Ethereum-Mitbegründer kritisiert Facebooks Libra wegen Zentralisierung

Der Ethereum-Mitbegründer Joseph Lubin sagte, dass Facebooks Libra-Token wie "ein zentralisierter Wolf im dezentralen Schafspelz" sei, wie es in einem Artikel der Tech-Nachrichtenplattform Quartz vom 21. Juni heißt.

Der Social-Media-Riese hat das Whitepaper für seine Kryptowährung namens Libra Anfang dieses Monats veröffentlicht. Auf dieses gab es gemischte Reaktionen von Experten aus der Kryptowährungs- und Blockchain-Branche und auch Regierungsbehörden haben Bedenken in diesem Zusammenhang geäußert.

In seinem Artikel erklärte Lubin, dass das Libra-Whitepaper Gefühle beschreibe, die in der Kryptowährungs-Community verbreitet sind. Darin heißt es, dass "das weltweite Versenden von Geld so einfach und kostengünstig sein sollte, wie das Senden einer Nachricht über Ihr Handy" und "die Finanzinfrastruktur sollte weltweit integrierbar sein und als öffentliches Gut verwaltet werden".

Lubin zitierte weitere Aussagen aus dem Whitepaper. Laut diesem würden "die Leute zunehmend dezentralen Verwaltungsformen vertrauen". Lubin sagte dazu, dass die Nutzer den Fiatwährungen und den Staatsanleihen, durch die Libra gestützt wird, vertrauen müssen. Händler hingegen müssten darauf vertrauen, dass das Netzwerk verantwortungsbewusst betrieben wird. Darüber hinaus erklärte Lubin auch die zentralisierte Infrastruktur:

"Das vielleicht wichtigste ist, dass wir darauf vertrauen müssen, dass Libra irgendwann zu einem "erlaubnislosen", dezentralen System übergeht. Bei einem solchen könnte nämlich jeder das Netzwerk validieren und nicht nur die Mitglieder, die die strengen Kriterien erfüllen. Denn dadurch bleibt die Kontrolle in den Händen der ursprünglichen 28 Unternehmen."

Dennoch gibt Lubin zu, dass er dem Projekt auch etwas Positives abgewinnen könne. Er sagt, dass es in ein paar Jahren zwei Milliarden Libra-Nutzer geben könnte, und die Benutzerfreundlichkeit der Kryptowährung könnte dabei erheblich verbessert werden:

"Auf einen Schlag könnten talentierte Designer im Bereich Benutzerfreundlichkeit die aktuelle Reibung bei der Verwendung von Kryptowährungen reduzieren. Die Verwaltung privater Schlüssel, das Verständnis von "Gaszahlungen" und die Installation von Krypto-Browser-Plugins könnte so einfach werden, wie wenn man man "Senden" bei WhatsApp drückt, das ein weiteres Facebook-Unternehmen ist."

Lubin behauptet auch, dass die Entwickler der auf Ethereum spezialisierten Entwicklerfirma ConsenSys den Code bereits analysiert hätten und bemerkten, dass das Projekt viele Ideen von Ethereum übernommen habe. Abschließend erklärte er, er erwarte, dass Libra aus technischer Sicht gut ausgeführt werde.

Wie Cointelegraph gestern berichtete, warnte Philip Lowe, der Gouverneur der Zentralbank von Australien, davor, dass die angekündigte Libra-Währung von Facebook nicht allzu bald in den Mainstream gelangen könnte.

Außerdem wurde Anfang dieser Woche eine G7-Task Force eingerichtet, um zu untersuchen, wie Zentralbanken Kryptowährungen regulieren können.