Ökonom: „Kryptowährungen könnten Durcheinander im Geldsystem anrichten“

James Bullard, der Vorsitzende der Zentralbank von St. Louis, sieht Kryptowährungen als weitere Wettbewerber im globalen Kampf der Währungen, was letztendlich negative Auswirkungen auf das Geldsystem haben könnte. Die entsprechende These stellte Bullard im Rahmen einer Forschungskonferenz der Zentralbanken vor.

Auf der jährlichen Konferenz der Central Bank Research Association hielt Bullard einen Vortrag, aus dem einige Power-Point-Folien am 19. Juli auf dem Twitter-Konto der Zentralbank von St. Louis veröffentlicht wurden.

Anhand dieser Folien zieht Bullard einen Vergleich zwischen der historischen Entwicklung des Geldmarktes und den Implikationen, die sich aus dem Markteintritt der Kryptowährungen ergeben. Dieser Vergleich sei naheliegend, da es schon immer Wettbewerb zwischen Währungen gegeben habe, so der Experte.

Zunächst gibt sich Bullard milde, da er meint, dass „gemeinschaftliche und private Währungen in einem Gleichgewicht koexistieren können“, soweit die Theorie. In der Praxis beobachtet er jedoch einen anderen Trend, einen Trend zur regionalen Ungleichmäßigkeit. Eine solche Ungleichmäßigkeit zwischen der Kaufkraft von Währungen sei jedoch nicht wünschenswert, wie er anhand der Volatilität der Wechselkurse belegt. Wie in untenstehender Grafik zu erkennen ist, schwankt der Wechselkurs selbst bei stabilen Währungen wie dem Yen und dem US-Dollar enorm.

The volatility of foreign exchange

Volatilität der Wechselkurse trotz stabiler Volkswirtschaften (GDP). Quelle: stlouisfed

Eine solche Ungleichmäßigkeit sei selbst auf internationalem Parkett schon problematisch, weshalb Staaten sich in der Vergangenheit stets darum bemüht hätten, zumindest auf nationaler Ebene keinen Wettbewerb zwischen Währungen zuzulassen, um einen ähnlichen Effekt zwischen den Regionen des eigenen Landes zu vermeiden. Dazu erklärt Bullard:

„Kryptowährungen treiben innerhalb der USA den Trend zu einem ungleichmäßigen Währungssystem voran. Einen solchen Zustand hat es in der historischen Vergangenheit schon gegeben, allerdings war damit keiner zufrieden, weshalb er wieder abgeschafft wurde.“

Demnach bestand 1830 der Großteil des amerikanischen Geldsystems aus verschiedenen privaten Währungen, die miteinander konkurrierten. Hieraus entstand eine regionale Ungleichmäßigkeit, die zu stark schwankender Kaufkraft der einzelnen Währungen führte, was wiederum für die Bevölkerung problematisch war. Im anschließenden Bürgerkrieg legte die Regierung deshalb einen festen Wechselkurs fest.

Folglich könnten Kryptowährungen ein vergleichbares „Durcheinander“ mit sich bringen, das vermeintlich mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Eine Rückbesinnung auf eine übergeordnete Währung wäre die logische Konsequenz.

Wie Cointelegraph diese Woche berichtet hat, hat die amerikanische Parlamentarierin Alexandria Ocasio-Cortez im Rahmen der Anhörung zur Facebook Kryptowährung Libra ähnliche Fragen aufgeworfen. Demnach sieht sie durch Libra das staatliche Monopol zur Herausgabe von Währungen gefährdet. Eine ähnliche Einschätzung hatte zuletzt auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz getroffen, sein französischer Kollege Bruno Le Maire äußerte zuvor ebenfalls diese Befürchtung.