Joe Lubin: China wird dezentrale Blockchain-Aspekte nicht nutzen

Chinas geplanter digitaler Renminbi wird wahrscheinlich keine Blockchain verwenden, wie der Ethereum (ETH)-Mitbegründer und ConsenSys-CEO Joe Lubin glaubt.

In einem Interview mit der CNBC-Sendung Squawk Box Asia am 5. November erklärte Lubin, dass die Volksbank von China (PBoC) den dezentralen Aspekten der Technologie für ihre Zwecke nur wenig abgewinnen könne.

"Kein wirklicher Grund" für Nutzung der Dezentralisierung

Wie bereits berichtet, soll Chinas digitales gesetzliches Zahlungsmittel - oder digitale Zentralbankwährung (CBDC) - von der PBoC kontrolliert werden. Ranghohe Mitarbeiter haben erklärt, der Vermögenswert werde "viele positive Auswirkungen haben. Der Geldfluss in wirtschaftlichen Aktivitäten kann damit nachverfolgt und die Geldpolitik unterstützt werden".

Lubin sagte gegenüber CNBC, dass das Prinzip der Dezentralisierung in der Blockchain-Technologie verwendet werde, um Vertrauen zu schaffen.

"China ist aber wahrscheinlich nicht an diesem Aspekt der Blockchain interessiert. Sie werden, glaube ich, einen digitalen RMB nach China bringen, der einige der kryptographischen Grundfunktionen der Blockchain-Technologie nutzt, aber es gibt keinen wirklichen Grund für China, die dezentralen Aspekte zu nutzen".

Lubin erklärte, wenn das System so konzipiert sein sollte, dass es von mehreren Parteien und nicht nur von der Zentralbank betrieben wird, wäre es möglich, dass es für seine Entwickler durchaus von Vorteil sein könnte, die "umfassenderen Aspekte der Blockchain" zu implementieren. Allerdings gehe es "wahrscheinlich nur um den digitalen, nicht um den dezentralen Aspekt", so Lubin.

CBDC zur Aufrechterhaltung der bestehenden Kontrolle

Auf die Frage, ob die geplante CBDC die Überwachung und zentralisierte Aufsicht über die Kapitalströme durch die Behörden stärken werde, winkte Lubin ab und antwortete:

"Ich denke, die Zentralbank und die Regierung haben bereits eine sehr starke Kontrolle. Ich schätze, dass das System verwendet wird, um die Kontrolle aufrecht zu erhalten, die sie haben. Aber möglicherweise auch dazu, um eine breitere Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und globalen Systemen zu ermöglichen."

Yang Dong, der Direktor des Forschungszentrums für Finanztechnologie und Cybersicherheit an der Renmin Universität in China, sprach mit Reportern über die geplante Währung. Auf dem englischsprachigen Nachrichtenportal China Daily, das der kommunistischen Partei CPC gehört, erklärte er, dass die CBDC im Hinblick auf nichtstaatliche und grenzüberschreitende Anwendungen getestet wurde.

Der stellvertretende Direktor der PBoC Mu Changchun gab im August bekannt, dass die CBDC als zentralisiertes, zweistufiges System konzipiert sein wird. Die PBoC hat dabei auf der obersten und inländische Geschäftsbanken auf der zweiten Stufe die Kontrolle.

Ende letzten Monats sagte der stellvertretende Vorsitzende des chinesischen Wirtschaft-Thinktanks "China Center for International Economic Exchanges", er sei zuversichtlich, dass die PBoC den globalen Wettlauf gewinnen und die erste Zentralbank sein würde, die eine CBDC einführt.

Der Ständige Ausschuss des 13. Nationalen Volkskongresses in China verabschiedete am 26. Oktober ein neues Gesetz zur Regulierung von Kryptographie. Es soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten. In Gerüchten zu diesem Thema heißt es, dass diese neue Regulierung Teil der Vorbereitungen für die geplante Währung sei.