Nach einem einjährigen Initial Coin Offering (ICO), das einen Rekord von 3,4 Mrd. Euro eingebracht hat, ist Block.ones Blockchain-basierte Operationsplattform EOSIO offiziell verfügbar.
Das Projekt wurde sehnsüchtig erwartet und der Juni-Launch stellt einen beispiellosen Moment der Wahrheit für die Welt der Blockchain-Technologien und Kryptowährungen dar.
Entwickler können nun aktiv Blockchain-basierte Applikationen auf der Plattform bauen - die hauptsächlich für geschäftliche und großvolumige kommerzielle Anwendungen entwickelt wurde.
Die Markteinführung der v1.0-Version könnte ein definierender Moment für das Projekt werden, das in dem technischen Whitepaper verspricht, Millionen von Transaktionen pro Sekunde ohne anfallende Nutzergebühren bearbeiten zu können.
EOS - die kurzgefasste Historie von Block.one
EOS ist ein dezentralisiertes, Blockchain-basiertes Operationssystem, das der Welt erstmals 2017 vorgestellt wurde. Seine Entwickler - die Block.one und somit dem Geschäftsführer Brendan Blumer sowie dem leitenden Techniker Dan Larimer untergeordnet sind - stellten EOS erstmals bei der Consensus 2017 vor. 12 Monate später hat das Projekt eine Rekordsumme von 3,4 Mrd. Euro erhalten.
Das EOS-Operationssystem soll Entwicklern dabei helfen, dezentralisierte Anwendungen (DApps) - ähnlich wie Ethereum - zu bauen, die wirtschaftlich skalierbar sind. Die Software beinhaltet "Konten, Authentifizierungen, Datenlager, asynchrone Kommunikation und die Möglichkeit, Zeitpläne für Applikationen entlang mehrerer CPO-Cores und Cluster zu erstellen", so das Whitepaper.
Der Verkauf des EOS-Token begann im Juni 2017 als ein Ethereum-basierter ERC-20-Token. Ab dem 2. Juni 2018 wurden die ER-20-Token der EOS-Nutzer, die sich für den verpflichtenden Token-Swap angemeldet hatten, zu EOS-Token auf der EOSIO-Plattform konvertiert.
Die Halter dieser nativen EOS-Token werden das Ökosystem verwalten, indem sie über Block-Produzenten, die die Blöcke erschaffen und das Netzwerk aufrechterhalten, abstimmen.
Unterdessen erhalten Nutzer des EOS-basierten dezentralisierten Anwendungen Zugriff auf bestimmte Ressourcen, deren Menge direkt proportional zu der Menge an EOS-Token ist, die in der Bewerbung festgelegt wurde.
EOSIO wird von einem delegierten Proof-Of-Stake-System (DPoS) aufrechterhalten, das im Original von Larimer kreiert wurde und weiterhin bei Steemit Verwendung findet - der Blogging-Plattform, die er 2016 erschuf. Larimer erklärt feinere Details des DPoS in "seinem fehlenden Whitepaper" auf der Plattform.
In einfachen Worten will das DPoS-System einige der Unzulänglichkeiten des Proof-of-Work- (PoW) und Proof-of-Stake-(PoS)-Konsens-Mechanismus überwinden.
Das EOS DPoS-System ermöglicht es Nutzern, über Block-Produzenten abzustimmen, die Token-Prämien dafür erhalten, dass die Transaktionen validieren und die Blockchain am Laufen halten. Diese Block-Produzenten werden permanent von der Gemeinschaft evaluiert und "gefeuert", wenn sie nicht die richtige Leistung abliefern und zum Beispiel darin versagen, Transaktionen zu validieren oder Blocks zu erschaffen.
Laut dem Ledger-Intel-Dossier zu EOS verarbeitet Steemits DPoS zurzeit tausende Transaktionen pro Sekunde - was Gutes für EOSIO ahnen lässt.
Daher ist die Markteinführung von EOSIO ein Moment der Wahrheit - die Krypto-Gemeinschaft hat endlich die Möglichkeit, eine Plattform zu nutzen, die potenziell Millionen von Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann.
Jetzt, da das ICO vorbei ist und EOSIO auf dem Markt, müssen eine Reihe von Dingen in den nächsten Wochen und Monaten beachtet werden.
Token-Swap
Zunächst müssen Nutzer, die an dem EOS Ethereum-basierten Token-Verkauf teilgenommen haben, an einem Token-Swap teilnehmen.
