EZB-Direktor Coeure: Weder EU-Kommission noch EZB planen Verbot von Libra

Laut dem Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB) Benoit Coeure gibt es von europäischen Finanzaufsehern aktuell keine Pläne für ein Verbot der von Facebook geplanten Stablecoin Libra. Dies sagte Coeure in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, welches die EZB am 17. Oktober auf ihrer Webseite veröffentlichte.

Noch keine Positionierung zu Libra

Coeure reagiert auf eine Frage nach mutmaßlichen Regulierungsbetrebungen gegenüber Libra mit einer Antwort auf Stablecoin-Projekte im Allgemeinen. Er sagte:

“Es gibt sicherlich kein Einvernehmen darüber, dass es keine Stablecoins geben sollte. Im Fall von Europa wollen weder die Kommission noch die EZB Europa zu einer Sperrzone für Stablecoins machen. Aber Stablecoins werden die höchsten regulatorischen Standards erfüllen und sich an allgemeinere Ziele der öffentlichen Ordnung halten müssen. Wenn wir über das Geld der Menschen sprechen, darf es keinen Kompromiss zwischen Innovation und Sicherheit geben. Wir wollen beides sehen, wie wir es bei jedem Zahlungsinstrument tun.”

Wie Coeure betonte, gibt es neben Libra aktuell mehrere Stablecoin-Projekte. Bei der EZB wolle man generelle Prinzipien schaffen, die auf alle Stablecoins anwendbar sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei noch nicht absehbar, welches der einzelnen Projekte mit diesen Prinzipien konform sein werden.

EZB will strenge Standards setzen

Dass die EZB bei der Bewertung von Libra und anderen Stablecoins hohe Standards vorschreiben werde, ließ Coeure ebenfalls durchblicken:

“Abhängig vom Design und den Details jeder Stablecoin-Initiative ist die Zulassung von der Erfüllung der höchsten bestehenden Standards abhängig. Es könnte auch neue Vorschriften erfordern und von der Einhaltung breiterer Ziele der öffentlichen Ordnung abhängig sein. Unter dem Strich wird die Messlatte sehr hoch sein und man kann noch nicht sagen, ob diese erreicht werden wird.”

Für das Libra-Projekt sind Coeures Aussagen jedoch in keinster Weise als Entwarnung zu werten. Der Zentralbanker machte im September deutlich, dass er in der Stablecoin eine potentielle Bedrohung für die Öffentlichkeit sieht.