Aus der Anklage vom 30. April gegen zwei Personen wegen mehrerer Vorwürfe, wie etwa Bankbetrug und Betrieb eines nicht lizenzierten Geldübermittlungsunternehmens, geht ein offenbarer Zusammenhang mit den Schattenbankdienstleistungen hervor, die in zwei kürzlichen, hochkarätigen Kontroversen um Kryptobörsen genutzt wurden.

Die Anklage gegen die Reginald Fowler aus Arizona und Ravid Yosef aus dem israelischen Tel Aviv wurde am 30. April in einer Pressemitteilung der US-Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York (SDNY) bekanntgegeben.

Der Ankündigung der Staatsanwaltschaft zufolge, die neben einem unverschlossenen Anklagedokument des Justizministeriums veröffentlicht wurde, sei Fowler am 30. April wegen Bankbetrugs und des Betriebs eines unlizenzierten Geldübermittlungsunternehmens verhaftet worden. Der mutmaßliche Beteiligte Yosef sei hingegen weiter auf freiem Fuß.

Fowler und Yosef sollen für mehrere miteinander verbundene Unternehmen gearbeitet haben, die Fiatwährungsbankendienstleistungen für mehrere Kryptobörsen erbracht haben. Ihnen wird vorgeworfen, teil einer Verschwörung zu sein, in deren Rahmen Fowler bei mehreren Banken falsche Angaben machte, um Konten zu eröffnen, auf denen die Einlagen von Krypto-Käufern gehalten werden sollten.

Wie The Block Crypto heute berichtete wird Global Trading Solutions LLC, eine der Firmen der Beklagten, die ein Bankkonto bei HSBC USA besitzt, Berichten zufolge von Crypto Capital geleitet. Dieser wiederum ist der Zahlungsverarbeiter für die Fiat-Einlagen der Kryptobörse Bitfinex.

Laut The Block soll die namentlich nicht genannte, aber angeblich in der Anklage implizierte, Firma Global Trade Solutions AG aus der Schweiz die Geschäfte von Crypto Capital leiten und ebenfalls ein HSBC-Konto besitzen, das von Crypto Capital zur Verarbeitung von Fiat-Einlagen für Bitfinex verwendet worden sei.  

Fowler und Yosef wird außerdem vorgeworfen, elektronische Zahlungsanweisungen gefälscht zu haben, um die wahre Größe ihres mutmaßlich voluminösen Kryptobörsengeschäfts zu vertuschen. Dieses soll Dienstleistungen erbracht haben, wodurch Berichten zufolge Hunderte von Millionen Dollar über die Konten ihrer Unternehmen Banken auf der ganzen Welt fließen konnte.

Laut seiner Webseite habe Crypto Capital auch Dienstleistungen für die inzwischen stillgelegte kanadische Kryptobörse QuadrigaCX erbracht. Diese wurde nach dem Tod ihres Besitzers Mittelpunkt einer Kontroverse, da dieser angeblich die einzige Person mit Zugang zu den Wallet-Schlüsseln der Börse gewesen sei.

Eine frühere, archivierte Version der Webseite vom 1. Februar 2018 hatte Bitfinex als einen der Kunden von Crypto Capital aufgeführt. Alle Hinweise darauf seien allerdings inzwischen anscheinend entfernt worden.

Wie bereits berichtet, hat die New Yorker Staatsanwaltschaft diesen Monat behauptet, dass Bitfinex umgerechnet rund 756 Mio. Euro verloren habe, die mutmaßlich bei Crypto Capital gehalten worden sein sollen. Anschließend soll die Börse Geld vom Stablecoin-Betreiber Tether, mit dem sie in Verbindung steht, verwendet haben, um das Defizit heimlich zu decken. Tether soll im Übrigen nun nur noch zu 74 Prozent durch Bargeld gedeckt sein.

In einer offiziellen Erklärung wies Tether diese Behauptungen zurück und erklärte, die Gerichtsakten der New Yorker Staatsanwaltschaft seien "bösgläubig geschrieben und mit falschen Behauptungen durchsetzt, darunter auch der mutmaßliche 'Verlust' von 850 Mio. US-Dollar (756 Mio. Euro) bei Crypto Capital".

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