Die Konvertierung von ERC-20-basierten Token zu EOS.IO-Token verpflichtete Nutzer, sich vor dem 2. Juni zu registrieren. Sollte dies nicht geschehen sein, werden ihre ERC-20-Token nicht dem EOS-Hauptnetzwerk hinzugefügt.
Das heißt im Endeffekt, dass die ERC-20 EOS-Token jener Nutzer, die sich nicht für den Token-Swap angemeldet hatten, nicht transferiert werden können und daher verfallen.
Darüber hinaus wird der Token-Swap als eine kritische Komponente des EOS-Ökosystems angesehen. Die Anteilnahme und Partizipation der Gemeinschaft ist essentiell für ein funktionierendes DPoS-System und stellt sicher, dass über Block-Produzenten abgestimmt wird und diese konstant evaluiert werden.
Von Beta zur Markteinführung
Wie viele andere Blockchain-Projekte auch, verspricht das Whitepaper viel, allerdings kommt es am Ende auf das fertige Produkt drauf an.
Das einjährige ICO hat für massive Finanzierungen für das Projekt gesorgt und eine Reihe von EOSIO-Beta-Versionen wurden unter dem Projektnamen "Dawn" bereits veröffentlicht, während das ICO noch in vollem Gange war. Die letzte dieser Beta-Versionen - v4.0 - wurde im Mai 2018 veröffentlicht.
Laut der EOS-Github-Seite leidet das Projekt weiterhin an 620 Problemstellen, wobei schon mehr als 1400 in der Entwicklungsphase behoben wurden.
Nichtsdestotrotz ist EOSIO v1.0 nun offiziell auf dem Markt und sicher wird es eine Menge Feedback geben, sobald Entwickler mit der Nutzung der Plattform beginnen und erste Resultate einfahren. Tatsächlich sind einige Projekte bereits im Werden.
Laut dem EOSindex, der die Anzahl an dezentralisierten Blockchain-Apps auf EOS-Basis misst, wird zurzeit an mehr als 140 Projekten gearbeitet. Eines der bekanntesten ist Everipedia - eine online Enzyklopädie, die auf der EOS-Blockchain basiert und Inhaltsschöpfer mit nativen Token belohnt.
Das Everipedia-Project zog 2017 bereits die Aufmerksamkeit des Wikipedia-Gründers Larry Sanger auf sich, der dem Team als leitender Informationschef beitrat. Sanger arbeitet dagegen an, dass Information kontrolliert und zentralisiert wird - wie es seiner Meinung nach bei Wikipedia passiert:
"Das größte Problem mit Informationen online ist, dass sie zentralisiert sind und von einigen wenigen kontrolliert werden, so dass es sich lohnt, die salzigsten und euphorischsten Informationen zu besitzen. Wir können das besser."
Es sollte angemerkt werden, dass Everipedia einen Airdrop seiner Token für alle Halter von EOS plant, wie Fortune berichtet.
43 Mio. Euro für die Entwicklung des Ökosystems
Auch wenn das Projekt selbst mehr als 3,4 Mrd. Euro mit seinem einjährigen ICO eingefahren hat, gelang es Block.one, 43 Mio. Euro von der Blockchain-Investmentfirma SVK Crypto zu erhalten.
Die Londoner Investmentfirma will in Unternehmen investieren, die dezentralisierte Anwendungen auf EOSIO entwickeln und sich speziell auf Soziale Medien, Datenbesitz, Tech-Plattformen und Logistik fokussieren.
Block.one EOC VC ist ein Finanzierungsprogramm, das Entwickler und Geschäfte, die EOSIO nutzen, finanziell unterstützen will. Das Programm verspricht, in Zukunft mehr als 850.000 Mio. Euro für EOSIO-Projekte zur Verfügung stellen zu können.
Das schließt den von Mike Novogratz von Galaxy Digital LP verwalteten 278-Mio.-Euro-Fonds für das EOSIO-Ökosystem mit ein.
Ethereums neuer Rivale?
EOSIO wird in den nächsten Monaten sehr genau untersucht werden, da die neue Blockchain-Plattform für die Entwicklung von DApps ein direktes Konkurrenzprodukt zu Ethereum darstellt.
Wenn der EOS-Token-Swap nach Plan verläuft, sollte das EOSIO-Ökosystem in der Lage sein, wie geplant seinen Betrieb aufzunehmen. Das könnte den Aufstieg einer neueren, größeren Smart-Contract-Plattform für DApps signalisieren.
