Bitfinex in Polen: War die Kryptobörse an Geldwäsche beteiligt?

Am 7. April tauchten in Polen Berichte auf, dass polnische Staatsanwälte 400 Millionen Euro von einem Konto beschlagnahmt haben, das angeblich mit Bitfinex, einer der größten Börsen weltweit, verbunden war.

Auch wenn es Verbindungen zur Kryptobörse gab, waren diese bestenfalls schwach und involvierten eine lange Reihe von Akteuren, die augenscheinlich zu Bitfinex zurückführten. Vom belgischen Außenministerium bis zu einer Botschaft in der Demokratischen Republik Kongo, Verbindungen zu kolumbianischen Kokain-Kartellen und einem in Panama registrierten Unternehmen; das Ganze klang wie der Plot eines James-Bond-Films.

Bitfinex bestritt die Vorwürfe vehement und lehnte weitere Stellungnahmen ab, was darauf hinwies, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen war. Aber was ist an diesen Behauptungen dran? Gibt es harte Beweise, oder sind das alles nur Vermutungen und Indizien?

Was dahinter steckt

Es heißt, dass bei der polnischen Genossenschaftsbank in Skierniewice 400 Millionen beschlagnahmte Euro mit Bitfinex zu tun hatten. Die Gelder waren beschlagnahmt worden, weil sie mit der Hinterziehung von 400.000 Euro durch das belgische Außenministerium während des Baus seiner Botschaft in der Demokratischen Republik Kongo in Verbindung standen.

  • Die Gelder wurden offenbar von zwei Konten der Bank beschlagnahmt, von denen eines in der Nähe von Pruszków registriert und im Besitz von jemandem kanadisch-panamaischer Abstammung war. Das zweite Konto wurde angeblich von einem Mann mit kolumbianischer und panamaischer Staatsbürgerschaft geführt und ist dasjenige mit angeblichen Verbindungen zu Bitfinex.
  • Eine Reihe von Dokumenten, die online veröffentlicht wurden, sollen Bitfinex über Umwege mit diesem Konto in Verbindung bringen. Einige der Dokumente zeigen, dass Bitfinex seine Kunden auf ein Konto bei der Bank verweist.
  • Ein Bitfinex-Benutzer hatte behauptet, von der Polizei verhört zum einem mit Crypto sp z o.o zusammenhängenden Fall verhört worden zu sein, da er eine Zahlung von ihnen über Bitfinex erhalten hatte.
  • Crypto sp z o.o. (und die Muttergesellschaft Crypto Capital Corp.), registriert in Panama, soll mit Drogenkartellen zu tun haben, was die Polizei zu der Annahme veranlasste, dass die Kriminellen Kryptowährungen zur Geldwäsche verwendeten.

Die angeblichen Verbindungen sollen zeigen, dass Bitfinex mit der Bank zu tun hatte, bei der die polnische Polizei Geld beschlagnahmt hatte, weil Bitfinex seine Nutzer bereits 2017 in auf die Bank verwiesen hatte.

Vor diesem Hintergrund ist die Verbindung zwischen diesem Konto und Crypto sp z o.o. relativ schwach, da sie auf der Tatsache beruht, dass Crypto sp z o.o. ein panamaisches Unternehmen ist und das Konto einem kanadisch-panamaischen Unternehmen gehört.

Außerdem stützt sich diese Verbindung offenbar auf die Aussage eines verhörten Zeugen, der sagte, dass Crypto sp z o.o. ihn über Bitfinex, die größte Bitcoin-Börse der Welt, bezahlt hatte.

Schwache Verbindungen

Auch wenn die polnische Polizei eine Geschichte über Drogenhandel und Geldwäsche aufklärt, sind die Verbindungen dieser Aktivitäten zu Bittinex bestenfalls dürftig.

Bitfinex einfach mit der Cooperative Bank in Skierniewice in Verbindung zu bringen ist zwar möglich, aber alles andere als eine klare Angelegenheit.

Trustnodes hat im November letzten Jahres einen Artikel veröffentlicht, der Bitfinex mit der in Panama registrierten polnischen Bank in Verbindung bringt.

Doch selbst kleine Hinweisen, die Bitfinex mit kriminellen Akteuren in Verbindung bringen, lassen keinen klaren Beweis zu, dass die Börse mit den beschlagnahmten Geldern irgendetwas zu tun habe.

