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Christina Comben
Verfasst von Christina Comben,Redaktionsautor
Bryan O'Shea
Geprüft von Bryan O'Shea,Redakteur

70 Ökonomen über digitalen Euro: "Öffentliches Interesse muss überwiegen"

Wirtschaftswissenschaftler warnen die EU-Gesetzgeber im Zusammenhang mit dem digitalen Euro davor, dass private Stablecoins und ausländische Zahlungsunternehmen die Währungshoheit Europas gefährden.

70 Ökonomen über digitalen Euro: "Öffentliches Interesse muss überwiegen"
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Siebzig Ökonomen und Politikexperten forderten die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) auf, einen digitalen Euro zu unterstützen, der dem öffentlichen Interesse dient. Sie argumentierten, dass dies für die Währungshoheit Europas und für die Gewährleistung des Zugangs zu Zentralbankgeld in einer zunehmend bargeldlosen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sei. 

Der offene Brief mit dem Titel „Der digitale Euro: Das öffentliche Interesse muss Vorrang haben!“, der am Sonntag veröffentlicht wurde, warnte davor, dass private Stablecoins und ausländische Zahlungsriesen ohne eine starke öffentliche Option einen noch größeren Einfluss auf den digitalen Zahlungsverkehr in Europa gewinnen könnten.

Die Unterzeichner, darunter der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung José Leandro und der französische Ökonom Thomas Piketty, bezeichnen die vorgeschlagene zentrale digitale Währung der Zentralbank (CBDC) als öffentliches Gut.

Sie sprechen sich für ein öffentliches, europaweites digitales Zahlungsmittel aus, das vom Eurosystem herausgegeben wird, für Basisdienste kostenlos ist und Bargeld ergänzt, anstatt es zu ersetzen.

Offener Brief an die Mitglieder des Europäischen Parlaments. Quelle: Sustainable Finance Lab

Sie warnen davor, dass die europäischen Bürger und Händler, sollte die EU zögern oder das Projekt verwässern, Gefahr laufen, stärker von privaten, meist außereuropäischen Kartensystemen und großen Technologie-Zahlungsplattformen abhängig zu werden, was die Widerstandsfähigkeit und Autonomie des europäischen Zahlungssystems in Krisenzeiten schwächen könnte.

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EZB: Vorbereitungsphase und Design-Auswahl

Die Intervention erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Europäische Zentralbank (EZB) in der Vorbereitungsphase des Projekts zum digitalen Euro befindet und vor einer endgültigen Entscheidung über die Ausgabe an einem Regelwerk, der technischen Architektur und der Offline-Funktionalität arbeitet. 

Die EZB beschreibt das Design des digitalen Euro als eine öffentliche, paneuropäische Zahlungslösung, die einen bargeldähnlichen Zugang zu Zentralbankgeld bietet, einschließlich Offline-Zahlungen, und gleichzeitig die Finanzstabilität durch Instrumente wie Haltebeschränkungen und gestaffelte Verzinsung gewährleistet.

In einer Rede am Freitag bekräftigte Philip Lane, Mitglied des Direktoriums der EZB, dass das Projekt darauf abziele, ein Gleichgewicht zwischen Innovation, Datenschutz und der fortbestehenden Rolle der Banken als Vermittler im Massenzahlungsverkehr herzustellen.

Nach Angaben der EZB könnte ein digitaler Euro Anwendungsfälle wie bedingte Zahlungen und Offline-Funktionalität unterstützen und gleichzeitig die Anforderungen der Geldwäschebekämpfung (AML) und des Datenschutzes erfüllen.

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Bedenken und Forderung nach Datenschutz

Gleichzeitig stieß das Projekt auf Skepsis seitens der Geschäftsbanken und einiger Politiker, die sich Sorgen über eine mögliche Disintermediation von Einlagen, Betriebskosten und eine ungewisse Akzeptanz seitens der Nutzer machten. Verbraucherumfragen surveys zeigen, dass ein starker Datenschutz eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz eines digitalen Euro in der Öffentlichkeit ist.

Analysten von BNP Paribas betonten außerdem, dass die Vorteile des digitalen Euro gegen mögliche Finanzierungs- und Rentabilitätsprobleme für Banken abgewogen werden müssen, je nachdem, wo die Haltelimits und Vergütungen festgelegt werden. 

Auf die Fragen von Cointelegraph hin lehnte die EZB eine direkte Stellungnahme zu dem Brief der Ökonomen ab, verwies jedoch auf mehrere aktuelle Studien.

In einem technischen Anhang werden die Auswirkungen eines digitalen Euro mit einer individuellen Haltegrenze von 3.000 Euro auf die Finanzstabilität analysiert. Dabei kommt man zu dem Schluss, dass selbst in einem ungünstigen Szenario keine Bedenken hinsichtlich der Finanzstabilität bestehen.

Ein weiterer Bericht bewertet, wie sich ein digitaler Euro in das bestehende Zahlungsökosystem einfügen würde, während separate Papiere die Datenschutzmaßnahmen und die Investitionskosten für den Bankensektor des Euroraums untersuchen.

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