Ethereum-Gründer Vitalik Buterin und EOS-CTO Dan Larimer haben sich bereits in einigen philosophischen Debatten sowohl auf Steemit als auch Reddit über die Vor- und Nachteile von PoS vs. DPoS gemessen.
In einem Reddit-Thread erklärt Buterin seine Zweifel hinsichtlich Larimers DPoS-Protokoll und betont vor allem seine Bedenken hinsichtlich der Wählerteilnahme und anderer Mechaniken, die in einem gebührenfreien System auftreten.
Buterin glaubt, dass eine niedrige Wahlbeteiligung, gegenseitiges Bewerten der Münzbesitzer und eine Diskrepanz zwischen den Interessen der Münzhalter und den Nutzer wichtige Stolpersteine sein könnten:
"Um die Dezentralisierung sicherzustellen, erlaubt DPOS allen Haltern, darüber abzustimmen, welche Nodes die Konsortienkette leiten. Dies, zusammen mit dem Mangel an im Protokoll eingebauten wirtschaftlichen Anreizen für das richtiges Verhalten dieser Master-Nodes und das Fehlen von Verifikationsmöglichkeiten von Seiten der Kunden bedeutet, dass das System extrem von dem Wahlmechanismus abhängig ist. "
Darüber hinaus ist Buterin überzeugt, dass ein Wählersystem manipulierbar ist:
"Es gibt noch eins anderes wesentliches Problem bei der Stimmabgabe: Um Stimmen zu gewinnen, müsste jeder Delegierte eine sichtbare öffentliche Identität haben; Eine anonyme Delegation wäre auf lange Sicht sehr schwierig. Das macht das gesamte System anfälliger für politische Angriffe. "
Larimer konterte Buterins Bedenken auf Steemit und beschrieb einen Punkt, der Ethereums angebotenen PoS-Algorithmus Casper untergräbt. Larimer ist überzeugt, dass der Casper-PoS "Kollusion und Kooperation eher als Wettbewerb fördert".
Der leitende Technikchef von EOS adressierte auch Buterins Kritik der niedrigen Wahlbeteiligung und das Potenzial für Kollusionen zwischen Nutzern für einen Angriff auf die Besitz- und Kontrollrechte.
"In den letzten 3 Jahren wurde die niedrige Wahlbeteiligung durch eine Kombination von Wahlproxies, einfacheren Benutzeroberflächen und eine Reduzierung der Dinge, für die die Menschen wählen müssen, angegangen.
"Darüber hinaus machen Nicht-Wähler die Dinge weniger sicher. Sie halten Token aus dem Markt heraus, was es trotzdem teurer für einen Angreifer macht, Anteile zu erbeuten. Große Anteilseigner haben hohe Wahlanreize, um ihr Vermögen zu schützen und ein Angreifer müsste mehr Anteile erbeuten, als der größte Fisch im System besitzt."
Larimer hält auch zu dem gebührenfreien EOS-System, dass sich auf DApps verlässt, um die Netzwerkkosten zu decken:
"EOS wurde um die Idee herum entwickeln, dass Serviceanbieter (DAPPs-Entwickler) die Netzwerkkosten decken sollten, nicht die Nutzer. Eine gute Applikation braucht eine profitable Strategie, die vollständig in die Netzwerkoperationen eingebaut ist.
"Die Existenz von Steem ist der ganze Beweis, den wir brauchen, um den Wert von "freien" Transaktionen und unsere Lösung zu dem Problem zu demonstrieren, dass Nutzer Anteile benötigen."
Auch wenn das akademisch anmutende Hin-und-Her der beiden interessant ist, zeigt es auch die enormen Differenzen zwischen den Technologien, die den zwei kontrastierenden Plattformen zugrunde liegen.
Mit der enormen Menge an Finanzierungskapital sollte Block.one in der Lage sein, die andauernde Verbesserung von EOSIP in den kommenden Jahren aufrecht zu erhalten. Ob es zu einem Rivalen für Ethereum wird, bleibt abzuwarten.
Genau wie bei Ethereum auch, werden die Entwickler von beliebten DApps zweifellos die Nützlichkeit von EOSIO bestätigen und seine Adaption fördern.
Aber alles der Reihe nach: ein erfolgreicher Token-Swap ist die erste und nächste Hürde, um sicherzustellen, dass alle EOS-Token auf EOSIO registriert werden, sodass Nutzer aktiv in dem Wahlmechanismus teilnehmen und Produzenten auswählen können, welche die Transaktionen validieren und das Ökosystem noch lange aufrechterhalten.
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