Die Vorwürfe zielen darauf ab, die Börse mit konkreten und substanziellen Straftaten wie Drogenhandel via Kolumbien, und Betrug im Zusammenhang mit Geldwäsche in Verbindung zu bringen, die hinter der Beschlagnahmung der Gelder stehen. Die einzige echte Verbindung mit Bitfinex, die nachgewiesen werden konnte, basiert jedoch auf der Aussage nur einer Person.

Bitfinex weist alle Anschuldigungen von sich

Trotz der Verschwörungstheorie wendete sich Bitfinex zwei Tage später mit einer Erklärung an bestimmte Medien, in der alle Behauptungen über jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Drogenhandel und Geldwäsche zurückgewiesen wurden.

Cointelegraph hat sich diesbezüglich an Bitfinex gewandt, aber bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keinen Kommentar erhalten. Ihre offizielle Antwort ist wie folgt:

"Bitfinex kann bestätigen, dass sie von den aktuellen Vorwürfen Kenntnis hat, die in den letzten Stunden von den polnischen Medien gemeldet wurden. Bitfinex ist der Ansicht, dass diese Behauptungen unwahr sind und Bitfinex-Kunden und Betriebe nicht von falschen Gerüchten betroffen sein werden. Bitfinex ist stolz darauf, die weltweit führende Krypto-Börse zu sein, und arbeitet in dieser Eigenschaft unermüdlich daran, die strengen Auflagen der Behörden und Aufsichtsbehörden weltweit einzuhalten."

In der Vergangenheit war es für Bitfinex schwierig, sich von Anschuldigungen und anderen Kontroversen zu distanzieren. Am 30. Januar erhielt Bitfinex zusammen mit der Schwestergesellschaft Tether eine Vorladung von der SEC, da sich immer wieder Fragen zu deren wahren Wert stellen.

Aber auch diese Kontroversen scheinen beiden Unternehmen gegenüber zu hart zu sein. Die SEC, eine Organisation, die nur innerhalb der Grenzen der USA tätig ist, hatte ihre Vorladungen immerhin an zwei Unternehmen geschickt, die nicht aus den USA stammen oder dort ansässig sind.

Obwohl es nicht völlig unbekannt ist, dass ausländische Unternehmen von der SEC kontaktiert werden, zeigt dies immer noch, dass Bitfinex aus negativen Gründen zu viel Aufmerksamkeit zu erregen scheint.

Ich bin ein ahnungsloser Idiot, aber was hat die CTFC mit Bitfinex (keine US-Firma), Tether (keine US-Firma) und der Tatsache zu tun, dass Bitfinex keine US-Kunden auf ihrer Plattform zulässt. Obwohl es bereits früher der Fall gewesen sein könnte, dass sie diese Regel durchsetzen.

Ein leichtes Ziel

Gegenwärtig sind weder Tether noch Bitfinex überzeugend mit Fehlverhalten in Verbindung gebracht worden, obwohl ihnen eine Reihe von Untersuchungen und Behauptungen vorgelegt wurden. Als größte Börse der Welt ist es nicht verwunderlich, dass sie ein leichtes Ziel in einem Ökosystem werden, welches von zweifelhaftem Handel geprägt ist.

Der CEO von Altmarket, Bryce Weiner, fasste die Situation vielleicht am besten zusammen:

Ich werde das in so wenig Tweets wie möglich ausdrücken.

Jemand hat die belgische Regierung um 400 Millionen Dollar betrogen.

Das Geld ist auf polnischen Konten gelandet.

Das hat Polen bis zum Umfallen verärgert.

Es stellte sich heraus, dass diese Konten von @Bitfinex-Frontfirmen sind.

Ende.

Genauso wie es einen Zusammenhang zwischen kriminellen Aktivitäten und Bitcoin gibt, kann es Fälle von kriminellen Aktivitäten geben, die mit dem Handel von Bitcoin in Verbindung stehen. Das heißt nicht, dass die Börsen selbst direkt an den kriminellen Aktivitäten teilnehmen, so wie Bitcoin nicht direkt für den Kauf von Drogen verantwortlich gemacht werden sollte.

Bitfinex kann in seiner jetzigen Form nicht für die gegen sie erhobenen Vorwürfe zur Verantwortung gezogen werden. Wenn Kriminelle den Dienst für illegale Aktivitäten genutzt haben, dann ist das eine andere Situation, und nicht eine kriminelle, die der Börse zugeordnet werden kann.

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