empfinden , können viele Projekte den Weg zur Tokenisierung oder einer ICO nur über HTP antreten. Darüber hinaus kann die Nationalbank innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Dekrets einen rechtlichen Rahmen für eine zusätzliche Regulierung der Branche entwickeln, die erhebliche Änderungen enthalten kann.

Maxim Galinovsky, Blockchain-Experte und COO bei SociumTrade, sagte Cointelegraph:

"Im Allgemeinen ist es zu früh, von einer Revolution zu sprechen. Der Begriff "Revolution" impliziert die Sontaneität dessen, was gerade geschieht. Im Zusammenhang mit dem Dekret der digitalen Wirtschaft sprechen wir von Evolution. Alle Teilnehmer in der Krypto-Community müssen geduldig sein und sich bemühen, diesen Markt zu entwickeln."

Der Hi-Tech Park und die Regierung versuchen ihr Bestes, um allen Parteien des Kryptomarktes freundliche Bedingungen zu schaffen. Es ist kein Geheimnis, dass die Meinungsführer und die Verfasser des Dekrets unter großem Druck stehen - die Augen der ganzen Welt sind auf sie gerichtet. Die Durchführung von Experimenten im ganzen Land ist eine große Verantwortung.

Die Frage der Regulierung der Kryptowährungen sollte auf der zwischenstaatlichen Ebene gelöst werden und sich auf einheitliche staatliche Standards stützen. Die internationalen Rechtsnormen haben die Chance, eine Grundlage für die Integration der Kryptowährung in das bestehende Bankensystem zu werden.

Zuvor hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Zentralbanken der G-20 Staaten zur Verfassung von gemeinsamen Regulierungen von Kryptowährungen aufgefordert. Bis dahin sind Dokumente wie das oben genannte Dekret eine effektive politische PR-Kampagne auf der internationalen Bühne.

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